Impact Investing im Kampf gegen den Klimawandel

Das Tempo beim Kampf gegen den Klimawandel muss zunehmen – und zwar deutlich. Die Herausforderungen sind groß, aber es bieten sich auch Anlagechancen.

Die im Juli von der Europäischen Union vorgestellte Klimastrategie „Fit for 55“ führt uns vor Augen, dass unser Kampf gegen den Klimawandel alles Dagewesene in den Schatten stellen und sämtliche Lebensbereiche erfassen wird. Die jährlichen CO2-Emissionen sollen bis zum Ende des Jahrzehnts gegenüber dem Stand von 1990 um 55 Prozent gesenkt werden – das entspricht einem Rückgang um ein Drittel.

Hierbei ist zu bedenken, dass diese Reduktion lediglich das zwingend erforderliche Minimum darstellt. Ein weniger  ambitioniertes Ziel würde zu einem derart bedrohlichen Maß an Klimaveränderungen führen, dass die weltweite Entwicklung in sämtlichen Bereichen gefährdet wäre. Darüber hinaus müssen wir zwingend schneller werden, wenn wir weiteren Schaden an der für uns alle lebensnotwendigen Umwelt abwenden wollen. Anderenfalls wird es nahezu unmöglich sein, Armut und Ungleichheit zu bekämpfen oder Bildung und Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Unter Verbraucherinnen und Verbrauchern, Wahlberechtigten, in der Politik und bei Aufsichtsbehörden sowie unter manchen Führungskräften wächst der Konsens, dass die Zeit zum Handeln gekommen ist. Um die Tragweite der gesetzten Ziele zu verdeutlichen: Die nationalen Ziele für Klimaneutralität – die sogenannten „Netto-Null-Ziele“ – machen in der Summe mittlerweile zwei Drittel des globalen BIP aus, einschließlich der Selbstverpflichtungen durch China, die USA, Japan und Südkorea. Zudem betreffen sie 61 Prozent der globalen Emissionen und 56 Prozent der Weltbevölkerung.


Historische Anlagechance: Die Wegbereiter der Klimaneutralität

Doch dieser historisch beispiellosen Herausforderung stehen auch äußerst attraktive Anlagechancen gegenüber – nämlich in der Bereitstellung von Kapital an Unternehmen, die den Wandel hin zur Klimaneutralität ermöglichen. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die die entscheidenden Produkte und Dienstleistungen bereitstellen, ohne die die Wirtschaft ihre Emissionsziele nicht erreichen könnte. Nach unserer Überzeugung werden diese Anbieter von Umweltlösungen perspektivisch eine langfristige Outperformance erzielen, da ihren Märkten ein beeindruckendes Wachstum bevorsteht.

Aus den immer ehrgeizigeren Netto-Null-Zielen der Unternehmen ergibt sich ein kontinuierlich wachsendes Feld geschäftlicher Möglichkeiten. Etwas mehr als ein Fünftel der Forbes Global 2000 – das sind 417 Unternehmen, die einen Jahresumsatz von etwa 14 Billionen US-Dollar erzielen – haben sich verpflichtet, bis 2050 das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.

Unternehmen mit diesem Ziel benötigen einen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus einbezieht. Dies betrifft vorgelagerte Emissionen (der Zulieferer) ebenso wie nachgelagerte Emissionen, unter die die entscheidenden Emissionen aus der Nutzungsphase eines Produkts fallen. Ein ermutigendes Zeichen ist, dass diese sogenannten Scope-3-Emissionen von Initiativen wie der „Race to Zero“-Kampagne der Vereinten Nationen als unverzichtbares und nicht nur als wünschenswertes Element unternehmerischer Netto-Null-Ziele eingestuft werden. Die Universität Oxford und die Klimaschutzorganisation „Energy and Climate Intelligence Unit“ haben herausgefunden, dass dieses Element bei mehr als einem Viertel des Umsatzes der Unternehmen im Forbes Global 2000, die sich ein Netto-Null- Ziel gesetzt haben, bereits Berücksichtigung findet.

