Immobilieninvestments: Warnung vor Deregulierung

Bereits heute haben Anleger die Möglichkeit, Investments in Immobilien abzuschließen. Die Mindestanlagesumme sind 10 Euro und das Geschäftsmodell kann bisher überzeugen. Dieser Erfolg sorgt dafür, dass die Anbieter noch weitere Funktionen ergänzen wollen. Allerdings sieht eine Privatbank die aktuelle Entwicklung skeptisch und spricht eine Warnung aus.

Reges Interesse an Immobilien-Investments in Deutschland 

Plattformen, die die Investition in Immobilien auch zu geringen Investmentsummen ermöglichen, erfreuen sich einer regen Beliebtheit. So wurden allein im Jahr 2018 mehr als 75 Millionen Euro über verschiedene Plattformen investiert. Dieser Wert ist gleichbedeutend mit einem Rekordvolumen, welches in diesem Jahr realisiert werden kann. Seit der Veröffentlichung im Jahr 2013 wurden mehr als 250 Millionen Euro investiert. Diese hohe Akzeptanz durch den Markt sieht der Leiter der Abteilung für Vermögensdienstleistungen von Hauck & Aufhäuser, Ludger Wibbeke, eher differenziert.

Unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen ist die Entwicklung als sehr positiv zu betrachten. Allerdings gibt Begehrlichkeiten und Grenzen, welche in Frage gestellt werden, sodass das bestehende Regulierungsniveau gesenkt werden soll. Basierend auf den Aussagen von Wibbeke würde diese Deregulierung jedoch zu einer Unausgewogenheit im Verhältnis zu bestehenden Immobilienfonds führen. Zum aktuellen Zeitpunkt sind Märkte für Immobilienfonds und jene für das Immobilien-Crowdinvesting strikt voneinander getrennt. Diese Trennung habe auch einen Grund, denn die Anlageformen weisen große Differenzen auf. So haben Investitionen in geschlossene Fonds eine langjährige Laufzeit und auch offene Fonds haben eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren. Zudem muss eine Kündigungsfrist von einem Jahr berücksichtigt werden. Im Vergleich zu einem Crowdinvest ist dies eine langfristige Investition. Ein Crowdinvest ist zumeist nach zwei Jahren beendet und zudem oftmals überschaubare Einzelvorhaben.

 

Plattformen sollten Nischenrolle akzeptieren 

Die größte Differenz stellt allerdings das Geld, welches von Investoren eingezahlt werden kann, dar. In der Regel dürfen im Rahmen eines Crowdinvestments nicht mehr als 1.000 Euro, in Ausnahmefällen sogar 10.000 Euro investiert werden. Zudem muss ein Investor Auskünfte über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse geben. Eine Investition von 10.000 ist im Rahmen eines geschlossenen Investmentfonds oftmals die Mindestanlagesumme. Auch kleinere Beträge sind in der Theorie möglich, aufgrund der Kosten aber uninteressant. Ein Crowdinvestment kann dahingegen bereits ab 10 Euro durchgeführt werden und die Plattformbetreiber verzichten auf Gebühren.

Wie nun bekannt wurde, steht für das nächste Jahr eine Neubewertung der aktuellen Rahmenbedingungen für das Crowdinvesting an. Dabei möchten vor allem die Plattformen, welche mit Immobilien wachsen über die aktuellen Grenzen expandieren. Laut den Initiatoren dieser Neubewertung sollen vor allem die Mindestanlagesumme geändert werden. Laut Wibbeke passt diese Neubewertung jedoch nicht in das aktuelle Schema. Die Regulierung der Crowd-Investments dient zum Schutz des Anlegers und drückt sich in einer höheren Rendite aus. Sollte die Grenze jedoch aufgeweicht werden, so ist diese Zusatzrendite nicht mehr gerechtfertigt.

 

Immobilienfonds bieten besseren Schutz für Anleger 

Vor allem können Anleger vom besseren Schutz profitieren, der für Investitionen in größere Fonds garantiert wird. Zudem müssen Emittenten größerer Fonds dafür sorgen, dass Prospekte mit dem Vorhaben und den entstehenden Risiken angefertigt werden. Dieser Schritt sei im Rahmen eines Crowdinvestments nicht nötig. Zudem sei ein Prospekt für den Anleger nur als Information gedacht und wird im Regelfall nicht gelesen, sodass es sich nur um einen zusätzlichen Aufwand für den Emittenten handelt. Im Rahmen eines Crowdinvestments übernimmt der Investor die Rolle des Geldgebers. Das bedeutet, dass eventuelle Forderungen in Form nachrangiger Kredite erst später ausgeglichen werden. Dieser Umstand kann den Totalausfall des Investments bedeuten, sodass Crowdinvestments stets diversifiziert sein sollten. Wer hingegen in einen Fonds investiert, der agiert als Eigenkapitalgeber. Eigenkapitalgeber werden im Insolvenzfall bevorzugt ausgezahlt. Um in Zukunft ein besseres Bild in der Öffentlichkeit zu etablieren, werden die Immobilien-Plattformen freiwillige Verwahrstellen als Kontrollinstanz installieren. Laut Wibbeke wäre eine Beibehaltung der aktuellen Rahmenbedingungen ein optimales Vorgehen, um ein optimales Regulierungsniveau beizubehalten.