Dr. Guido Krüger
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Immobilie im Ausland – welches Erbrecht gilt?

Durch die Europäische Erbrechtsverordnung können Vermögensinhaber zwischen dem Erbrecht ihres Heimatlandes und dem des Ortes ihres regelmäßigen Aufenthalts wählen. Das hat weitreichende Konsequenzen.

Die Menschen in Europa verfügen durch die Grenzoffenheit und Niederlassungsfreiheit der Europäischen Union über eine niemals dagewesene Freizügigkeit und Unabhängigkeit, was ihren Standort angeht. Das schlägt sich beispielsweise im Immobilienvermögen nieder. Laut Schätzungen besitzen mehr als 500.000 Deutsche eine Immobilie im Ausland. Die meisten davon sind Ferienimmobilien und stehen in Spanien, Österreich, Italien, Kroatien und Frankreich.

Oftmals werden diese Häuser und Wohnungen auch länger am Stück bewohnt, beispielsweise dann, wenn Senioren ihre Zeit zwischen ihrer deutschen Heimat und ihrem Urlaubsort aufteilen. Übrigens leben bereits fast 250.000 deutsche Rentner im Ausland. Neben der Schweiz und Österreich leben zahlreiche deutsche Rentner auch in den USA (genau 24.000), Spanien (21.377), Frankreich (17.693) und in den Niederlanden (10.357).

Wichtig ist aber zu wissen, welche rechtlichen Auswirkungen ein regelmäßiger Auslandsaufenthalt hat. Denn was passiert beispielsweise, wenn ein deutscher Staatsangehöriger bei einem dieser regelmäßigen Aufenthalte im Ausland stirbt und der Erbfall eintritt? Was bedeutet das auch steuerlich? Das sind relevante Fragen für Vermögenseigentümer mit internationaler Perspektive, die sich gerne im Ausland aufhalten und das für längere Zeit: Sie stehen vor besonderen Herausforderungen und Möglichkeiten im Erbrecht und Steuerrecht.


Einheitliche Behandlung von Erbfällen

Denn durch die Europäische Erbrechtsverordnung, die seit 2015 gültig ist, besteht ein Wahlrecht für Personen mit internationalem Vermögen. Eigentümer können sich zwischen dem deutschen Erbrecht und dem Erbrecht der Destination entscheiden, die einen Ort des gewöhnlichen Aufenthalts darstellt – also den Ort, der in der Regel als zweiter Lebensmittelpunkt gewählt wurde. Die EU hat mit der Erbrechtsverordnung einen Rahmen für die einheitliche Behandlung von Erbfällen geschaffen und bestimmt dadurch für den gesamten Nachlass, welches nationale Erbrecht zur Anwendung kommt. Kurz gesagt: Es wird grundsätzlich jeweils das Erbrecht des Staates angewendet, in dem der Erblasser verstirbt, sofern dieser dort seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Durch die Wahlmöglichkeit können Eigentümer aber darüber bestimmen, welches Erbrecht für sie gelten soll.

Zum einen soll es Erblassern einfacher gemacht werden, ihren Nachlass zu planen. Zum anderen soll es für die Erben schneller gehen, den Nachlass abzuwickeln, indem die erforderlichen Verfahren verkürzt werden. Die neuen Vorschriften sehen außerdem ein Europäisches Nachlasszeugnis vor. Damit können Erben und Nachlassverwalter überall in der EU ohne weitere Formalitäten ihre Rechtsstellung nachweisen. Das bedeutet vor allem schnellere und kostengünstigere Verfahren.


Besteuerung von bis zu 75 Prozent im Erbfall

Entscheidend ist aber, sich über die Konsequenzen der Wahlfreiheit bewusst zu werden. Denn die Unterschiede zwischen dem deutschen Erbrecht und dem Erbrecht des regelmäßigen Aufenthaltes können erheblich sein. So wird beispielsweise in Spanien der überlebende Ehepartner – ganz ähnlich übrigens wie auch in Frankreich – völlig anders behandelt als in Deutschland. Während hierzulande der überlebende Ehegatte bei zwei gemeinsamen Kindern im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge 50 Prozent des Nachlasses zu Eigentum erhält beziehungsweise durch das sogenannte „Berliner Testament“ sogar als alleiniger Erbe eingesetzt werden kann, erhält er in Spanien beispielsweise nur das lebenslange Nutzungsrecht für eine Immobilie. Auch wird das in Deutschland gängige Berliner Testament als Sonderform des gemeinschaftlichen Ehegattentestaments in Spanien in der Regel nicht anerkannt. Im Übrigen kennen manche Nationen eine Besteuerung von bis zu 75 Prozent im Erbfall.

Aus diesen und zahlreichen anderen Gründen sei es wichtig, sich frühzeitig mit den Alternativen zu beschäftigen. Die Auslandsimmobilie und andere internationale Vermögensgegenstände, die einen regelmäßigen Aufenthalt bedingen könnten, seien nicht einfach weitere Werte im Portfolio, sondern Gegenstände, die zu weitreichenden Konsequenzen bei der erbschaft- und steuerrechtlichen Gestaltung führen kann.

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Dr. Guido Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Mitglied des weltweiten Leitungsausschusses. Er berät Familienunternehmen bei sämtlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen und begleitet Familienunternehmer dabei, wirksame Modelle für den privaten Vermögensschutz und die langfristige Entwicklung des Privatvermögens zu entwickeln. Mehr Informationen unter www.beiten-burkhardt.com