Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor Februar 2021: Neue Rekorde – und neue (Zins-)Ängste

Wie schon zum Jahresauftakt haben die internationalen Aktienmärkte auch im Februar zunächst neue Rekorde erklommen, bevor es anschließend wieder abwärts ging. Diesmal sind es allerdings nicht über soziale Medien verabredete Shortsqueeze-Attacken, die den Investoren die Laune verderben. Christian W. Röhl beleuchtet im neuen Indexmonitor, wie das Zins- und Inflations-Gespenst auf die Stimmung drücken.

Ein paar Zehntel Prozent bedeuten milliardenschwere Lasten

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen, die noch im August bei 0,5% gelegen hatte und im Januar erstmals seit zwölf Monaten über die Ein-Prozent-Marke geklettert war, bewegt sich nun oberhalb von 1,4%. In absoluten Zahlen ist das sicher noch nicht dramatisch, zumal die Renditen zwischen Ende 2016 bis Mitte 2019 sogar konstant über 2% gelegen hatten, ohne dass es deswegen zu nachhaltigen Verwerfungen an den Börsen gekommen wäre. Dennoch ist klar: Investoren verlangen für die mit ausufernden Staatsschulden einhergehenden Risiken wieder eine Prämie. Und angesichts der Stimulus-Billionen, die die Biden-Administration nun beschlossen hat, bedeuten selbst ein paar Zehntel Prozent höhere Zinsen milliardenschwere Finanzierungslasten.

Darüber hinaus lassen steigende Zinsen den Wert bestehender Anleihen-Portfolios erodieren – und zwar umso stärker, je länger die Restlaufzeit ausfällt. Das illustriert der auf Bundesanleihen mit über zehnjähriger Laufzeit fokussierte eb.rexx Germany 10.5+ Index: Während die Renditen im Monatsverlauf von -0,52% auf -0,27% gestiegen sind, die Negativrendite sich also in etwa halbiert hat, ist das Anleihen-Barometer um knapp 5% abgerutscht.


Lesen Sie auch

Indexmonitor Januar 2021: Nur die Impfung wirkt
Indexmonitor Januar 2021: „Reddit Army“ verhagelt die Stimmung
Indexmonitor 2020: Von Pandemie-Gewinnern und altbekannten Performance-Flops


Schlägt die Vermögenspreisinflation auf Verbraucherpreise durch?

Hinzu kommt die Angst, dass die seit Jahren grassierende Vermögenspreisinflation auch auf die Güter- und Verbraucherpreise durchschlagen könnte – womit die der Preisstabilität verpflichteten Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks schneller als eigentlich gedacht gezwungen sein könnten, ihre ultralockere Geldpolitik zu überdenken. Die Inflationserwartungen jedenfalls haben deutlich angezogen, genau wie die Rohstoffpreise: Der RICI Rogers Commodity Index (40% Energie, 25% Industriemetalle, 35% Agrar/Vieh) ist allein im Februar um knapp 10% gestiegen. Gleichwohl liegt das Rohstoff-Barometer damit immer noch auf demselben Niveau wie vor eineinhalb Jahren.

Gold, für viele Anleger der Inflationsschutz schlechthin, kann von der aktuellen Situation hingegen nicht profitieren. Die Feinunze ist weiter abgerutscht und hat damit nun alle Gewinne der vergangenen zwölf Monate ausradiert. Verwunderlich ist das nicht unbedingt, denn weil die Marktzinsen bislang stärker steigen als die offiziellen Inflationsraten, hat die reale Rendite von Staatsanleihen sich erhöht. Ein unproduktives Asset wie Gold wird aber vor allem durch sinkende Realrenditen stimuliert.

Dieses Argument müsste zwar eigentlich auch für Bitcoin gelten, wenn man die Kryptowährung als digitalen Wertspeicher interpretiert. Momentan hängt diese junge Asset-Klasse kurzfristig indes mehr daran, was Elon Musk als Guru der Generation Z twittert – und wie große Banken sich in diesem Markt positionieren. Die Schwankungen sind weiterhin abenteuerlich, die Gewinne aber auch: In Relation zum Euro konnte Bitcoin bereits den fünften Monat in Folge zweistellig zulegen. Und obwohl der Preis gegenüber dem Hoch vom 21. Februar um 22% eingeknickt ist (womit an den Aktienmärkten bereits die Definition für einen Bärenmarkt erfüllt wäre), steht für den Februar unter dem Strich ein Plus von 35%.


Europa marschiert ausnahmeweise mal voran

Auch an den Aktienmärkten dominiert auf Monatsbasis die Farbe Grün, wobei ausnahmsweise mal Europa voranmarschiert. Die Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Pandemie beflügelt vor allem französische und italienische Aktien. Stark auch der österreichische ATX, wo Öl (OMV) und Banken (Erste Group, Raiffeisen) hoch gewichtet sind.

Für Schlagzeilen sorgte der japanische Nikkei 225, der im Februar erstmals seit 30 Jahren wieder die 30.000 Punkte-Marke zurückerobern konnte und damit nun in Euro auf ein Zwölf-Monats-Plus von annähernd 30% kommt. In der Statistik der 20 wichtigsten Aktienmärkte der Welt taucht der Nikkei 225 indes trotz seiner medialen Strahlkraft nicht auf. Denn hier stehen die Indices im Fokus, die vom jeweils volumenstärksten UCITS-ETF abgebildet werden – und das ist für Japan der MSCI Japan. Aus gutem Grund, denn das MSCI-Barometer ist kapitalisierungsgewichtet und bildet demzufolge die Größenverhältnisse der am Kabuto Cho notierten Unternehmen realistisch ab. Im Nikkei 225 hingegen werden die Anteile der einzelnen Firmen (wie auch beim altehrwürdige Dow Jones Industrial Average) nach dem absoluten Aktienpreis bemessen. Das führt dazu, dass der Textilfilialist Fast Retailing („Uniqlo“) mit 13% ein viermal so hohes Gewicht hat wie die Konzerne Sony und Toyota zusammen.

Klumpenbildung gibt es auch beim auf Zwölf-Monats-Sicht erfolgreichsten G20-Index: Dass der MSCI Korea mit 52% Euro-Performance sogar den S&P China 500 alt aussehen lässt, ist nicht zuletzt der Stärke von Samsung Electronics geschuldet. Mit seinen beiden Aktiengattungen kommt das Technologie-Konglomerat auf einen Index-Anteil von einem Drittel – und weitere elf Firmen, die „Samsung“ im Namen tragen, sind mit weiteren 8% gewichtet.