"Haushaltsaktien – ein bisschen Ruhe im Depot"
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2022-06-30

"Haushaltsaktien – ein bisschen Ruhe im Depot"

Gegessen und getrunken wird immer, auch in einer Rezession. Nahrungsmittelunternehmen und solche, die Bedarfsgüter für den täglichen Konsum produzieren, gelten deshalb als relativ krisenfest. Im Depot können die sogenannten Haushaltsaktien in turbulenten Zeiten für ein wenig Ruhe sorgen.

Für Haushaltsaktien spricht, dass Güter wie Nahrungsmittel oder Hygieneprodukte auch in Krisenzeiten eine vergleichsweise stabile Nachfrage aufweisen. Während beispielsweise Elektrogeräte oder Autos in wirtschaftlich turbulenten Phasen unter einer schwächelnden Nachfrage leiden, werden Güter des täglichen Bedarfs auch in Krisenzeiten benötigt und gekauft. „Das bedeutet aber nicht, dass Anleger sich nun die nächstbeste Haushaltsaktie ins Depot legen sollten, auch hier bedarf es vorab natürlich einer genauen Analyse“, sagt Lars Reiner, CEO des Robo-Advisors Ginmon.

Haushaltsaktien sind defensive Titel. Es sind Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle relativ unabhängig von Konjunkturzyklen stabile Umsätze und Erträge liefern. Denn komplett unabhängig von der Wirtschaftslage sind sie natürlich auch nicht. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Haushaltsaktien sich aufgrund der wenig zyklischen Geschäftsmodelle als recht krisenresistent erwiesen haben. „Haushaltsaktien bieten auch in stürmischen Zeiten einen gewissen Schutz, allerdings zeigt die Erfahrung auch, dass einige Titel in extremen Marktphasen auch nicht immun gegen Kursverluste sind“, sagt Reiner.




Haushaltsaktien zahlen sich aus

Doch das Minus ist eben etwas geringer, wie auch eine aktuelle Auswertung von HQ zeigt. Kapitalmarktanalyst Sven Lehmann hat zunächst ausgewertet, ob sich alle elf Sektoren des MSCI ACWI auf Euro-Basis in einem Bärenmarkt befinden. Anschließend prüfte Lehmann, wie hoch der Anteil der Einzeltitel der Sektorindizes ist, die derzeit mehr als 20 Prozent von ihrem Allzeithoch, also im Bärenmarkt, entfernt sind. Überraschend: „Von den elf Sektoren des MSCI ACWI befinden sich derzeit nur drei in einem Bärenmarkt. Am weitesten vom Allzeithoch entfernt sind die Nicht-Basiskonsumgüter, gefolgt von IT und den Kommunikationsdiensten“, sagt der Experte. Basiskonsum ist also nicht dabei. Besser noch: „Der Anteil der Aktien, die nahe an ihrem Allzeithoch stehen und weniger als zehn Prozent verloren haben, ist bei den Basiskonsumgütern mit zwölf Prozent am höchsten.“ Es hat sich also auch in dieser Krise ausgezahlt, die eher langweiligen Haushaltsaktien im Depot zu haben.

Zu den Haushaltsaktien zählen aber nicht nur Nahrungsmittelproduzenten, sondern auch Herstellern von Elektrogeräten vom Kaffeevollautomaten bis zum Kühlschrank sowie Drogerieartikeln und Putzmitteln. Alles in allem Produkte, ohne die es eben auch in Krisenzeiten eigentlich nicht geht. Wer isst und trinkt, der kühlt und putzt eben auch. „Wie alle Investments müssen aber auch Basiskonsumaktien in besonders turbulenten Börsenzeiten einem Check durch den Anleger unterzogen werden – für den einen Wert sind dabei die Aussichten besser als für den anderen“, sagt Michael B. Bußhaus, Gründer und Geschäftsführer des Neobrokers justTRADE. Wie gut sich die Papiere in Zeiten schwachen Wachstums und hoher Inflation behaupten, hängt zum Großteil auch von der Marktstellung des jeweiligen Unternehmens ab: „Je dominanter ein Hersteller ist und je beliebter seine Marken sind, desto eher kann er Preissteigerungen bei seinen Kunden durchsetzen“, so Bußhaus. Nicht zu unterschätzen sei aber die Marktmacht der großen Handelsketten.


Risikostreuung mit ETFs

Wie immer stehen Anleger vor der Entscheidung, ob sie auf einzelne Unternehmen setzen oder das Risiko via Fonds oder börsengehandelten Indexfonds (ETF) streuen. „Wer sich eine eigene Auswahl zutraut und die entsprechende Erfahrung mit sich bringt, kann durchaus auf Einzeltitel setzen - insbesondere auch langfristig-orientierte Buy-and-Hold-Investoren“, sagt justTrade-Gründer Bußhaus. „Alle Anderen sollten allein schon im Sinne der Diversifizierung eine breite Streuung über ein ETF-Investment erwägen.“

Acht entsprechende ETFs sind an der Börse Frankfurt gelistet. Anleger können auf weltweite Konsumgüter-Aktienindizes setzen oder aber amerikanische beziehungsweise europäische.  Sie bieten eine gute Risikostreuung. „Insgesamt ist die Nachfrage nach Lebensmitteln, Hygieneprodukten und Basiskonsumgütern sehr stabil und nicht elastisch“, sagt Reiner. Jedoch könne es immer Verschiebungen innerhalb der Branche geben. „Mit einem breit gestreuten ETF decken Anleger aber die ganze Branche ab. Damit einhergehend kann das Risiko – anders als bei Investitionen in Einzelaktien oder aktiven Fonds – eliminiert werden, dass man mehr Verlierer als Gewinner wählt.“ Bei den aktiv gemanagten Fonds mit Schwerpunkt Basiskonsum ist die Auswahl sehr viel größer. Fast alle großen Fondsgesellschaften haben ein entsprechende Produkt im Angebot.




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