IKEA erobert Indien per Elektro- Rikscha

Das schwedische Möbelhaus IKEA hat nach langer Planung nun in Indien seinen ersten Möbelmarkt eröffnet. Die Auslieferung von Möbeln bietet der Konzern auch dort an - allerdings auf landestypische Weise mit Rikschas. Das wirkt zunächst altmodisch, läuft aber in Wahrheit hochmodern ab, denn die Fahrzeuge laufen mit reiner Sonnenenergie.

Schon vor Jahrzehnten expandierte IKEA in Europa, später konnte sich der Konzern in Nordamerika etablieren. Auf beiden Kontinenten ist er inzwischen eine vertraute Institution. Natürlich fassten die Strategen des Unternehmens schon länger auch Asien und hier den Milliardenmarkt Indien ins Auge, wo nun der erste Möbelmarkt eröffnet. Der Standort ist die sogenannte HITEC-City in der Metropole Hyderabad. HITEC-City steht für “Hyderabad Information-Technology and Engineering Consultancy-City”. Es handelt sich um einen Campus für Informationstechnologie, Gesundheitsinformatik, Ingenieurwesen und Bioinformatik. Bis zum Zentrum von Hyderabad sind es 15 km, der genaue Ort ist die Entwicklungszone von Cyberabad. Diese gehört zur Metropolregion Hyderabad. Die Metropole wird von HITEC-City aus beliefert. Dabei passte sich IKEA an die regionalen und nationalen Gegebenheiten an. Dazu gehört auch das Portfolio: Zahlreiche Einrichtungsgegenstände konzipierte man neu speziell für indische Bedürfnisse. Selbst die Versorgung im hauseigenen Restaurant stellte IKEA entsprechend der Landesgepflogenheiten um. Die legendären Köttbullar kommen nicht vom Rind (bei den Hindus heilig) und auch nicht vom Schwein (für Muslime unrein), sondern vom Huhn. Außerdem legte das Unternehmen ein handfestes Lieferprogramm auf, das selbst über den europäischen und amerikanischen Service hinausgeht. Während in den westlichen Staaten das Gros der Kunden seine Möbelpakete selbst im Auto heimfährt, dürfen die Inder - mehrheitlich keine Autofahrer - den Lieferservice selbstverständlich und kostengünstig zubuchen. IKEA will ihnen kaum zumuten, die Möbelpakete womöglich selbst mit dem Fahrrad durch die teilweise sehr engen Gassen von Hyderabad heimwärts zu kutschieren. Die kleineren von ihnen werden aktuell (August 2018) unter anderem mit insgesamt 15 Elektro-Rikschas geliefert, für die großen Pakete kommen traditionelle Lieferwagen zum Einsatz. Die dreirädrigen Vehikel, die man in Indien “Tuk-Tuk” nennt, hat das Startup Gayam Motor Works aus Hyderabad für den Transport umgebaut. Auch ein Elektrofahrrad wurde angeschafft, denn es gibt in Hyderabad teilweise sehr unebenes Gelände, das auch eine Rikscha nicht mehr schafft.

 

Intelligente Rikscha-Technologie

Elektrofahrzeuge sind auch in unseren Städten oft unterwegs, unter anderem nutzt der Paketdienst der Post kleine elektrische Lieferwagen. In Metropolen - Hyderabad mit 7,75 Millionen Einwohnern in der gesamten Agglomeration gehört auf jeden Fall dazu - ist allerdings die Akkulaufzeit ein ernsthaftes Problem. Ein E-Rikscha schafft oft nur eine einzige Fahrt in die Stadt und zurück. Hierfür hat das Unternehmen Gayam Motor Works ein eigenes, höchst intelligentes Ladesystem konzipiert. Der Akku lässt sich aufgrund einer innovativen Bauart in nur einer Minute austauschen. Das Dreirad fährt sofort mit der nächsten Ladung los, der leere Akku wird von 4.000 Solarmodulen auf dem IKEA-Dach aufgeladen. Das ist eine wirklich umweltfreundliche Lösung, die in unseren Breiten noch eher selten zu finden ist. Wenn europäische E-Auto-Fahrer ihre Batterien aufladen, tanken sie dabei zwangsläufig auch konventionell erzeugten Strom, der die Umweltbilanz schmälert. In Indien scheint aber so viel Sonne, dass ein größeres Solardach ausreichend viel Strom liefert. Der technologische Wandel zu einem komplett umweltfreundlichen Straßenverkehr lässt sich damit noch weiter vorantreiben, und genau das hat IKEA vor. Die bislang noch mit Verbrennungsmotoren betriebenen größeren Lieferfahrzeuge sollen nämlich im Verlauf der nächsten fünf Jahre ebenfalls durch E-Fahrzeuge - vergleichbar mit unseren kleinen Post-Transportern - ersetzt werden. Hyderabad ist dabei nur ein Testlauf. IKEA will alsbald in Indien weitere 25 Filialen eröffnen. Diese Ankündigung verbanden die Schweden mit der Verpflichtung, bis 2030 zu 100 % erneuerbare Energien zu verwenden. Dazu soll auch die komplette Fahrzeugflotte gehören.