Hochzinsanleihen: Ein Zwitter aus Aktien und Bonds; und eine Alternative im Niedrigzinsumfeld
2 min
2022-02-02

Hochzinsanleihen: Ein Zwitter aus Aktien und Bonds; und eine Alternative im Niedrigzinsumfeld

Das Risikoprofil von Hochzinsanleihen ähnelt eher Aktien als Investment-Grade-Anleihen. Anleger sollten sie deshalb weder dem Anleihen- noch dem Aktienportfolio zuordnen, sondern als weiteres Diversifikationsinstrument begreifen. Tipps direkt vom Experten.

Aktien und Anleihen: Die fundamentale Portfolioentscheidung für Generationen von Anlegern betraf die Aufteilung ihres Vermögens in diese beiden Anlageklassen. Aktien und Anleihen haben ein signifikant unterschiedliches Risikoprofil und eignen sich daher für die Portfoliodiversifizierung. Das gilt heute immer noch, aber Investment-Grade-Bonds tragen mittlerweile eine negative Realrendite. Alternativen sind gefragt!

Eine mögliche Antwort waren im letzten Jahr High-Yield-Bonds, auf Deutsch: Hochzinsanleihen. Während beispielsweise eine 10-jährige US-Staatsanleihe heute nur noch 1,7 Prozent Rendite abwirft, liegt die durchschnittliche Rendite im High-Yield-Segment laut Morningstar bei 4,4 Prozent. Natürlich bei entsprechend höherem Risiko!


Hochzinsanleihen sind weniger zinssensitiv

Die Renditen der meisten Anleihefonds werden maßgeblich von Zinsschwankungen beeinflusst. Hochzinsanleihen sind jedoch – entgegen der Intuition – weniger zinssensitiv als andere Anleihen.

„Im Gegensatz zu Investment-Grade-Anleihen hängt die Wertentwicklung von High-Yield-Bonds vor allem vom Kreditrisiko des Emittenten ab“, erklärt Philippe Sissener, der für den Osloer Asset Manager Sissener AS den Sissener Corporate Bond Fund verwaltet. „Zentralbanken erhöhen die Zinsen in der Regel nur dann, wenn sich die Konjunktur positiv entwickelt. In diesem Fall verbessert sich meist auch die finanzielle Situation von High-Yield-Emittenten. Deshalb haben Zinserhöhungen bei Hochzinsanleihen in der Regel eine geringere Auswirkung auf die Kurse als bei Investment-Grade-Anleihen.“

Das wäre beispielsweise im letzten Jahr der Fall gewesen: High-Yield-Fonds hätten allgemein besser performt als Anleihefonds mit Fokus auf Emittenten mit höheren Ratings. Der Sissener Corporate Bond Fund hatte beispielsweise eine Rendite von 7,7 Prozent. Das führt Sissener vor allem auf die positive konjunkturelle Entwicklung in den nordischen Märkten zurück, in denen der Fonds investiert.


Eher Aktien als Anleihen

Statt auf die Zinsentwicklung kommt es im High-Yield-Segment umso mehr auf andere Risikofaktoren an. Vor allem auf die Kreditwürdigkeit. „Wir schauen auf eine Vielzahl an Risikofaktoren“, sagt Sissener. „Dazu gehören vor allem die Kapitalstruktur des Unternehmens und seine wirtschaftliche Perspektive. Mit anderen Worten: Kann das Unternehmen ausreichend Cashflows erwirtschaften, um das geliehene Kapital zurückzuzahlen?“

Das Risikoprofil von Hochzinsanleihen erinnert somit eher an den Aktienmarkt: Eine Analyse von Morningstar ergab, dass US-High-Yield-Bonds 2021 eine Korrelation von 0,81 mit dem US-Aktienmarkt aufwiesen, und eine Korrelation von 0,21 mit dem US-Investment-Grade Anleihenmarkt. Für die Portfolioallokation ist diese Erkenntnis entscheidend.


Separate Anlageklasse?

Für Sissener sind High-Yield-Bonds weder im Aktienteil des Portfolios, noch bei den Investment-Grade-Anleihen zu verorten. Sie liegen dazwischen! Während der Finanzkrise 2008 verloren US-High-Yield-Bonds circa 15 Prozent, während der US-Aktienmarkt über 37 Prozent einbüßte. Investment-Grade-Anleihen verloren hingegen nur fünf Prozent. Das gleiche geschah während der Covid-Krise im März 2020: High-Yield-Bonds performten mit einem Verlust von circa 14 Prozent deutlich besser als Aktien, die knapp 34 Prozent im Minus lagen.

High-Yield-Bonds haben also einen geringeren maximalen Drawdown als Aktien. Im Vergleich zu Investment-Grade-Anleihen bieten sie zwar nicht den gleichen Risikopuffer, aber eine höhere Rendite. Philippe Sissener hält sie damit für eine gute Alternative im Niedrigzinsumfeld. „Anleger sollten Hochzinsanleihen als separate Anlageklasse begreifen“, sagt Sissener. „Neben Aktien und sicheren Anleihen können Sie dem Portfolio einen Rendite-Boost geben.“

To use this feature, you have to create a free account.