Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor April 2021: Rasante Rohstoffe und nichtssagende Bitcoin-Verluste

„Aktien hui, Anleihen pfui“, das war die Quintessenz des ersten Quartals gewesen – und die passt auch für den April. Angetrieben von guten Unternehmenszahlen, optimistischen Makrodaten und Fortschritten bei den Corona-Impfungen haben die Aktienkurse auf beiden Seiten des Atlantiks neue Allzeithochs markiert. CAPinside-Experte Christian W. Röhl mit dem ersten Teil des Index-Überblicks für den April.

Auffällig war im April vor allem die anhaltend starke Wertentwicklung der Nebenwerte. So hat etwa der MDAX gut 3% zugelegt und damit das sechste Monatsplus in Folge eingefahren. Der globale MSCI World Small Cap Index kommt sogar auf sieben „grüne“ Monate in Folge und übertrifft mit einer Zwölf-Monats-Performance von über 50% sogar den technologielastigen Nasdaq 100: Nachdem die kleineren Unternehmen sowohl vom Corona-Crash an den Börsen als auch von den realwirtschaftlichen Folgen stärker betroffen waren als die multinationalen Mega Caps, profitieren sie jetzt umso mehr vom Aufschwung.


Backwardation-Effekt treibt Rohstoff-Renditen

Genau dasselbe gilt für Energie-Rohstoffe und Industriemetalle, wobei der RICI Rogers Commodity Index sowohl im April als auch auf Ein-Jahres-Sicht noch besser abgeschnitten hat als die Aktienmärkte. Das liegt nicht nur am generellen Anstieg der Notierungen für Öl, Kupfer oder Aluminium. Auch die gegenwärtige Preisstruktur an den Warenterminbörsen spielt eine Rolle: Weil die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, werden für kurzfristige Verfügbarkeit Aufschläge gezahlt, so dass die bald fälligen Futures teurer sind als länger laufende Kontrakte – und dieser sog. Backwardation-Effekt ist derzeit so stark wie zuletzt 2007.

Am Anleihenmarkt hat sich die Lage ein bisschen beruhigt, zumindest in den USA. Obwohl Präsident Biden weitere Billionen-Programme angekündigt hat, sind die Renditen der zehnjährigen Treasuries zunächst nicht weiter gestiegen. Nachdem der Dollar seine Vormonatsgewinne wieder abgegeben hat, steht für Euro-Investoren unter dem Strich dennoch ein Minus – das mit 1,7% genauso hoch ausfällt wie der Rückgang bei langfristigen Bundesanleihen. Die Langläufer von Olaf Scholz sind nun sechs Monate hintereinander gefallen. In Summe beläuft sich der Kursverlust auf fast 8% und dennoch liegt die Rendite noch immer bei -0,2%.

Verluste gab’s überdies auch bei Bitcoin. Nach sechs Monaten mit jeweils prozentual zweistelligen (!) Gewinnen hat die Kryptowährung im April per saldo knapp 6% verloren – wobei derlei Stichtagsbetrachtungen nichtssagend bis zufallsgetrieben sind angesichts von Notierungen, die binnen Monatsfrist erst von über 53.000 auf unter 40.000 Euro einbrechen und sich dann wieder auf 48.000 Euro erholen.