Goldman Sachs will Sparkonten in Deutschland anbieten

Nachdem Goldman Sachs einen Fokus auf die Eroberung des Privatkundenmarkts in den USA und Großbritannien setzte, nimmt die amerikanische Großbank nun auch den deutschen Markt ins Visier. Für das Finanzinstitut ist dieses Vorgehen eine Revolution.

Goldman Sachs setzt auf neues Kundensegment 

Früher war Goldman Sachs vor allem als Bank mit einem Fokus auf Großkunden bekannt. So wurde der deutsche Markt vor allem vom Frankfurter Messeturm bearbeitet und ein besonderer Fokus auf Dax-Konzerne und professionelle Investoren gelegt. Der Europachef des Unternehmens, Richard Gnodde, kündigte nun jedoch einen Strategiewechsel an. Durch die Veröffentlichung der neuen Online-Banking-Plattform „Marcus“ soll nun auch der deutsche Privatkundenmarkt ins Visier der Bank genommen werden. Zu Beginn sollen vor allem Sparkonten zur Eroberung des Massenmarkts angeboten werden. 

Im Allgemeinen wird der deutsche Markt als besonders schwierig beschrieben, wird er doch vor allem von Sparkassen und Genossenschaftsbanken dominiert. Trotz einer schrumpfenden Filialanzahl – laut Bloomberg belief sich der Schwund auf sechs Prozent – beträgt der Marktanteil dieser etablierten Finanzinstitute bei zwei Dritteln des Gesamtmarktes.

 

Marcus – die Plattform für Privatanleger 

Hinter dem Namen Marcus verbirgt sich die neue Online-Plattform von Goldman Sachs, die insbesondere für Privatkunden entwickelt wurde. Der Name der Plattform basiert auf dem Gründer des Unternehmens, Marcus Goldman. Als die Plattform 2016 in den USA gestartet wurde, umfasste das Angebot vor allem Verbraucherkredite. Anschließend wurden zusätzlich Sparkonten angeboten, die eine Verzinsung von 1,6 offerierten und somit eine bessere Verzinsung als der Markt boten. Bereits im Juni soll die neue Plattform auf dem britischen Markt veröffentlicht werden. Dabei werden im ersten Schritt die Sparkonten veröffentlicht, um anschließend eine Erweiterung um die Privatkundenkredite zu implementieren. Das Kreditgeschäft ist für 2019 geplant. Bisher gab Goldman Sachs noch keinen Zeitplan für den deutschen Marktstart bekannt.

 

Apple-Kreditkarte soll neue Kunden anlocken 

Das stagnierende Beratungsgeschäft sorgt für ein schwächeres Wachstum bei Goldman Sachs, sodass nun auch Privatkunden im Fokus des Unternehmens stehen. Insbesondere die junge und mobile Kundschaft steht dabei im Fokus des Unternehmens. Die ältere Kundschaft setzt dahingegen auf teure Filialen, welche jedoch nicht im Expansionsplan des Unternehmens vorkommen. Seit der Gründung der Bank erfolgte eine Spezialisierung auf den Finanzmarkt sowie auf die Vermögensverwaltung reicher Kunden. Nun öffnet das elitäre Finanzinstitut die Türen für neue Anleger und vollzieht somit einen Schritt, den viele Bankexperten als nötig erachten. Vor allem diese neuen Kunden sollen dafür sorgen, dass die Gewinne wieder auf neue Höchststände klettern. 

Die jüngste Kooperation der Bank mit Apple soll dabei ein besonderer Wachstumstreiber sein. Demnach wird Goldman Sachs eine Apple-Kreditkarte veröffentlichen, die widerrum Millionen von neuen Kunden auf die Plattform Marcus locken könnte. Apple möchte durch die Kreditkarte den Einstieg in den Finanzmarkt meistern und Kunden eine Methode zur Finanzierung neuer Geräte bieten. 

Trotz der Erschließung des Privatkundenmarkts möchte die Bank dennoch eine selektive Geschäftspolitik verfolgen. Der Markt steht kurz vor dem Ende der Niedrigzinsphase und die steigenden Zinsen könnten für ein erhöhtes Kreditausfallrisiko sorgen. Laut Gnodde werde sich die Bank auf europäische Privatkunden mit einer guten Bonität konzentrieren. Kunden mit einer schlechten Bonität werden demnach nicht als potenzielle Kunden avisiert.