Impact Investing: Starkes Instrument für Stiftungen
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2022-02-11

Impact Investing: Starkes Instrument für Stiftungen

Stiftungen können mit Impact Investing selbst in Niedrigzinsphasen gemeinnützige Zwecke wirkungsvoll fördern. Das bedarf aber professioneller Planung und der Auswahl der passenden Instrumente. CAPinside-Experte Patrick Peters mit einer Analyse.

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen bringt es auf den Punkt: „Stiftungen haben mit ihrem Vermögen ein starkes Instrument, wenn sie es mit dem Ergebnis einer positiven gesellschaftlichen Wirkung investieren. Durch sogenanntes Impact Investing – wirkungsorientierte Geldanlagen – erzielen sie bei gutem Management eine finanzielle Rendite und gesellschaftlichen Nutzen zugleich.“ Und in der Tat: Impact Investing steht für eine auf die sowohl finanzielle als auch positive Wirkung eines Investments ausgerichtete Investmentstrategie. Die positive ökologische und/oder soziale Wirkung eines Investments muss dabei direkt, gezielt, nachweisbar und messbar erfolgen.




Primäres Feld für Impact Investments sind Direktbeteiligungen

Das Thema der Assetklassen ist für Dr. Johannes Knorz, Vorsitzender der Impact Committees des ausschließlich auf Impact Investing konzentrierten Multi Family Office 4L Capital AG, besonders wichtig. „Beim Impact Investing handelt es sich somit also ausdrücklich nicht, wie vielfach immer wieder behauptet, um eine eigenständige Assetklasse, sondern um eine Anlagestrategie über alle Anlageklassen hinweg. Das primäre Feld für Impact Investments sind aktuell insbesondere Direktbeteiligungen in ökologisch und sozial richtungsweisende Unternehmen, meist über Fonds. Aber auch für Aktien, Anleihen und Immobilien und damit als Gesamt-Anlagestrategie ist das Impact Investing ideal geeignet.“ Das sei besonders für Stiftungen entscheidend, die ihr Anlageportfolio breit diversifizieren wollten und womöglich aus Kapazitätsgründen keine direkten unternehmerischen Beteiligungen eingehen wollten.


Impact-Angebot für kleinere Stiftungen noch überschaubar

Nun steckt das Impact Investing in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Aber der Markt wächst. Laut der Studie „Impact Investing in Deutschland 2020 – Ein dynamischer Wachstumsmarkt“ der Bundesinitiative Impact Investing habe Impact Investing in Deutschland eine neue Entwicklungsstufe erreicht und bilde heute eine breite Bewegung. Mittlerweile sind rund drei Milliarden Euro in Deutschland nach echten Impact Investing-Kriterien angelegt – 2015 waren es laut Marktreport 2016 der Bertelsmann Stiftung nicht einmal 70 Millionen Euro. Global ist der Markt für Impact Investing noch größer: Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzt das Volumen auf 715 Milliarden US-Dollar. Die Tendenz: überall steigend.

Das gilt eben auch für viele Stiftungen, beobachtet Dr. Philipp Windeknecht. Er ist Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Wirtschaftskanzlei Flick Gocke Schaumburg und Experte für Impact Investing von Stiftungen. „Stiftungen können mit Impact Investing selbst in Niedrigzinsphasen gemeinnützige Zwecke wirkungsvoll fördern. Allerdings befinden sich Impact Investments regelmäßig nur im Portfolio finanzstarker Stiftungen mit eigener Vermögensverwaltung. Zudem ist das Angebot an Impact Investments, insbesondere für moderate Investitionssummen, noch überschaubar.“


Stiftungsbehörden und Finanzämter hegen Skepsis

Weiterhin identifiziert der Berater, der seine Doktorarbeit über die Zulässigkeit von Mission und Impact Investing für Stiftungen geschrieben hat, ein praktisches Problem. Viele Stiftungsbehörden und Finanzämter hegten eine gewisse Skepsis hinsichtlich der stiftungsrechtlichen und steuerlichen Zulässigkeit von Impact Investing. „Die Skepsis sei jedoch weitgehend unbegründet. Für Impact Investments ist – wie für jedes andere Investment auch – eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchzuführen. Wenn diese positiv ausfällt, ist es ein für die Stiftung auch finanziell passendes Investment.“

Auch Deka Private Banking bestätigt, dass offenbar immer mehr Stiftungen dies erkennen würden. „Hier setzt sich zusehends die Überzeugung durch, dass Vermögensanlage und Satzungszweck nicht völlig getrennt voneinander betrachtet werden können. Immer mehr Stiftungen verfolgen inzwischen eine nachhaltige Anlagestrategie, sei es mit Hilfe von Ausschlüssen, dem Best-in-Class-Ansatz oder einer grundsätzlichen ESG-Analyse.“


Unabhängiges Gutachten hilft Stiftungen beim Impact Investing

Apropos Wirtschaftlichkeitsprüfung: „Um auch in einem Niedrigzinsumfeld die nötigen Erträge zu erzielen, ist ein optimiertes Risiko-Renditeverhältnis nötig. Zudem legen Stifter und Spender vermehrt Wert darauf, dass nur in Unternehmen und Anlagen unter Berücksichtigung von Kriterien aus dem Bereich Umwelt, Soziales und verantwortungsvoller Unternehmensführung investiert wird“, sagt Dirk Rathjen, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) aus München. Da viele angeblich nachhaltige Anlagen sich als Mogelpackungen erwiesen haben (Greenwashing), bedarf dies einer unabhängigen Begutachtung. Im Rahmen des vom IVA und der Stiftungsberatung StiftungsMentor (Steuerkanzlei Manfred Speidel) entwickelten Business Judgement Rule-Gutachtens erfolgen für Stiftungen tiefgehende Analyse des Portfolios und bei Bedarf Hinweise zur Optimierung sowie die Zertifizierung der Nachhaltigkeitsinvestitionen durch das Institut für Vermögensaufbau – eben auch für Impact Investing-Ansätze.

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