ICO: Risiken der digitalen Finanzierung

ICOs sind Initial Coin Offerings. Es handelt sich um die Neuplatzierung von Kryptowährungen, die keiner Börsenaufsicht unterliegen, ansonsten aber im Verlauf stark den IPOs ähneln (Initial Public Offerings), also der Neuplatzierung von Aktien an der Börse. Diese wiederum unterliegen strengsten gesetzlichen Vorschriften.

Seit dem Hype von Kryptowährungen verliefen einige ICOs überaus erfolgreich, die neu emittierten virtuellen Währungen legten manchmal binnen Tagen oder gar Stunden um Hunderte Prozent zu. Andere aber floppten. Das macht sie per se riskant. Auch der konventionelle Finanzmarkt und die Gesetzgeber beäugen sie misstrauisch, weshalb sich die Frage stellt: Wer braucht ICOs für immer neue Krypotwährungen, warum gibt es sie nach wie vor? Für die Erläuterung helfen praktische Beispiele weiter.


Eine äußerst praktische Kryptowährung: der Flex (ICO in 2019)

Der Frankfurter Gründer Simon Toprak hat schon 2016 in seiner Heimatstadt die Firma TrustedCars gegründet. In seinem Onlineshop können Kunden Neu- und Gebrauchtwagen kaufen, sie werden ihnen mit TÜV-Wertgutachten vor die Haustür gestellt. Das ist eine wirklich bahnbrechende und bis heute (2018) gut funktionierende Geschäftsidee, die Toprak nun ab 2019 durch die App “TrustedCars Flex“ erweitern will, die ein flexibles Zwittermodell aus Miet- und Leasingwagen offeriert. Dieses Angebot wird über eine Blockchain abgewickelt, also jene sichere Webtechnologie der Aneinanderreihung von Transaktionsblöcken, auf der auch viele Kryptowährungen basieren. Als Blockchain nutzt Toprak die Ethereum-Blockchain, die extra für solche Anwendungen - nämlich das Verwalten von Smart Contracts - geschaffen wurde, doch als internes Verrechnungsmittel schafft er die Kryptowährung Flex. In Flex rechnen die Kunden die Nutzung des Wagens, die Versicherung, den Kilometerstand und weitere Leistungen ab. In der Blockchain werden auch die Fahrzeug-ID und der Zustand des Autos gespeichert. Um nun den Flex ins Leben zu rufen, der anschließend über die Ethereum-Blockchain gehandelt werden kann, startet Toprak in 2019 einen ICO: Er emittiert das neue Zahlungsmittel und sammelt hierfür Geld von Investoren ein, welche die ersten Flex erwerben. Diese sind dann auch an Kryptobörsen und natürlich auch gegen Fiatgeld (Euro, Dollar, Pfund etc.) handelbar. Dieser ICO hat einen sehr praktischen Hintergrund, denn die Geschäftsidee der TrustedCars Flex App ist sinnvoll. Mit so einem Hintergrund wurden schon sehr viele der gegenwärtig knapp 5.000 Kryptowährungen emittiert.

 

Chancen und Risiken von ICOs

Bei einem ICO gibt der Emittent, der ein junges Unternehmen wie TrustedCars sein kann, sogenannte Tokens heraus. Diese digitalen Zahlungsmittel basieren auf einer modernen Netzwerktechnologie (oft eine Blockchain, aber auch ein DAG oder andere Varianten). Der Emittent schürft sie und verkauft sie gegen eine Fiat-Währung wie den Euro oder auch gegen andere Kryptowährungen wie den Ether oder den Bitcoin. Vielfach wird die anfängliche Emissionsgröße genau festgelegt, beim Flex sollen es beispielsweise 500 Millionen Token zu einem Erstausgabepreis von sieben Eurocent sein. Das haben vorher schon viele andere Unternehmen gemacht, von Januar bis Juni 2018 finanzierten sich von rund 200 deutschen Start-ups immerhin 13 per ICO. Weltweit konnten ICO-Emittenten im Jahr 2017 rund sechs Milliarden Dollar einwerben, im ersten Halbjahr 2018 lag die Summe sogar schon bei über zwölf Milliarden Dollar. Doch diese ICOs sind nicht nur eine Chance für die Start-ups oder für die Ersterwerber, die auf hohe Wertsteigerungen der Tokens hoffen, sondern sie bergen auch Risiken. Diese sind folgender Natur:

  • Einige neu emittierte Token wurden durch Cyberangriffe gestohlen
  • ICOs sind für Kriminelle ein beliebtes Instrument der Geldwäsche 
  • Das macht die Behörden, aber auch die Anleger misstrauisch
  • Nicht jedes Geschäftsmodell, für das eine neue Kryptowährung erfunden wird, ist wirklich sinnvoll. Daher gehen einige Start-ups und damit auch die emittierten Kryptowährungen wieder unter. Die Anleger verlieren ihren Einsatz
  • Inzwischen sind einige Aufsichtsbehörden durch betrügerische ICOs alarmiert. Die Grenze zwischen Betrug oder einfach hochspekulativen Ideen und Investments ist oft fließend. Die deutsche BaFin warnt jedenfalls die Verbraucher vor den ICOs. Die europäische Finanzaufsicht ESMA warnt ebenfalls

 

Anleger sollten daher höchstens vorsichtig investieren. Ein Totalverlust ist bei ICOs praktisch niemals auszuschließen.