Indexmonitor Oktober 2021: Big Oil überholt Big Tech
3 Min.
03.11.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor Oktober 2021: Big Oil überholt Big Tech

Die fossilen Dinos um ExxonMobil, Chevron, Total, BP und Royal Dutch Shell performten auf 12-Monatssicht besser als der sonst so beliebte IT-Sektor. Welche Branchen und Indizes im Oktober noch für Überraschungen sorgten, zeigt der zweite Part des Indexmonitors von CAPinside-Experte Christian W. Röhl.

Wer von Gold (siehe Part 1 Oktober-Indexmonitor) egal ob analog oder digital, nichts wissen will und sich mit produktiven Sachwerten (auch bekannt als „Aktien“) wohler fühlt, hat momentan vor allem links und rechts des Atlantiks Spaß. In Asien war der Oktober hingegen eher mau – abgesehen von Indonesien, das sich mit dem dritten Monatsgewinn in Folge langsam aus dem Pandemie-Loch kämpft. Indien gönnt sich nach der Rallye der vergangenen Monate eine wohlverdiente Pause; Südkorea dümpelt den vierten Monat hintereinander nach unten; in Japan ist die Euphorie nach dem Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten Kishida schnell verpufft; und in China hat sich die Lage nach den regulatorischen Schockwellen vom Sommer zwar beruhigt, aber außer Buffet-Kumpel Charlie Munger, der seine Alibaba-Position kräftig aufgestockt hat, sind offensichtlich nicht allzu viele Schnäppchenjäger unterwegs.


So lässt sich für jeden Index ein eigenes Narrativ finden, um die kurzfristigen Kursbewegungen zu deuten. Aber vielleicht gibt es auch einen übergeordneten Zusammenhang? Für viele Branchen ist Asien so etwas wie die Werkbank, so dass die Störungen der globalen Lieferketten hier besonders virulent sind – mit Blick auf die Corona-Situation sogar durchaus wortwörtlich. Und wenn ausgerechnet die asiatischen Börsen sich so lustlos präsentieren, kann man davon durchaus konjunkturelle Warnsignale ableiten. Möglicherweise ist die Lage ja nicht ganz so rosig, wie die Kursverläufe der US-Plattformgiganten suggerieren…


Kanada profitiert von Rohstoff-Hausse

Auf der Gewinnerseite stehen derweil die Länder, die von steigenden Rohstoffpreisen profitieren: Russland, Saudi-Arabien oder für alle, die vorzugsweise in freiheitlichen Staaten investieren, Kanada. Der MSCI Canada ist im Oktober zwölf Börsentage in Serie gestiegen – und das, obwohl Energie- und Bergbau-Unternehmen wie Enbridge, TC Energy oder Barrick Gold nur rund ein Viertel vom Index ausmachen. Aber es gibt ja auch genügend nicht börsennotierte Rohstoff-Firmen im Land und wenn es denen gut geht, profitiert davon auch der Finanz- und Immobiliensektor, der mit fast 40 Prozent gewichtet ist.


Fossile Dinos: Vom Flop zum Verdoppler

Analog zum steigenden Ölpreis gehören Energie-Aktien natürlich auch im Kreis der globalen MSCI-Sektoren zu den Oktober-Gewinnern – und mit 95 Prozent Plus in den letzten zwölf Monaten lassen fossile Dinos wie ExxonMobil, Chevron, Total, BP und Royal Dutch Shell etwa den hippen IT-Sektor (+48%) weit hinter sich. Da sieht man wieder, wie schnell das Branchen-Karussell sich drehen kann: Noch im Februar war der MSCI World Energy mit einem Zwölf-Monats-Verlust von fast 30 Prozent der Flop-Sektor schlechthin. Für viele Investoren vielleicht ein guter Anlass sich selbst zu hinterfragen, ob sie diese Rotation wirklich aktiv spielen wollen bzw. können. Oder ob man sich nicht besser ein diversifiziertes Portfolio leistet, das in jedem Sektor zumindest eine Basis-Präsenz gewährleistet.

Auffällig ebenfalls: Nur zwei Branchen bleiben deutlicher zurück. Im Kommunikations-Sektor machen Facebook, AT&T und T-Mobile USA die starke Performance von Alphabet und Netflix zunichte. Und beim Basis-Konsum fehlt Investoren nach wie vor der Glaube daran, dass gestiegene Rohstoffkosten wirklich vollumfänglich an den Handel und damit an den Endkunden weitergegeben werden können. Dabei waren sowohl die Quartalszahlen als auch die Ausblicke von Firmen wie Nestlé, Pepsi und Procter & Gamble durchaus positiv. Insofern könnte der Nachholbedarf dieses Sektors sich weiter erhöht haben.


Value: Preiswert oder billig aus gutem Grund?

Bei den Faktoren schließlich herrscht wieder das gewohnte Bild: Value kommt nach der kurzen Erholung von November bis März wieder nicht vom Fleck. Wer nach den Gründen fragt, muss nur auf einige der aktuell höchstgewichteten Titel im MSCI World Enhanced Value Index schauen. Intel hat das Kunststück geschafft, in boomenden Chip-Märkten kaum zu wachsen. AT&T hätte sich fast an Time Warner verschluckt und steckt nun in einer aufwendigen Umstrukturierung. Cisco Systems ist zwar hochprofitabel, wirkt aber seit Jahren ambitionslos. IBM ist froh über jedes Quartal, in dem die Umsätze nicht weiter erodieren und hofft nun auf einen Neustart durch Abspaltung des Kyndryl getauften Infrastruktur-Geschäfts. Ein Portfolio aus Problembären, die zwar gemessen an klassischen Kennzahlen wie dem Kurs/Buchwert- oder dem Kurs/Gewinn-Verhältnis günstig bewertet sind – das aber häufig aus gutem Grund.



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