Indexmonitor August 2021: AMAFANT auf Rekordjagd, Schwellenländer unter Spannung
3 Minuten
06.09.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor August 2021: AMAFANT auf Rekordjagd, Schwellenländer unter Spannung

Die Finanzmärkte im „Dinner For One“-Modus: „Same procedure as every month“ – die maßgeblichen Aktienindizes auch im August wieder mit neuen Allzeithochs, angeführt von bullenstarken US-Börsen.

Performance-Motor ist einmal mehr der Plattform- und Technologie-Klumpen, wobei es allmählich Zeit wird für ein neues Akronym. Schließlich bringt das erstmals 2013 von CNBC-Moderator Jim Cramer beschworene FANG-Quartett (Facebook, Amazon, Netflix, Google/Alphabet) im S&P 500 nur gut elf Prozent auf die Waage, wohingegen AMAFANT praktischerweise gleich die sieben höchstgewichteten Firmen bündelt: Apple, Microsoft, Alphabet, Facebook, Amazon, Nvidia und Tesla repräsentieren zusammen mehr als ein Viertel vom Index – und haben im August mit Kursgewinnen zwischen 3,7 (Tesla) und 13,8 Prozent (Nvidia) allesamt stärker zugelegt als der S&P 500.


Stabile Rally – nicht ohne historisches Beispiel

Doch auch der kann sich mit einem Monats-Plus von 3,1 Prozent (bzw. 3,4 Prozent aus Sicht des Euro-Investors) durchaus sehen lassen. Beeindruckend ist vor allem die Stabilität des Aufwärtstrends: Seit Ende Oktober 2020 hat der Index nicht einmal mehr ein Fünf-Prozent-Korrektürchen erlebt – und während dieser zehn Monate lag der S&P 500 auch nur an 16 von 208 Börsentagen mehr als zwei Prozent unter seinem Allzeithoch.

Jeder noch so kleine Rücksetzer wird gekauft. „Buy the dip“ lautet das Motto, dessen Motivation irgendwo zwischen TINA („There is no alternative“) und FOMO angesiedelt ist – zwischen der Alternativlosigkeit von Aktien und der Angst, Performance zu verpassen. Und dennoch ist auch diese Marktphase zumindest von den Zahlen her nicht ohne Beispiel: In den vierzehn Monaten zwischen Dezember 2016 und Januar 2018 lag der Maximum Drawdown im S&P 500 ebenfalls bei lediglich 2,8 Prozent. Danach gab’s dann allerdings ein reinigendes Gewitter. Innerhalb von ganzen neun Börsentagen sackte der Index um mehr als 10 Prozent ab und über eine ähnliche Bewegung sollte man sich auch heute nicht wundern.

Andere beliebte Aktien-Barometer zeigen ein ähnliches Bild wie der S&P 500. An der Nasdaq ist alles etwas krasser (auch weil das AMAFANT-Septett im 100 Titel umfassenden Auswahlindex satte 49 Prozent Gewicht hat), während es in Europa wie üblich etwas gedämpfter zugeht. Aber auch der DAX hat den August nach dem bislang nur kurzzeitigen Ausflug über die 16.000 Punkte-Marke mit einem neuen Monatsultimo-Rekord beendet, während der MDAX seine Erfolgssträhne ausbauen und nun den zehnten Monat in Folge mit Gewinn abschließen konnte. International laufen die kleineren Aktien ebenfalls besser: Der MSCI World Small Cap hat in den vergangenen zwölf Monaten auf Euro-Basis 44 Prozent zugelegt, gut zwölf Prozentpunkte mehr als der „große“ mit Large/Mid Cap-Titeln bestückte MSCI World – und das ganz ohne IT-Klumpen, denn bei den Small Caps geben Industrie-Werte mit einem Anteil von 20 Prozent den Ton an.


Weniger Schwankung und mehr Breite mit Schwellenländer-Anleihen

Eher richtungslos präsentiert sich dagegen der Anleihemarkt. Der Rückgang der Renditen, von einigen Beobachtern bereits als konjunkturelles Warnsignal interpretiert, ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Gleichzeitig deutet trotz der nach wie vor hohen Inflationszahlen wenig auf steigende Zinsen hin. Nur Schwellenländer-Bonds fallen auf: Der JPMorgan Emerging Markets Bond Index (EMBI) kann weiter zulegen und kommt nun für die vergangenen zwölf Monate auf ein Euro-Plus von gut sechs Prozent.

Auch längerfristig vermag diese Asset-Klasse zu überzeugen: Der iShares-ETF mit auf US-Dollar lautenden Emerging-Markets-Anleihen liegt auf Drei-Jahres-Sicht rund 20 Prozent im Plus. Schwellenländer-Aktien haben derweil zwar (gemessen am MSCI Emerging Markets IMI) mit 28 Prozent etwas mehr abgeworfen, schwanken aber auch deutlich stärker. Warum also nicht mal darüber nachdenken, ein Viertel oder ein Drittel der Emerging Markets-Allokation in Anleihen statt in Aktien zu packen!?

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Zumal es neben der attraktiven Durchschnittsrendite von aktuell 4,7 Prozent noch ein weiteres Argument gibt, nämlich die geographische Streuung. Die ist bei Schwellenländern ungleich relevanter ist als bei Large-Cap-Investments in der etablierten Welt – und im Hinblick auf eine optimale Portfolio-Diversifikation ist es eher suboptimal, dass Aktien aus lediglich vier Ländern (China, Taiwan, Südkorea und Indien) über 70 Prozent des MSCI Emerging Markets IMI besetzen. Der JPMorgan EMBI kommt ohne derlei Klumpen aus: Kein Land ist derzeit mit mehr als sechs Prozent gewichtet, die zehn größten Schuldner haben zusammen nur einen Anteil von gut 40 Prozent und insgesamt sind im Index staatliche und quasi-staatliche Anleihen aus 58 Ländern enthalten.

In Summe also ein Schwellenländer-Investment, das in dieser geographischen Breite mit Aktien kaum darstellbar ist. Entscheidend war allerdings zumindest in der Vergangenheit der Fokus auf Hartwährungsanleihen, sprich US-Dollar-Emissionen: Der mit auf lokale Währungen lautenden Anleihen bestückte SPDR Emerging Markets Local Bond ETF hat historisch deutlich schlechter abgeschnitten. Für die vergangenen sieben Jahre stehen unter dem Strich nur kümmerliche zehn Prozent Plus, während der iShares JPMorgan $ EM Bond ETF mit 50 Prozent ziemlich genau denselben Gesamtertrag erzielt hat wie Schwellenländer-Aktien.

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