Ideendiebstahl bei Google, Apple, Facebook und Amazon

In Scott Galloways neuem Buch setzt sich der Wirtschaftsprofessor mit dem Erfolgsrezept der US-Technologiekonzerne auseinander. Insbesondere der Betrug und Ideendiebstahl sei dabei eine Kernkompetenz der Technologiefirmen. Vor allem Google, Apple, Facebook und Amazon stellen für viele den Inbegriff von Erfolg dar. Alle Unternehmen starteten als Garagen- oder Wohnzimmerstartup. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Erfolg nahezu vorprogrammiert war. Dennoch sollten auch jene Unternehmen berücksichtigt werden, welche auf dem Weg zum Erfolg scheiterten. Auch die ehemalige Startup-Phase wird schnell beendet und der omnipräsente Konzern entsteht.

Vor allem in der Startup-Szene nehmen Ideenklau und das Kopieren ganzer Geschäftsmodelle eine hohe Relevanz ein. Das liegt vor allem am sich wandelnden Markt und daran, dass die jungen Unternehmen kaum etwas zu verlieren haben. Vorgehensweisen, welche sich mit Ideendiebstahl, Unwahrheiten und Täuschung befassen werden erst verwerflich, wenn das Unternehmen eine eigene Reputation besitzt. Laut Galloway lässt sich der Betrug der großen Vier in zwei Kategorien unterteilen. Im ersten Schritt funktionieren Apple, Facebook, Google und Amazon das Geschäftsmodell eines anderen Unternehmens um. Sobald das Geschäftsmodell ausreichend Gewinne abwirft, wird dieses in Form des geistigen Eigentums geschützt. Eine zweite Form des Betrugs ist die Gewinnerzielung für fremdes geistiges Eigentum, welches jedoch vom Urheber nicht in der identischen Form vermarktet werden kann. Für Startups bedeutet dies, dass eine bahnbrechende Neuentwicklung nicht zwingend notwendig ist, um eine innovative Idee zu veröffentlichen. Sobald ein anderes Unternehmen ein identisches Vorgehen fokussiert, werden Anwälte eingesetzt. Auch der sogenannte First-Mover-Vorteil, also der Vorteil des ersten Anbieters, kann sich als Nachteil herausstellen. Fast jedes erfolgreiche Tech-Unternehmen kopierte die Idee des ersten Anbieters und machte sich anschließend an den Marktanteilen des konkurrierenden Anbieters zu schaffen.

 

Geschäftsmodell stehlen und anschließend schützen

Vor allem große Unternehmen greifen oft auf bestehende Geschäftsmodelle zurück, um den eigenen Unternehmenswert schnell zu steigern. Auch für Apple, Google, Facebook und Amazon gilt dieses Vorgehen. Im Grund kämpfen solche Unternehmen in den ersten Jahren um staatliche Förderungen. Sobald das Unternehmen jedoch eine bestimmte Größe erreicht hat, kämpft es gegen die Gewährung solcher Förderungen für andere Unternehmen. Auch im historischen Kontext zeigt sich, dass der Ideendiebstahl ein probates Mittel zum Erfolg ist. Die USA bediente sich damals an den Technologien der Europäer, China kopiert heute die Ideen etablierter Unternehmen. Als wohl bekanntester Diebstahl einer Idee kann wohl der Apple Macintosh bezeichnet werden. Steve Jobs stahl die Idee einer mausgesteuerten Benutzeroberfläche und implementierte diese im eigenen Betriebssystem. Doch neben dem Ideendiebstahl spielt vor allem das eigene Marketing eine tragende Rolle. Ohne dieses wäre ein durchschlagender Erfolg schlichtweg unmöglich. Somit lässt sich festhalten, dass große Unternehmen Ideen kopieren und deren Potenzial nutzen, um Werte für die Nutzer zu schaffen.


Informationen borgen und verkaufen

Die Kernkompetenz von Google ist das Sammeln und Verkaufen von Informationen. Auf der einen Seite bietet Google kostenlose Informationen an. Das Unternehmen fasst die Informationen großer Medienmagazine zusammen und stellt diese Artikel den Nutzern zur Verfügung. Auf der anderen Seite bietet Google mit AdSense einen Service an, der es Unternehmen ermöglicht mit dem Content Geld zu verdienen. Natürlich ist dieser Service mit Kosten verbunden, sodass sämtliche Zahlungsströme auf Google fokussiert werden. Unternehmen, die einen solches Service nicht benötigen, verschwinden in zunehmenden Tempo von der Bildfläche. Zudem können Unternehmen wie Facebook und Google die Bewegungen der Nutzer auswerten, sodass passendere Angebote generiert werden.


Informationen – das neue Gold

Mittlerweile wird deutlich, dass Informationen das moderne Gold sind. Neben Facebook und Google konnte sich mit Bloomberg ein drittes Unternehmen an der Spitze der Medienkonzerne etablieren. Der Geschäftsführer Michael Bloomberg erkannte zudem schnell den Wert von Informationen und gab diese gegen eine gute Bezahlung preis. Aus diesem Grund reicherte das Unternehmen die Daten anderer mit eigenen Informationen an und verkaufte diese teuer. Vor allem bei Finanzinformationen findet der Dienst Anwendung und eine künstliche Verknappung sorgt dafür, dass Investoren und Anleger bereit sind einen hohen Preis für die bereitgestellten Informationen zu zahlen. Facebook kann die von Nutzern generierten Daten sogar verwenden, um Milliarden Dollar umzusetzen.


Betrug im großen Stil leicht gemacht

Auch Amazon nimmt eine marktbeherrschende Rolle ein. Das Unternehmen senkt die Preise und somit die Marge für viele Marken und gibt diese Einsparung an die Nutzer weiter. Dennoch sorgen die Amazon-Algorithmen dafür, dass der Versandhändler hohe Margen einfährt. Aus diesem Grund kann das Unternehmen wachsen und enorme Werte generieren. Dabei werden die Konkurrenten jedoch ausgenutzt und benachteiligt. Die Konsequenz sind Strafen, welche jedoch keinen Einfluss auf die Konzerne haben. Nach der berühmten Whatsapp-Übernahme verhängte die EU eine Strafe von 110 Millionen Euro über Facebook. Das Unternehmen teilte vorher mit, dass eine Auswertung der Whatsapp-Daten kurzfristig nicht möglich sei. Am Ende funktionierte dies jedoch schnell und förderte die Stellung Facebooks. Es zeigt sich also, dass das Gesetz zu brechen ein solides Geschäftsmodell sein kann.