Hohe Rabatte sollen Kunden in die Geschäfte locken

Die Umsätze der stationären Läden sind zwischen den Monaten Januar und Juni um 2 Prozent zurückgegangen. Zudem kamen um 4 Prozent weniger Kunden in die Läden. Die Zahl der verkauften Artikel ging um 5 Prozent zurück.

Der große Ausverkauf hat begonnen: Viele Modehändler locken wieder mit Preisnachlässen zwischen 50 Prozent und 70 Prozent - wieder einmal haben die Verbraucher die Chance, dass attraktive Stücke zu extrem günstigen Preisen gefunden werden. Blickt man auf das erste Halbjahr zurück, so ist das keine große Überraschung, dass Markenshops, Modehäuser und Boutiquen nun mehr Kunden anlocken wollen - in den ersten sechs Monaten gab es nämlich, verglichen mit dem Jahr zuvor, einen enormen Rückgang. In zahlreichen Läden mussten geringere Umsätze und somit weniger Gewinne verbucht werden.

 

Selbst große Modehändler haben Schwierigkeiten

Thomas Harms, Handelsexperte der EY-Unternehmensberatung, weiß, dass stationäre Händler extrem große Schwierigkeiten haben. „Natürlich wird man immer wieder sagen, dass das Wetter die Schuld trägt, das ist aber nicht zu 100 Prozent richtig.“ Folgt man der Studie von „Textilwirtschaft“, einem Branchenfachblatt, so sind die Umsätze der stationären Läden zwischen den Monaten Januar und Juni um 2 Prozent zurückgegangen. Zudem kamen um 4 Prozent weniger Kunden in die Läden. Die Zahl der verkauften Artikel ging um 5 Prozent zurück. Aber nicht nur kleinere und mittlere Händler mussten Umsatzeinbußen verbuchen - auch H&M, der schwedische Modekonzern, gab an, innerhalb des ersten Halbjahres einen Erlösrückgang von 5 Prozent festgestellt zu haben.

 

Fehlender Frühling, Online-Shops und volle Kleiderschränke

Zwei Probleme haben der Branche tatsächlich zu schaffen gemacht - Online-Bestellungen und das Wetter. Während es im März noch Minus-Rekordtemperaturen gab, begann im April schon der Sommer, sodass es für die Händler im Jahr 2018 keinen Frühling gab. Zudem gab es bei den Online-Bestellungen im zweiten Quartal einen Anstieg um 9 Prozent. Und ein weiterer Aspekt, der trotz guter Konjunktur und Kauflaune nicht außer Acht gelassen werden darf: Deutsche haben volle Kleiderschränke - so weiß Handelsexperte Harms, dass viele Deutsche keine Kleidung benötigen und ihr Geld lieber in andere Artikel stecken. „Problematisch sind dann noch zahlreiche Fehler, die die Situation verschlimmern“, so Harms. „Es ist total absurd, wenn Mitte Juli schon die ersten Läden ihre Herbst- und auch Winterkollektionen anbieten. Der Handel schaufelt sich mit derartigen Aktionen das eigene Grab. Denn wenn die Ware saisongerecht kommen würde, dann müsste man die Produkte nicht wieder mit hohen Rabatten versehen, damit man sie dann wieder anbringt.“

 

Keine Besserung in Sicht

Ein weiterer Punkt: Viele stationäre Händler würden noch immer die Online-Konkurrenz unterschätzen - ein fataler Fehler. „Fakt ist, dass der Online-Handel mit der Mode boomt. Wer das nicht ernst nimmt, der wird extreme Schwierigkeiten bekommen“, so Harms, der auch an keine schnell eintretende Besserung für den Handel glaubt. Er stützt sich dabei auf die Ergebnisse einer Umfrage für Konsumforschung, die von der „Textilwirtschaft“ in Auftrag gegeben wurde: 36 Prozent gaben an, 2018 weniger Geld für Kleidung als im Vorjahr ausgeben zu wollen; nur 22 Prozent möchten in diesem Jahr mehr Geld ausgeben.