Indexmonitor August 2021: Schwellenländer – mehr als nur China
2 Minuten
07.09.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor August 2021: Schwellenländer – mehr als nur China

In der CAPinside-Trend Debatte für den August stand China im Mittelpunkt. Christian W. Röhl plädiert in seinem Indexmonitor allerdings dafür, nicht nur auf das Reich der Mitte zu schauen – denn es gibt eine Menge anderer spannender Schwellenländer. Welche das sind und warum das Momentum Vorsicht gebietet.

Im letzten Monat ging der Blick auch auf die Schwellenländer-Aktien: Mit einem Euro-Plus von 3,1% hat der MSCI Emerging Markets im August tatsächlich leicht besser abgeschnitten als die Industrieländer – obwohl der MSCI World (+3,0 Prozent) von einem immerhin 16-prozentigen AMAFANT-Anteil profitieren konnte, während das Schwellenländer-Schwergewicht China weiter unter der Regulierungswut der Pekinger Kommunisten leidet. Zwar konnten chinesische Aktien sich nach dem Abverkauf vom Juli nun halbwegs behaupten. Aber wenn der Internet-Konzern Tencent – natürlich gänzlich freiwillig – 50 Mrd. Yuan für ein regierungsamtliches Umverteilungsprogramm zur Förderung „nachhaltiger sozialer Werte“ spendet oder Online-Spiele für Jugendliche gesetzlich auf bestimmte Zeitfenster limitiert werden sollen, wird das politische Risiko schon sehr offensichtlich.

Immerhin, durch den inzwischen rund sechs Monate anhaltenden Abwärtstrend ist das China-Exposure im MSCI Emerging Markets Index von zeitweise über 40 Prozent auf aktuell gut ein Drittel geschrumpft. Es gibt eben auch noch andere Schwellenländer – etwa Indien, wo die Kurse allein im August um über elf Prozent gestiegen sind. Für die vergangenen zwölf Monate liegt der MSCI India auf Euro-Basis sogar 55 Prozent vorne, übertroffen nur noch vom MSCI Mexico (+65 Prozent). Auch die Türkei und Indonesien konnten zuletzt Boden gutmachen und damit das Chance/Risiko-Profil eines breit diversifizierten Schwellenländer-Engagements illustrieren.

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Bei den etablierten Börsen geht die Pole Position derweil sowohl auf Jahressicht (+69 Prozent) als auch im August an Österreich. Das vierprozentige Monatsplus des ATX resuliert allerdings zur Hälfte aus der Zwanzig-Prozent-Rally beim grünen Versorger Verbund. Der Wiener Aktienmarkt hält zwar manche Perle für Stock Picker bereit, hat aber im internationalen Vergleich eben eher Midcap-Niveau. Nur zur Einordnung: Die beiden Top-Werte Verbund und OMV bringen jeweils 15 Milliarden Euro Kapitalisierung auf die Börsen-Waage und sind damit kleiner als 27 der 30 DAX-Werte – wobei ja auch der Frankfurter Leitindex im globalen Maßstab eher ein Fliegengewicht ist.


Immense AMAFANT-Klumpen in den Sektor-Indices

Die globalen MSCI-Sektoren hingegen stehen ebenfalls im Zeichen der AMAFANT-Hausse. Mit August-Zuwächsen von 4,5 Prozent rangieren IT (38 Prozent Apple+Microsoft+Nvidia) und Kommunikation (45 Prozent Alphabet+Facebook) für den Monat wie auch über zwölf Monate an der Spitze. Der zyklische Konsum (28 Prozent Amazon+Tesla) hingegen bleibt etwas zurück, nachdem Handels- und Luxus-Aktien verstärkt unter China- und Corona-Ängsten leiden. Endlich angesprungen sind hingegen die Versorger, die mit ihren hohen Dividendenrenditen – wie an dieser Stelle mehrfach erwähnt – ein attraktives Chance/Risiko-Profil in einem Szenario anziehender Inflation bei allenfalls moderat steigenden Zinsen bieten.

Wenig Grund zur Freude haben dagegen Value-Investoren klassischer Prägung. Im Zwölf-Monats-Vergleich liegt MSCI World Enhanced Value Index zwar weiterhin knapp vorne; in den letzten drei Monaten hat die auf günstige fundamentale Bewertungen ausgerichtete Strategie aber erneut deutlich schlechter abgeschnitten als der MSCI World. Dafür holt der Momentum-Ansatz wieder auf, wobei Anleger diesen kurzfristigen Bewegungen nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken sollten: Wer spezielle Faktor-Fonds und -ETFs kauft, sollte vom unterliegenden Investment-Stil langfristig überzeugt sein – oder auf diese Fokussierung verzichten und sich marktbreit engagieren.

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