Indexmonitor November 2021: Sind BRICs die besseren Emerging Markets?
2 Min.
03.12.2021

Indexmonitor November 2021: Sind BRICs die besseren Emerging Markets?

Sie galten einst als die großen Hoffnungsträger der Fondsindustrie und Investoren: BRIC-Fonds. Nun, 20 Jahre später, wurden sie längst von den Emerging Markets abgelöst. Zu Recht? Der zweite Teil des Indexmonitors von CAPinside-Experte Christian W. Röhl zeigt, in welchen Regionen Anleger mehr (Miss-)Erfolg hatten.

Türkei-Gewinne verdampfen durch die Währung

Auch bei den Schwellenländern überwiegen auf Monatssicht die Minuszeichen. Wirklich signifikante Bewegungen gab es dabei nur in Russland und Saudi-Arabien, wo die Aktienindizes die zuletzt gesunkenen Energiepreise widerspiegeln. Über zwölf Monate liegen indes ausgerechnet diese beiden Märkte zusammen mit Indien an der Spitze (mehr dazu in September-Indexmonitor). Am anderen Ende – sowohl im November als auch über ein Jahr und über zehn Jahre – rangiert die Türkei. Zwar haben sich die Aktienkurse am Bosporus gemessen am entsprechenden MSCI-Index allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Durch die beispiellose Abwertung der Lira lösen sich diese Gewinne allerdings in Luft auf. In Euro gerechnet notiert der MSCI Turkey selbst inklusive reinvestierter Dividenden auf demselben Niveau wie im Herbst 1999. Wer hier zugreift, braucht nicht nur starke Nerven, sondern sollte auch auf einen baldigen Regimewechsel hoffen, bevor Präsident Erdogan das hoch verschuldete Land endgültig in die Pleite getrieben hat.


20 Jahre BRIC – Grund zu feiern?

Kein Wunder jedenfalls, dass viele Investoren die kleineren Schwellenländer meiden und sich auf die großen Märkte fokussieren – nicht von ungefähr stecken ETFs auf den MSCI Emerging Markets Index in vielen Depots. Vor 20 Jahren hingegen lautete die Erfolgsformel in diesem Segment BRIC: In einer am 30. November 2001 veröffentlichten Studie hatte der damalige Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill Brasilien, Russland, Indien und China als Globalisierungsgewinner ausgemacht und zum Einstieg getrommelt. BRIC-Fonds sammelten Milliarden ein und wer die Party rechtzeitig vor der Finanzkrise verlassen hatte, konnte sich nicht selten über dick dreistellige Renditen freuen.



Wie so vieles verschwand danach auch BRIC in der Mottenkiste der Investment-Industrie. Allerdings zu unrecht. Denn bis heute hätte man mit einem gleichgewichteten Portfolio aus den MSCI-Indizes der vier BRIC-Staaten besser abschnitten als der MSCI Emerging Markets. Der hat sich nämlich seit 2001 knapp versechsfacht, während für die statische BRIC-Allokation unter dem Strich eine Versiebenfachung steht. Und wer eine antizyklische Rebalancing-Strategie verfolgt und die Gleichgewichtung aller vier Märkte erst (und nur) dann wiederhergestellt hat, wenn einer der Indizes auf Monatsschluss-Basis mehr als 33 Prozent Gewicht hatte, konnte sogar noch etwas mehr herausholen. Eine kleine Anekdote, die zweierlei zeigt: Nicht jedes Finanz-Akronym ist eine Anleger-Falle und Rebalancing ist eine ebenso simple wie wirkungsvolle Methode, um die Zyklik verschiedener Märkte zu nutzen.


Faktor-Investments kurzfristig mau

Mit dieser Zyklik ist es bei den globalen MSCI-Faktoren derzeit nicht allzu weit her. Egal, ob Value, Quality, Size, Volatility oder Momentum: Im November haben alle Strategien weniger Performance geliefert als der marktbreite, in der Replikation günstigere MSCI World. Und auch der Zwölf-Monats-Vergleich ist ernüchternd: Einzig das auf Indikatoren wie hohe Kapitalrenditen und niedrige Verschuldung abzielende Quality-Barometer zeigt eine marginale Überrendite. Der Rest trottet hinterher, im Falle der Minimum Varianz-Strategie sogar mit mehr als zehn Prozentpunkten Abstand.

Über längere Zeiträume kann dagegen insbesondere der auf trendstarke Titel abzielende Momentum-Ansatz weiter überzeugen. Für die vergangenen fünf Jahre – also den Zeitraum, den man für ein Aktien-Investment mindestens mitbringen sollte – stehen hier auf Euro-Basis 140 Prozent Plus zu Buche, verglichen mit 85 Prozent beim MSCI World. Dazu steht der Momentum-Faktor auch methodisch solider da als etwa der Value-Ansatz, wo man durchaus darüber diskutieren kann, ob etwa das Kurs/Buchwert-Verhältnis im Zeitalter der Plattform- und Netzwerkeffekte noch ein sinnvoller Indikator für unterbewertete Aktien darstellt.  




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