Home24: Onlinemöbelhändler soll schnell an die Börse gehen

Nach Delivery Hero und Hellofresh plant die Start-up Schmiede Rocket Internet Gerüchten zufolge gerade mit Home24 das dritte Unternehmen seit Sommer 2017 an die Börse zu bringen. Der Onlinemöbelhändler kam den schwarzen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder ein Stück näher und will bald die Schwelle zur Gewinnzone überschreiten. Allgemeiner Druck im Möbelhandel und spezifische Probleme von Home24 werfen allerdings Fragen auf.


Auf dem Weg in die Gewinnzone

Auch das Jahr 2017 hat der Onlinemöbelhändler Home24 mit einem hohen Verlust abgeschlossen. Zwar betrug das Minus mit rund 22 Millionen Euro (Ebitda) nur noch die Hälfte des Vorjahreswertes, doch in die schwarzen Zahlen schaffte es das Start-up aus dem Hause Rocket Internet dennoch noch nicht. Das Unternehmen selbst sieht sich dagegen auf einem stabilen Wachstumspfad und rechnet damit, bald die Gewinnschwelle zu überschreiten. “Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.”, sagte Co-Vorstand Marc Appelhoff dem Handelsblatt. Besonders das letzte Quartal im vergangenen Jahr zeigt aus Sicht des Unternehmens, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Der Umsatz stieg in den letzten drei Monaten 2017 um etwa 20 Prozent, vor allem legten allerdings die Margen auf 46 Prozent zu.

Schneller Börsengang erwartet

Die Start-up Schmiede ist bekannt dafür, seine Gründungen schnell an die Börse zu bringen und setzt diese Strategie auch radikal um. Dass Home24 in der letzten Finanzierungsrunde nur noch mit 440 Millionen Euro bewertet wurde, dürfte daher nicht gefallen haben. Berichten zufolge plant man intern mit einer Bewertung von 500 bis 600 Millionen Euro bei einem Börsengang. Schon im Frühsommer wird mit dem IPO gerechnet, Rocket Internet hat auch bereits erste Informationen veröffentlicht.


Positive Nachrichten kommen derweil aus dem einzigen außereuropäischen Markt, in dem Home24 aktiv ist. In Brasilien ist es im abgelaufenen Geschäftsjahr gelungen, die Schwelle zum Gewinn zu überschreiten. Für das Unternehmen zeigt dieser Lichtblick, wohin die Reise derzeit geht. In der letzten Zeit deckten mehrere kleinere Finanzierungsrunden den Kapitalbedarf. Jetzt ist offenbar ein großer Wurf geplant.

Trotz Problemen optimistisch

Hoher Konkurrenzdruck setzt derzeit der gesamten Branche zu. Der Neueinsteiger Home24 muss sich dabei vor allem gegen alte Riesen wie Ikea durchsetzen. Dort ist im letzten Jahr nach langer Zeit auch das online Geschäft kräftig gewachsen. Spezifisch für die Möbelbranche ist auch, dass große Anschaffungen lange geplant werden und dass Kunden nach einer großen Investition längere Zeit nicht zurückkehren. Das macht besonders hohe Ausgaben für das Marketing erforderlich, um Kunden immer wieder vom eigenen Angebot zu überzeugen. In beiden Punkten zeigt sich Home24 jedoch optimistisch.

Ikea lege im Online-Geschäft nicht dank neuer Kunden zu, sondern vor allem durch die Wanderung von alten offline Kunden ins Internet. Außerdem verdiene das Unternehmen bereits beim ersten Kauf Geld, sodass es nicht unbedingt erforderlich ist, Kunden über eine lange Zeit zu halten. Dabei will das Unternehmen auch von der Nutzung seiner Kundendaten profitieren, die im Onlinehandel gewöhnlich ergiebiger sind als im stationären Geschäft. Insgesamt blickt man bei Home24 daher optimistisch in die Zukunft, was auch die Erwartungen von Rocket Internet an einen schnellen Börsengang steigern dürfte.