Gründe des RWE Aktien-Absturzes

RWE-Anleger waren bis vor kurzem noch vollkommen mit dem Unternehmen und der Kursentwicklung zufrieden. Wer sich für Anteilsscheine dieses Konzerns entschied, setzte auf Sicherheit und durfte sich über Zugewinne freuen. Doch nun kam es zu einem Kurssturz, der durch Analysten verursacht wurde.

Für RWE gab es bis vor ein paar Wochen keine Gefahren, die für Anleger bedeutsam waren. Zwar musste der Konzern einräumen, dass die Gewinne etwas niedriger ausfallen, jedoch lagen diese noch immer innerhalb der Erwartungen. Nach der Energiewende im Jahr 2011, die den Betrieb stark belastete, konnten die Papiere wieder Zuwächse verzeichnen. Allein in diesem Jahr lag die Wertsteigerung bei 25 Prozent. Dies änderte sich Mitte September grundlegend. Die Zeit der Daueranstiege war vorbei und eine Rallye begann. Deren vorläufiges Ende war ein Absturz von 8,5 Prozent.
Es stellt sich nun die Frage, welche Gründe für diesen Einbruch vorliegen. Selbstverständlich hat die Entscheidung des zuständigen Gerichts, dass es zu einer Verschiebung der Rodung des Hambacher Forstes kommt dazu beigetragen. Doch möglicherweise ist dieses Urteil schwerwiegender als gedacht und deckt ein Problem in der Unternehmensstrategie auf. Denn die Braunkohle wird von den Bürgern als nicht mehr tragbar angesehen. Zusätzlich sind mit dieser Entscheidung viele Kosten verbunden. Allein die Honorare für die Anwälte fallen hoch aus. Zusätzlich dauert es lange, bis das Hauptverfahren abgeschlossen ist und ein endgültiges Urteil feststeht. Bis zu diesem Zeitpunkt darf es zu keinen Arbeiten im Hambacher Forst kommen. Die Aktionäre sind dadurch verunsichert und haben sich von ihren Anteilsscheinen getrennt.


Die Zukunftsaussichten und mögliche Maßnahmen

Schon jetzt gibt es Befürchtungen, dass der Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich im nächsten Jahr geringer ausfallen wird. Dieser Wert ist gleichzusetzen mit den Gewinnen, die der Konzern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit der Kern- und Braunkohleenergie machte. Doch die Frage, die aufkommt und deren Beantwortung wichtig ist, ist grundsätzlicher. Die Verantwortlichen müssen abklären, ob es nun zu einer Auseinandersetzung kommt, welche man nicht gewinnen kann. Denn nicht nur Umweltaktivisten haben erkannt, dass ein Strategiewechsel bei der Energiegewinnung notwendig ist. Auch Großinvestoren wie Blackrock befassen sich mit dieser Thematik und suchen nach Alternativen. Das Image von RWE hat stark gelitten und die Gesellschaft möchte hier einen Wechsel sehen. Somit muss das Unternehmen nach neuen Wegen suchen und sein Image ändern.
Ein Kurswechsel ist dabei nicht schwer, denn RWE hat schon Vorkehrungen für die Zukunft getroffen. So steht eine Übernahme von Innogy an, durch welche Zugang zum Markt für erneuerbare Energien entsteht. Diese Entscheidung ist wichtig, da der Druck immer stärker zunimmt. Neben den Umweltschützern kümmert sich die Regierung ebenfalls um dieses Thema. Sie hat eine Kohlekommission eingesetzt, deren klare Forderung ein Ausstieg aus der Braunkohle ist. RWE selbst plant bis zur Mitte des Jahrhunderts mit der Braunkohlenutzung. Jedoch steigt der Druck immer deutlicher, weshalb eine Kurskorrektur auf diesem Sektor wahrscheinlich ist.
Die Fachleute haben die Risiken der Aktien von RWE entdeckt und daher den fairen Wert eines Anteilsscheins von 25 auf 22 Euro reduziert, was für weniger Nachfrage sorgt.