Impact Investing ist auch mit Aktien möglich
3 Min.
26.10.2021

Impact Investing ist auch mit Aktien möglich

Üblicherweise wird wirkungsorientiertes Investieren mit Direktbeteiligungen, Venture Capital-Fonds und Immobilien in Verbindung gebracht. Die Praxis zeigt, dass sich auch Aktieninvestments als Impact qualifizieren können, wenn sie richtig gemacht sind. Wie das funktioniert, erklärt CAPinside-Experte Patrick Peters.

Impact Investing ist nicht umsonst als wirkungsorientiertes Investieren bekannt. Die Anlagephilosophie zielt schließlich darauf ab, direkte und messbare sozial-ökologische Ergebnisse zu erzielen und so zur Lösung drängender Probleme beizutragen, von sozialen Ungerechtigkeiten bis zum Kampf gegen den Klimawandel, von der Bekämpfung von Hunger bis zu Bildung für alle. In der Praxis wird Impact Investing oftmals mit Direktbeteiligungen, Venture Capital-Fonds und auch Immobilien in Verbindung gebracht. Das folgt dem Ansatz, dass echter Impact am besten dadurch darstellbar ist, dass Kapital unmittelbar in entsprechende Projekte investiert wird, die eine sichtbare positive Wirkung entfalten.

Andere Assetklassen stehen dabei weniger stark im Fokus – was nicht heißt, dass Impact Investing außer mit Direktbeteiligungen nicht möglich ist. Das gilt zum Beispiel für die Aktie, wie der Markt zeigt. In letzter Zeit haben immer mehr Asset Manager Fonds aufgelegt, die versuchen, Impact Investing über börsennotierte Aktien zu transportieren, heißt es beim Global Impact Investing Network (GIIN): „Angesichts der Tatsache, dass die zur Erreichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele und des Pariser Abkommens notwendigen Mittel in die Billionen US-Dollar gehen, stellt dies eine enorme Gelegenheit dar, das Volumen der über öffentliche Sekundärmärkte investierten Vermögenswerte und den Umfang der einbehaltenen Gewinne von börsennotierten Unternehmen zu nutzen.“ Der Vorteil sei laut GIIN zudem, dass die Aktie die größte Anlageklasse für viele Anleger darstelle. Das hilft dabei, Impact Investing darüber zu verbreiten.


Aktien müssen im aktuellen Niedrigzinsumfeld sein

Peter Brock, Managing Director der Impact-Vermögensverwaltung 4L Capital, die derzeit einen Impact-Aktienfonds auflegt, nennt diesen Ansatz die „Demokratisierung des Impact Investing“: „Wir wollen Impact Investing über die Aktie so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen. Viele Anleger können keine Private Equity- und Venture Capital-Investments in unternehmerische Projekte aufgrund hoher Mindestanlagesummen stemmen. Aktien und Aktienfonds sind mit kleineren Summen zugänglich und jederzeit liquide handelbar, zumal diese Assetklasse zu einer sinnvollen strategischen Asset Allocation vor allem in dem aktuellen Niedrigzinsumfeld sicherlich dazugehört und Impact-orientierten Investoren nicht vorenthalten werden sollte.“

Zwar lasse sich, betont Brock, mit nicht-börsennotierten Private Equity- und Venture Capital-Direktbeteiligungen oder entsprechenden Fonds in der Regel ein größerer Impact erzeugen. Aber es lasse sich eben auch mit (börsennotierten) Aktien eine Impact Investing-Strategie umsetzen. Das basiere auf mehreren Säulen. Zum einen werde eine klare Signalwirkung durch einen konsequenten Divest-/Invest-Ansatz erzeugt – nur die Unternehmen erhielten Kapital, die sich wohlgefällig im Impact-Sinne verhielten. „Es erfolgt auch die Bereitstellung von zusätzlichem Wachstumskapital für Impact-Unternehmen bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen, und Aktieninvestoren erhöhen die Visibilität von unterbewerteten – vor allem kleinen und mittleren – Impact-Unternehmen. Ebenso ist die Einflussnahme durch Stimmrechtsausübung möglich, um die Strategie zu begleiten“, sagt der Impact-Vermögensverwalter.


Wie lassen sich diversifizierte Portfolios aufbauen?

Die Auswahl der Aktien erfolgt am besten über einen sehr strengen Negativkatalog, der sich von herkömmlichen ESG-Strategien fundamental unterscheidet, betont Brock. „Bei ESG-Aktienstrategien wird zwischen zwei Unternehmen mit hohen CO2-Emissionen das weniger schlechte ausgewählt, wie es bei ESG-Integration leider oft der Fall ist. Wir als Impact Investing-Asset Manager gehen mindestens einen Schritt weiter und investieren dann eben konsequent gar nicht, sondern suchen uns nur diejenigen Aktien aus einem globalen Portfolio, die einen möglichst hohen positiven Beitrag auf die Welt einzahlen.“

Apropos Auswahl: Dr. Dirk Rathjen vom Institut für Vermögensaufbau empfiehlt, sich unter den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen die herauszusuchen, die man für besonders wichtig hält beziehungsweise von denen man, im Fall von Fondsgesellschaften, meint, dass genug Investoren sie für besonders wichtig halten: „Die häufigsten Kriterien setzen am Klimawandel oder bei Wasser an. Daher muss man analysieren, inwieweit sich eine spezifische Strategie überhaupt durch Investitionen umsetzen lässt. Einige Ziele wie die Versorgung der Armen mit bezahlbarem Wohnraum oder Infrastruktur werden von so wenig börsennotierten Unternehmen bedient, dass sich daraus keine diversifizierten Portfolios bauen lassen, zumal die Mehrzahl dieser Unternehmen dann noch in den Emerging Markets ansässig sind und ihre Aktien eine geringe Liquidität haben.“ Habe man für sich die passenden Ziele festgelegt, filtere man mit einer ESG-Datenbank die Unternehmen aus dem Anlageuniversum heraus, die hinreichend gut seien und lasse dann den Investmentprozess über dieses verkleinerte Universum laufen.


„Best-in-Class-Strategie spannt Kräfte des Marktes vor Karren der Nachhaltigkeit“

Dr. Dirk Rathjen zufolge konzentrieren sich Investoren am besten entweder darauf, Aktien von Unternehmen zu erwerben, die konkrete Fortschritte bei mindestens einem der UN-Nachhaltigkeitsziele bewirken wollen, oder auf einen Best-in-Class-Ansatz. Dabei ergibt sich das Anlageuniversum aus denjenigen Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche, Kategorie oder Klasse die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen. Dadurch würden Aktien vorbildlicher Unternehmen verstärkt nachgefragt, was zu Kursgewinnen führe. Aktien von wenig nachhaltigen Unternehmen wiederum werden verkauft – selbst wenn die Gewinne hoch sind. Dadurch sinken ihre Aktienkurse. Dies bewegt Konzernvorstände und Aktionäre, die Unternehmen auf Nachhaltigkeitskurs zu bringen. Die Best-in-Class-Strategie spannt die Kräfte des Marktes vor den Karren der Nachhaltigkeit.

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