Indexmonitor 2021: Die besten Regionen und Branchen der Welt
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2022-01-05

Indexmonitor 2021: Die besten Regionen und Branchen der Welt

2021 – ein Börsenjahr der Superlative: Inklusive reinvestierter Dividenden hat der MSCI World Index 2021 auf Euro-Basis rund 32 Prozent zugelegt – das dickste Plus in diesem Jahrtausend. CAPinside-Experte Christian Röhl analysiert in seinem zweiten Part des Indexmonitors die Top und Flop Regionen und Branchen des vergangenen Jahres.

Die – aus Sicht deutschsprachiger Anleger – wichtigsten Aktienmärkte haben sich von der Null in diesem Jahr jedenfalls noch weiter entfernt. Spitzenreiter ist dabei Saudi-Arabien. Anders als man vielleicht vermuten würde, ist der via ETF handelbare MSCI-Index zwar zu nicht einmal 10 % in Öl investiert. Aber auch die Finanz- und Chemie-Konzerne, die zusammengenommen rund drei Viertel des Aktien-Barometers stellen, profitieren natürlich von dem im Jahresverlauf stark gestiegenen Ölpreis.

Auf Platz zwei folgt der österreichische ATX, der im internationalen Vergleich fast wie ein Mid Cap-Index anmutet. Die drei größten Titel Verbund, Erste Group und OMV bringen jeweils rund 16 Milliarden Euro auf die Waage – was im DAX gerade einmal für die Plätze 33 bis 35 reichen würde. Aber es kommt ja auf die Qualität an und die stimmt derzeit bei den großen Wiener Werten, weshalb der ATX nun auf Zehn-Jahres-Sicht endlich zum DAX aufgeschlossen hat. Mit 170 % Plus seit Anfang 2012 liegen allerdings beide nur im Mittelfeld: Neben dem US-amerikanischen S&P 500, der global über nahezu alle Zeiträume das Maß aller Dinge ist, sind Anleger auch mit Aktien aus Frankreich und der Schweiz deutlich besser gefahren.




Schwellenländer abgehängt: Alle Augen auf China

Immerhin beenden alle zehn etablierten Aktienindizes das Jahr 2021 auf grünem Terrain, während es bei den Schwellenländern mehr Schatten als Licht gibt: Was in Indien, Russland und Mexiko verdient wurde, ging in der Türkei und Brasilien verloren – und wenn mit China und Südkorea zwei große Märkte, die im MSCI Emerging Markets zum Jahresanfang mit 39 % bzw. 14 % gewichtet waren, per Saldo auf der Stelle treten, kann am Ende nicht viel mehr rauskommen als gemessen an den etablierten Ländern kümmerliche 5,2 % Plus.


Die hätte man 2021 übrigens auch mit deutlich weniger Schwankungen erwirtschaften können, nämlich mit den an dieser Stelle schon mehrfach hervorgehobenen Emerging Markets-Anleihen in Hartwährung (US-Dollar). Bei den Schwellenländer-Aktien schaut derweil alles auf China: Nimmt Präsident Xi wirklich niedrigere Wachstumsraten in Kauf, um die Macht der KP zu festigen? Oder war’s das jetzt mit den regulatorischen Eingriffen? Die Glaskugel ist leider arg verschwommen, weshalb Investoren hier eine Grundsatzentscheidung treffen müssen – immer eingedenk des Umstands, dass auch ein ausschließlich auf etablierte Aktien konzentriertes Portfolio bereits ein implizites China-Exposure beinhaltet, weil das kommunistische Riesenreich für viele Firmen längst essentiell als Absatzmarkt und/oder Produktionsstätte ist.


Basis-Konsumgüter vor der Renaissance?

Dennoch war das große Thema auch sektoral nicht China, sondern Inflation. Abgesehen von der IT-Branche (deren vermutete Resilienz gegenüber inflationären Tendenzen man in den nächsten Monaten erstmals beobachten können sollte) waren die Wirtschaftszweige gefragt, die zuerst vom steigenden Preisniveau profitieren: Energie, Immobilien – mit Blick auf vielfach inflationsindexierte Mieterträge – und Finanzen. Abseits des Inflations-Narrativs sollte man auch gewisse Nachhol- bzw. Rotationseffekte nicht unterschätzen, schließlich waren just diese drei Sektoren im vergangenen Jahr die Schlusslichter.

Enttäuschend entwickelt haben sich hingegen die klassischen Defensiv-Sektoren wie Basis-Konsum, Gesundheit und Versorger. Gerade bei den nichtzyklischen Konsumgütern (Lebensmittel, Getränke, Tabak, Hygiene, Körperpflege) wollten Investoren wohl zunächst abwarten, inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, höhere Rohstoffkosten an den Handel und damit an die Verbraucher weiterzugeben. Auf den letzten Metern des alten Jahres gab es endlich einige Signale, dass dies zumindest derzeit recht gut klappt. Folgerichtig war der MSCI Consumer Staples im Dezember mit einem Plus von über 8 % der Gewinner unter den elf Sektor-Indizes – eine Tendenz, die sich 2022 fortsetzen dürfte.


Enttäuschende Faktor-Bilanz

Für Faktor-Investoren schließlich war 2021 ziemlich enttäuschend. Lediglich die auf hohe Rentabilität und niedrige Verschuldung abzielende Quality-Strategie konnte den MSCI World knapp übertrumpfen. Der seit 2017 stets mehr oder weniger deutlich unterlegene Value-Ansatz kam wenigstens knapp an die Benchmark heran – während Size, Low Volatility und Momentum acht bis zehn Prozentpunkte hintendran hängen. Aber Faktorprämien sind nun einmal weder additiv noch konstant und wer sich gegen ein kapitalisierungsgewichtetes und für ein anhand fundamentaler oder technischer Kennzahlen konstruiertes Index-Investment entscheidet, sollte dafür mehr und bessere Gründe haben als eine historische Outperformance.


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