HypoVereinsbank zieht sich überraschend aus deutschen Fintechs zurück

Viele Banken erhöhen die Investments in die sogenannten Fintechs. Eine gegensätzliche Strategie verfolgt dahingegen die HypoVereinsbank, die sich aus ihren Fintech-Beteiligungen herauszieht. Für viele Marktteilnehmer ist diese Entwicklung etwas überraschend, da einige die Unicredit als Initiator sehen.

Sinkende Fintech-Beteiligungen bei der HypoVereinsbank 

Noch vor einem Jahr war es Peter Buschbeck, der die HypoVereinsbank digitalisieren wollte. Dies sollte vor allem durch eine Erweiterung des Leistungsspektrums der bekannten Girokonten stattfinden. Die Anforderungen und Bedarfe der Kunden sollten im digitalen Zeitalter erkannt und mit Services, welche das ursprüngliche Leistungsspektrum erweitern, abgedeckt werden. Hierfür wurde eine Kooperation mit dem Berliner Startup MoneyMap eingegangen. Ziel dieser Kooperation war die Etablierung eines vollautomatischen Vertragshelfers, der es deutschen Kunden ermöglicht, einen Überblick über die Haushaltskosten zu erlangen.

Dieser Plan wurde vor rund einem Jahr von Buschbeck vorgestellt. Dabei handelte es sich um eine Zeit, in der Buschbeck noch als Chef des Privatkundensegments galt und MoneyMap das Vorzeige-Fichtech des Münchener Finanzinstituts war. Die Beteiligung am Berliner Startup belief sich auf rund 46 Prozent. Doch mittlerweile hat Buschbeck seinen Posten bei der Münchener Großbank geräumt. Zudem haben einige Insider erklärt, dass die HypoVereinsbank auch die Anteile an MoneyMap abgestoßen hat. Diese Information wurde nicht vom Unternehmen bestätigt, wenn man allerdings den verlässlichen Quellen von Gründerszene und Finanz-Szene.de vertraut, dann kann von einem Verkauf ausgegangen werden. Ein Blick in das Handelsregister schafft jedoch noch mehr Klarheit.

 

Beteiligung an MoneyMap wurde abgestoßen 

Vielmehr sind die MoneyMap-Anteile nun im Eigentum von Finleap, einem Berliner Fintech-Builder, der zusammen mit der HypoVereinsbank an der Entwicklung des Vertragsmanagers gearbeitet hat. Durch die Übernahme dieser Anteile verfügt Finleap nun über 90 Prozent der MoneyMap-Anteile. Dabei soll MoneyMap jedoch nicht das einzige Fintech sein, welches aufgrund der neuen HypoVereinsbanken-Strategie in das Eigentum von Finleap-Venture gelangt ist. Demnach soll die Münchener Traditionsbank auch die 14-prozentige Beteiligung an der Solarisbank abgestoßen haben. Laut internen Meldungen sollen diese Anteile an die spanische BBVA gegangen sein.

Aus diesem Vorgehen lässt sich schlussfolgern, dass die HypoVereinsbank ihre einzigen direkten Fintech-Beteiligungen veräußert hat und nun lediglich einen kleinen Anteil an Finleap besitzen. Die Akquise neuer Fintechs geht ebenfalls nicht aus dem Geschäftsbericht des Vorjahres hervor und auch die Unternehmenssprecher geben dazu keine Äußerungen von sich. Vor allem die konträre Strategie sorgt für Verwirrung, denn alle Wettbewerber tätigen ständig neue Investitionen in Fintechs.

 

HypoVereinsbank war mit Digitalisierung erfolgreich 

Bisher galt die HypoVereinsbank nicht als offensivster Partner, wenn es um die Kommunikation neuer digitaler Services ging. Dennoch konnte die Bank einen digitalen Servicebereich erfolgreich aufbauen. Demnach erfolgten zu einem frühen Zeitpunkt der Abbau des Filialnetzes sowie die sukzessive Fokussierung auf die Videoberatung. Die Akquisition von Finleaps fand zudem zu einem Zeitpunkt statt, als die meisten Konkurrenten noch keine Digitalstrategie hatten. Auch der Kauf der Solarisbank-Anteile war ein Erfolg, denn mit einem Verkauf an die BBVA konnte die HypoVereinsbank wohl einen Millionengewinn realisieren.

Zu einem früheren Zeitpunkt galt das Finanzinstitut sogar als Vorreiter bei der Digitalisierung. So wurde bereits im Frühjahr 2016 ein Innovationslabor gegründet. Allerdings fanden diese Schritte noch zu einer Zeit statt, in der Theodor Weimer, die Kontrolle über die Großbank besaß. Er legte einen hohen Wert auf die Digitalisierung und verantwortete Investments in Earlybird oder Samwers.