Impact Investing mit Immobilien umsetzen
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2022-07-25

Impact Investing mit Immobilien umsetzen

Die Immobilienbranche hat viel Potenzial, um zur Lösung gesellschaftlicher und ökonomischer Probleme beizutragen. Die Bandbreite reicht von bezahlbarem Wohnraum über Sozialimmobilien bis zu nachhaltiger Quartiersentwicklung, denn der Kampf gegen den Klimawandel ist ohne den Immobiliensektor nicht zu gewinnen. Die typischen Kriterien der Geldanlage gelten dabei trotzdem.

Impact Investing ist in aller Munde. Mehr und mehr zeigt sich auch, dass wirkungsorientiertes Investieren nicht nur mit unternehmerischen Direktbeteiligungen möglich ist. Aktien und Immobilien spielen sich bei Impact-Investoren immer stärker in den Vordergrund, um auch innerhalb der übergeordneten Anlagephilosophie des Impact Investing für die notwendige und grundsätzlich geforderte Diversifikation zu sorgen. Und wie bei anderen wirkungsorientierten Investitionen steht auch bei Immobilien im Vordergrund, neben der finanziellen Rendite und der Wertsicherung immer auch die Impact-notwendige ökologische und/oder soziale Zusatzrendite zu erwirtschaften.

Ein Begriff für diese Anlageform ist das Social Impact Investing. Dabei geht es darum, mit Immobilienprojekten einen unmittelbaren sozialfördernden Effekt zu erzielen. Das bedeutet: „Mit dieser Art von Investitionen können notwendige soziale und gesellschaftliche Aufgabenstellungen wie bezahlbares Wohnen, Quartiersentwicklung, Altersarmut etc. von der Branche aufgegriffen und positiv vorangetrieben werden“, schreibt das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. (ICG).




„Keine sozialromantische Fehlentwicklung der Finanzindustrie“

Im ICG-Praxisleitfaden für die Immobilienwirtschaft „Social Impact Investing“ heißt es weiterhin zu dem Konzept: Dieses solle als Chance und Aufforderung begriffen werden. „Wirkungsorientiertes Investieren ist keine sozialromantische Fehlentwicklung der Finanzindustrie, sondern der neue Standard, an dem sich sämtliche Immobilienaktivitäten und deren Initiatoren – auch im Sinne von Good Governance – messen lassen müssen.“ Das heißt laut ICG auf längere Sicht aber auch: „Anlagestrategien ohne Impact werden künftig abgestraft. Der heute schon erkennbare Nachfrageüberhang an den Investmentmärkten ist ein wichtiger Indikator dafür. Darum möchten wir den gesamten Immobiliensektor aufrufen, die Bewegung in Richtung Social Impact Investing zu unterstützen und zu beschleunigen. Der Weg für wirkungsorientierte Immobilieninvestments ist vorgezeichnet, unumkehrbar und verspricht jede Menge neuer Chancen.“ Wobei: Immobilien sind zudem in Deutschland der größte CO2-Emittent. Der Kampf gegen den Klimawandel ist ohne den Immobiliensektor nicht zu gewinnen, sodass neben dem sozialen Aspekt auch der ökologische Faktor eine gewichtige Rolle spielen.


Grüne Immobilien, erschwinglicher Wohnraum, nachhaltige Gemeinden

Die Bandbreite der Anlagemöglichkeiten ist groß, wie Swaantje Peuker exemplarisch in ihrem Aufsatz „Impact Investing: Wirkungsorientiertes Investieren im Immobilienbereich“ zeigt. So könne Real Estate-Impact Investing die Realisierung ökologischer „grüner“ Immobilien, erschwinglichen Wohnraums und nachhaltiger Gemeinden umfassen. Bei der Umsetzung „grüner“ Immobilien liege der Fokus darauf, ökologische, nachhaltige Grundlagen in Projekte zu integrieren. Das Ziel bestehe darin, eine Anlage zu schaffen, die die heutigen Baustandards hinsichtlich Energie- und Ressourceneffizienz sowie Reduzierung von Verschwendungen übertrifft. Es werde demnach eine ökologische Wirkung angestrebt. Strategien zu erschwinglichem Wohnraum wiederum legten den Schwerpunkt auf das Unterhalten erschwinglicher Gebäude. Das Ergebnis solle sein, Wohnraum für unterversorgte Bevölkerungsgruppen bereitzustellen. Investments in bezahlbaren Wohnraum hätten somit soziale Wirkungen. „Die Entwicklung nachhaltiger Gemeinden setzt den Fokus auf das Gestalten und Bauen von Anlageimmobilien, die das Wachstum der Umgebung unterstützen sollen. Ziel ist, Projekte umzusetzen, die mit den Vorschlägen der örtlichen Gemeinde gestaltet werden, Plätze für öffentliche Veranstaltungen zu schaffen und die Bedürfnisse der Gemeinde zu berücksichtigen. Mit dieser Investitionsstrategie kann sowohl ökologische als auch soziale Wirkung erzielt werden.“


Rentabilität, Sicherheit und Liquidität dürfen nicht aus dem Blick geraten

„Wichtig ist, dass Anleger sich entsprechende Konzepte genau anschauen, um dann eine begründete Investmententscheidung zu treffen. Impact Investing ist die sinnstiftende Erweiterung des magischen Dreiecks der Vermögensanlage aus Rentabilität, Sicherheit und Liquidität, und deshalb dürfen diese Aspekte nicht aus dem Blick geraten“, betont Dr. Dirk Rathjen vom Institut für Vermögensaufbau (IVA AG) aus München, das sich eingehend sowohl mit Nachhaltigkeit wie auch mit dem Rendite-Risiko-Profil der Immobilienmärkte befasst. Zum einen müsse es also darum gehen, das richtige Anlagekonzept zu finden. „Das kann die Beteiligung an einer Projektentwicklung sein, ein Impact-orientiertes Immobilien-Direktinvestment oder ein Immobilienfonds. Es muss eben in die Investmentstruktur des Anlegers passen und zu seinen finanziellen Möglichkeiten passen“, betont Dirk Rathjen. Daraus entstehe dann die zweite wesentliche Frage: „Ist das Immobilien-Impact-Investment im Verhältnis von Chancen und Risiko tragfähig? Die Immobilienmärkte können stärker unter Druck geraten, und die steigenden Zinsen machen den Kapitaldienst schwieriger. Das gilt es genau zu betrachten und abzuwägen, um ein Konzept zu finden, das beide Ansprüche erfüllt, also finanzielle Stabilität und echtes Impact.“


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