Jessica Schwarzer
Journalistin, Moderatorin, BuchautorinNachricht senden

Im Porträt: HQ Trust - das Multi Family Office der Familie Harald Quandt

Zu Besuch bei HQ Trust im wunderschönen Bad Homburg. Die Kreisstadt im Hochtaunuskreis ist die Heimat vieler Wohlhabender und der Sitz eines der größten Multi Family Offices Deutschlands.

HQ steht für Harald Quandt. Ein großer Name, die Quandts sind schließlich „die“ große Industriellenfamilie Deutschlands - sehr bekannt, aber auch sehr verschwiegen und natürlich sehr erfolgreich. Das charakterisiert auch HQ Trust. Das Multi Family Office kümmert sich um die finanziellen Belange der wirklich Wohlhabenden.

„Wir betreuen 100 der reichsten Familien Deutschlands“, sagt Marcel Müller, Executive Partner und Leiter Portfoliomanagement. In den vergangenen Jahren wurden es immer mehr. „Unser Geschäft lebt von Empfehlungen.“ Häufig seien es die Kunden oder deren Steuerberater und Anwälte, die HQ Trust weiter empfehlen würden. Wie hoch das Vermögen der Kunden insgesamt ist, dass die Experten in Bad Homburg verwalten, darüber will der verschwiegene Family-Officer nicht sprechen. Im „Manager Magazin“ hieß es vor einiger Zeit, es wären zehn Milliarden Euro. Diese Zahl wurde weder bestätigt, noch dementiert. „Kunden, die zu HQ Trust kommen, sollten einige Millionen Euro besitzen“, immerhin das lässt sich Müller entlocken. Die Managementberatung Investors Marketing aus Frankfurt schätzt die Zahl der unabhängigen Multi Family Offices in Deutschland auf unter 100, hinzu kommen rund 300 Single Family Offices. Das verwaltete Vermögen in Family Offices sehen die Experten aktuell bei rund 200 Milliarden Euro.

 

Bei HQ Trust kümmern sich 25 Berater um die Kunden.

Insgesamt arbeiten 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei dem Multi Family Office. Das Verhältnis zu den Familien und ihren Beratern ist sehr eng. Eine alte Regel besagt: Die erste Generation schafft das Vermögen, die zweite verwaltet es und die dritte bringt es durch. „So pauschal kann man es natürlich nicht sagen“, gibt Müller zu bedenken. Allerdings werden die Familien von Generation zu Generation immer größer. „Wir laden die ‚Next Generation‘ zu Workshops zum Thema Vermögensanlage und Finanzplanung ein“, sagt er. „Die meisten sind übrigens sehr bodenständig und ihnen ist das Thema Nachhaltigkeit - auch bei den Investitionen der Familie - sehr wichtig.“ 

Workshops gibt es aber nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch für die ganze Familie oder Teile davon. Denn diese Familien sind sehr divers: die Patriarchen und ihre direkten Nachfahren, aber eben auch andere Zweige, deren Nachfahren und natürlich die vielen Angeheirateten. Nicht alle sind im Familienunternehmen aktiv oder kümmern sich mit ums Vermögen. „In den Workshops geht es auch darum, einer Zahntechnikerin oder einem Bergführer - beides extrem reiche Erben, aber vielleicht mit weniger Gespür für Finanzangelegenheiten oder kaum Interesse daran - Basiswissen und ein Gefühl für das Vermögen zu vermitteln“, sagt Müller. 

Mitunter werden richtige Familientage organisiert. Dabei geht es auch um die „Family Governance“. Welche Werte vertritt die Familie? Gibt es vielleicht sogar eine Satzung? Wichtig ist oft auch das Thema „Philanthropie“. Wer übernimmt wann welche Aufgaben und welche Positionen? Klar, dass es auch bei der Nachlassregelung nicht nur um das Testament geht. Und in Fällen von persönlichen Krisen etwa bei Scheidungen oder bei Erbstreitigkeiten sind Müller und seine Kollegen ebenfalls gefragt. Die Arbeit des Family Offices geht damit weit über die bloße Asset Allokation des Familienvermögens hinaus. Die Vermögensverwalter haben deshalb ein großes Netzwerk an Experten, das nicht nur Anwälte oder Steuerberater umfasst, sondern beispielsweise auch Spezialisten für Digitalisierung. „Je größer das Vermögen desto wichtiger wird eine digitale Sichtbarkeitsanalyse“, sagt Müller. 

 

Wie viel sieht man im Netz, was wissen andere? 

Aber natürlich ist die Hauptaufgabe eines Family Offices, das Vermögen zu verwalten. Es anzulegen, zu vermehren oder - je nach Ziel - zu erhalten. „Viele Kunden haben noch immer Renditeziele von sechs bis acht Prozent pro Jahr“, sagt Müller. In Zeiten von Null- und Niedrigzinsen sind solche Renditen nicht mehr so einfach zu erzielen, vor allem dann nicht, wenn Investoren sehr risikoavers sind. Zum Glück haben die Kunden von HQ Trust ein gesundes Verhältnis zu Chance und Risiko. „Eine Unternehmerfamilie hatte doch im Grunde Jahrzehnte lang nur eine Aktie, nämlich die seines Unternehmens“, sagt Müller. „Wenn wir für ihn investieren, streut er das Risiko sehr viel breiter und reduziert es damit.“ Auch hätten Unternehmer weniger Probleme mit zwischenzeitlichen Kursrücksetzern, auch wenn diese mal heftiger ausfallen. „Sie denken viel langfristiger als die meisten Privatanleger“, sagt der Experte. Auch stehen sie riskanteren Anlageklassen sehr viel aufgeschlossener gegenüber, etwa Private Equity. Müller erwartet dort in naher Zukunft weiterhin die besten Renditen, auch wenn diese langsam zurückkommen würden. 

 

Und wie gewichtet HQ Trust einzelne Anlageklassen derzeit in den Depots der Kunden? 

Natürlich ist das sehr individuell, aber die strategische Asset Allokation gibt Orientierung. Bei Aktien und Private Equity sind die Experten derzeit neutral gewichtet, das heißt je nach Depot 60 bis 65 Prozent. Übergewichtet sind sie bei Gold, untergewichtet bei Anleihen. „Gold hat vor allem einen Absicherungscharakter“, so Müller. „Negative Realzinsen sind extrem gut für Gold.“ Im Anleihesegment haben die Experten High Yields untergewichtet und Papiere aus den Emerging Markets abgebaut. Ihr Fokus liegt auf dem Investment Grade. 

Das Portfolio-Management-Team besteht aus sieben Analysten. Sie suchen die besten Fondsmanager für jede Assetklasse heraus. Dabei spielen Nachhaltigkeit und Engagement, beispielsweise auf Hauptversammlungen, eine große Rolle. „Wir sind quasi Einkäufer, setzen auf die besten Produkte am Markt“, erklärt Müller. Es gebe nur eine Ausnahme: den hauseigenen Dividendenfonds HQT Global Quality Dividend mit 100 Millionen Assets under Management. Ansonsten wählen die Experten Fremdfonds aus. „Es zählt der Teamgedanke“, sagt der Experte. Zwar sei jeder Experte auf einem anderen Gebiet. Aber: „Wir alle verantworten die Performance der Depots gemeinsam und tragen die Entscheidungen der anderen mit.“ Jeder kenne sich mit jeder Position aus und könne sich mit der Asset Allokation identifizieren.

https://www.hqtrust.de/de