Wir beobachten, dass diese Entwicklung bereits jetzt wichtige Signale an die Lieferketten sendet. Sie bietet Chancen für Anbieter von Technologien, mit denen sich die Klimabelastung durch Lieferketten in Richtung null absenken lässt. Darüber hinaus entstehen diese Chancen oft in Branchen, die bisher im Vergleich zu schnelleren Branchen – etwa im Energie- und Automobilbereich – nur begrenzte Fortschritte gemacht haben.

Dieser Prozess wird jedoch Zeit in Anspruch nehmen. Die Dekarbonisierung der Lieferketten nimmt Fahrt auf, ist jedoch noch nicht allgemein verbreitet und mit besonders großen Herausforderungen verbunden. Hersteller können die Treibhausgasemissionen aus ihrem eigenen Betrieb zwar mit recht hoher Zuverlässigkeit berechnen, doch eine Einschätzung der Scope-3-Emissionen ist hochkomplex. Das gilt insbesondere für Unternehmen mit Tausenden oder gar Zehntausenden von Produkten und Zulieferern.


Vielfalt und Anwendungsbereiche von Umweltlösungen werden zunehmen

Viele Maßnahmen zur Emissionssenkung sind zudem kostspielig und stellen Unternehmen vor Probleme, die in relativ standardisierten Bereichen mit niedrigen Margen und gering ausgeprägten Differenzierungschancen tätig sind. Dennoch beobachten wir, dass sich allmählich ein konstantes Angebot an Chancen herausbildet. Dies betrifft etwa Marktsektoren, in denen ein geringer Anstieg der Rohstoffpreise verkraftbar ist. Ein Beispiel hierfür wäre ein Hersteller von Schnelldrehern, der kohlenstoffintensive Inhaltsstoffe durch Alternativen ersetzen kann. Hieraus ergeben sich Chancen für Anbieter von Inhaltsstoffen in der Chemiebranche: Diese können ihre Margen dramatisch steigern, wenn sie ein innovatives Produkt anbieten, das zum Ziel der Klimaneutralität beiträgt.

Ein norwegisches Unternehmen beispielsweise stellt synthetisches Vanillearoma aus nachhaltigen pflanzlichen Rohstoffen her und bietet damit eine Alternative zu aus Erdölprodukten synthetisierten Vanillearomen, die in der Branche bisher die Regel sind. Das Produkt aus pflanzlichen Rohstoffen bietet im Vergleich zu Erdöl über den gesamten Lebenszyklus eine Senkung der Kohlenstoffemissionen von etwa 90 Prozent. In dieser Produktkategorie wird ein jährliches Wachstum von deutlich über zehn Prozent erzielt, während es bei aus Erdöl gewonnenem synthetischem Vanillearoma nur ein Prozent ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ziel der Klimaneutralität ohne Umweltlösungen nicht zu erreichen ist und dass wir sektorübergreifend mehr solcher Lösungen benötigen. Unternehmen, die die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen anbieten oder in diesem Bereich engagiert sind, verbessern damit angesichts der Dringlichkeit der Klimaschutzpläne ihr Profil. Nach unserer Überzeugung sind die damit verbundenen Chancen langfristiger Natur und nicht auf bekanntere Bereiche wie Elektromobilität oder erneuerbare Energien beschränkt.

Künftig dürften wir Umweltlösungen mit einem breiteren Spektrum möglicher Einsatzbereiche erleben, auch in Märkten und Sektoren, die in diesem Bereich bisher stark zurückliegen. Wir erwarten hier ein zunehmend vertieftes und vielfältiges Chancenangebot. Langfristig wird dies zu einer sehr attraktiven Titelauswahl führen.



von Jon Wallace, Fondsmanager Environmental Solutions bei Jupiter Asset Management

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