Impact Investing: Viel mehr als eine Anlagealternative

Nachhaltigkeit ist nicht der einzige Aspekt, der bei sozial verantwortlichen und verantwortungsvollen Anlegern sehr gut ankommt. Das Impact Investing, seit 2007 am Markt bekannt, gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Schon seit längerem lässt sich in der Vermögensverwaltung ein stärker werdender Trend beobachten. Viele Menschen suchen Rendite mit Sinn und gutem Gewissen und wollen sich von Kapitalanlagen, die keinen ethischen Standards entsprechen, fernhalten – selbst auf Kosten einer potenziell geminderten Rendite. Daher sind nachhaltige Geldanlagen sehr beliebt: Sie orientieren sich an den sogenannten ESG-Faktoren („Environmental, Social & Good Governance“) und entsprechen damit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO. Mit Erfolg: Weltweit sind rund 1,5 Billionen Euro nachhaltig angelegt, der Wertzuwachs lag laut einer Studie im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 27 Prozent.

Doch Nachhaltigkeit ist nicht der einzige Aspekt, der bei sozial verantwortlichen und verantwortungsvollen Anlegern sehr gut ankommt. Auch das Impact Investing gewinnt erheblich an Bedeutung. Doch was ist darunter zu verstehen? „Immer mehr Anleger legen darauf Wert, nicht nur eine finanzielle Rendite zu erwirtschaften, sondern mit ihrer Investition auch Gutes für Umwelt und Gesellschaft zu tun. Impact Investing ist eine Anlagemöglichkeit, mit der sich neben einer finanziellen auch eine soziale Rendite erwirtschaften lässt“, heißt es bei der LGT Bank AG, ein zum Fürstenhaus von Liechtenstein gehörendes international tätiges Finanzdienstleistungsunternehmen.

Die zunehmende Bedeutung von Impact Investing lässt sich an konkreten Zahlen ablesen. Wie Dr. Christoph Pitschke und Dr. Thomas Rüschen von Deutsche Oppenheim im Aufsatz „Family Offices entdecken Impact Investing“ schreiben, haben allein die 208 für das „Impact Investor Survey“ des Global Impact Investment Network GIIN und der Großbank JP Morgan befragten Impact-Investoren 114 Milliarden US-Dollar in Impact Investments allokiert – und das im Jahr 2017, Tendenz steigend.

Soziale und finanzielle Rendite: Das ist der Fokus des Impact Investing, was so viel bedeutet wie „Investieren mit Wirkung“. Für die Bertelsmann Stiftung gilt „Impact Investing als Ausdruck zivilgesellschaftlicher Verantwortung: Viele Menschen engagieren sich freiwillig und tragen damit dazu bei, gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Gleichzeitig wächst das Interesse, zivilgesellschaftliche Verantwortung auch durch die eigene Kapitalanlage wahrzunehmen. Wenn dieses private Kapital so angelegt wird, dass es messbare soziale Wirkung erzielt, spricht man von Impact Investing.“

Ein Schwerpunkt liegt auf der Finanzierung von Sozialunternehmen, die gesellschaftliche Missstände mithilfe unternehmerischer Ansätze lösen. Dadurch entscheidet sich das Impact Investing auch von anderen Nachhaltigkeitsstrategien, die sich eher auf Unternehmen konzentrieren, die sich Nachhaltigkeitskriterien unterworfen haben. Dabei geht es weniger stark um konkrete Projekte wie beim Impact Investing als um die generelle Einhaltung bestimmter sozialer, ökologischer und/oder gesellschaftlicher Standards.

Investition soll Wirkung erzielen

Was dies in der Praxis bedeutet, lässt sich anhand einiger Beispiele nachvollziehen. So hat beispielsweise das indische Unternehmen AYE Finance rund zehn Millionen US-Dollar erhalten, um damit Kredite für Kleinst- und Kleinunternehmen (Micro and Small Enterprises, MSME) außerhalb des Bankensektors zur Verfügung zu stellen. Mit diesen Krediten werden Unternehmen gefördert, die vor allem geringqualifizierten Arbeitnehmern in Landwirtschaft, Produktion und Dienstleistung eine Perspektive bieten. Solche Mikrofinanzprojekte bilden übrigens die häufigsten Investitionszwecke im Impact-Segment.

Oder das Lern- und Förderkonzept „Integrativer Schulcampus“ an der Grundschule Pestalozzischule in Mannheim. Während des Projekts im vergangenen Schuljahr wurden zwei Grundschuljahrgänge von der ersten bis zur vierten Klasse intensiv begleitet und bedarfsorientiert gefördert. Ziel war es, allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen. Das Konzept wurde über einen sogenannten „Social Impact Bond“ (SIB) finanziert, wie die Bertelsmann Stiftung als Projektpartner betont. Beteiligt an einem Social Impact Bond sind laut der Stiftung in der Regel ein oder mehrere soziale Dienstleister, der Staat und private, wirkungsorientierte Investoren. Von diesen Geldgebern stammt auch das Kapital des Fonds, die Rendite entsteht aus der Wirkung der sozialen Maßnahmen. Diese lag beispielsweise bei einem Projekt in Bayern nach 28 Monaten und bei voller Rückzahlung des Kapitals an die Investoren bei rund drei Prozent.

Eine Variante des wirkungsvollen Investierens stellen übrigens „Green Bonds“ dar. Schon 2017 lag der Gesamtmarkt aller Green Bonds bei mittlerweile 170 Milliarden US-Dollar. Das mit den grünen Anleihen eingenommene Geld soll ausschließlich in klimafreundliche Projekte fließen. Gleichzeitig wird dabei laut der HypoVereinsbank der Impact des Green-Bond-Investments veröffentlicht, zum Beispiel über den Ausweis von CO2-Reduktionen durch das finanzierte Projekt. Ein konkretes Projekt, das über einen Green Bond finanziert worden ist, sieht man in Paris: Die Stadt hat mit „Green Bonds Kapital für den Ausbau des Ladenetzes für E-Autos ein. Und der Autohersteller Toyota verschafft sich damit die nötigen Mittel, um den Verkauf seiner Hybridautos durch attraktive Konsumentenkredite ankurbeln zu können“, so die HypoVereinsbank.