Christian W. Röhl
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Indexmonitor April 2021: Asiatische Atempause und die sektorale Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die asiatischen Aktienmärkte waren den europäischen und US-Pendants in diesem Jahr eigentlich immer einen Schritt voraus – im April gönnten sie sich allerdings eine Pause, unfreiwillig angeordnet von der Führung in Peking. Christian W. Röhl wirft im zweiten Teil seines Indexmonitors für den April aber nicht nur einen Blick nach Asien, sondern auch auf die zurückgedrehte Value-Rotation.

Verglichen mit dem Bitcoin sind die Aktienmärkte derzeit jedenfalls eine Oase der Ruhe, auch wenn ausgerechnet die zuletzt so starken asiatischen Börsen derzeit etwas durchhängen – freilich mit unterschiedlichem Hintergrund. Während in Südkorea nach 65% Plus in zwölf Monaten einfach mal eine gesunde Konsolidierung läuft, belastet in China das regulatorische Donnergrollen: Die Führung in Peking will E-Commerce- und Finanz-Firmen künftig deutlich stärker disziplinieren.

In Indien schlägt derweil die dramatische Eskalation der Corona-Pandemie nun auch auf die Aktienkurse und den Außenwert der Rupie durch. In Japan sind die Inzidenzen zwar ungleich niedriger. Aber dass rund drei Monate vor dem geplanten Beginn der Olympischen Spiele wieder Lockdown-Maßnahmen ergriffen werden, drückt auf die Stimmung und nährt Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung. Hinzu kommt aus hiesiger Perspektive die Schwäche des Yen: Die japanische Währung ist seit einem Jahr im Sinkflug – weshalb von den 45%, die der Nikkei 225 binnen Jahresfrist zugelegt hat, in Euro nur gut 30% übrig bleiben.


Value Rotation wieder ein Stück zurückgedreht

Bei den globalen Sektoren und Faktoren schließlich dominierte in den letzten sechs Monaten die sog. Value Rotation – günstig bewertete Aktien, die lange verschmäht worden waren, konnten ihren Performance-Rückstand auf Wachstumstitel zumindest ein bisschen verkürzen. Im April hat diese Erholung zumindest vorerst ein Ende gefunden: Während der MSCI World Momentum nach den starken Zahlen von Trendwerten wie Amazon, Alphabet, Facebook um 6% gestiegen ist, stehen beim MSCI World Value sogar 1,5% Verlust zu Buche.

Dennoch sind die Value-Aktien mit einem Plus von 28% auf Jahressicht nun fast wieder gleichauf mit dem MSCI World (+32%). Die auf niedrige Schwankungen abzielende Low Volatility-Strategie wirkt dagegen weiterhin wie festgetackert und liegt nun satte 25 Prozentpunkte hinter dem Gesamtmarkt, der sektoral inzwischen eine Zwei-Klassengesellschaft ausgebildet hat: Die von den Plattform-Giganten angetriebenen Sektoren Technologie (Apple/Microsoft), Kommunikation (Alphabet/Facebook) und zyklischer Konsum (Amazon) haben in den vergangenen zwölf Monaten genau wie die Old Economy-Zykliker Industrie, Grundstoffe und Finanzen um die 40% zugelegt – während der Energie-Sektor und die defensiven Branchen Basis-Konsum, Gesundheit, Versorger, Immobilien im Durchschnitt nicht einmal auf 15% Plus kommen. Aber auch hier könnte irgendwann eine Rotation anstehen und bis dahin versüßen üppige Dividendenrenditen die Wartezeit.