Indexmonitor Oktober 2021: Tesla, Bitcoin und der goldene Herbst – aber nicht bei Gold
3 Min.
02.11.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor Oktober 2021: Tesla, Bitcoin und der goldene Herbst – aber nicht bei Gold

Gemessen an der Durchschnitts-Performance ist zwar der September der mit Abstand schlechteste Börsenmonat. Doch auch der Oktober ist vielen Investoren nicht so ganz geheuer, schließlich haben sich neun der 20 schlimmsten Tagesverluste in der 125-jährigen Historie des Dow Jones Industrial Average ausgerechnet in dem Monat ereignet, der die Natur in den schönsten Farben leuchten lässt. Der Indexmonitor von CAPinside-Experte Christian W. Röhl fasst die aktuelle Marktlage zusammen.

Dieses Jahr war der Aberglaube freilich ein schlechter Anlageberater: Mit einem Plus von 5,8 Prozent hat der älteste Aktienindex der Welt den besten Oktober seit sieben Jahren aufs Parkett gelegt. Und dass der S&P 500 (+7,0 Prozent) und vor allem der Nasdaq 100 (+7,9 Prozent) noch besser dastehen, zeigt schon, wer an der Wall Street abermals den Takt vorgibt: Die in den „modernen“ Kursbarometern deutlich höher gewichteten IT- und Plattform-Giganten.

Nachdem der Datenkrake Facebook sich nun auf die Meta-Ebene begibt und entsprechend umbenennt, hat AMAFANT zwar als Akronym für die sieben höchstkapitalisierten US-Aktien ausgedient. Aber die Performance-Power bleibt: Rasante 14 Prozent hat ein gleichgewichteter Basket aus Apple, Microsoft, Alphabet, Facebook/Meta, Amazon, Nvidia und Tesla im Oktober gewonnen – angeführt von Tesla mit einem Plus von mehr als 40 Prozent, womit die Musk-Company nun als fünfte Firma auf einen Börsenwert von über einer Billion US-Dollar kommt.

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Neu-Billionär Tesla und eine alte Börsenregel

Ausgelöst wurde die Rallye von einer 4,2 Milliarden US-Dollar schweren Order des nach der pandemiebedingten Insolvenz mit Private Equity-Milliarden hochgepäppelten Autovermieters Hertz. Dass die Marktkapitalisierung von Tesla daraufhin gleich um 100 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, mag manchen Skeptiker verwundert haben, folgt aber zumindest einer gewissen Binnenlogik: Die Umsätze des Autoherstellers werden eben mit dem Faktor 25 bezahlt. Inwieweit das Ratio oder Religion ist, darf jeder selbst entscheiden. Unabhängig davon gilt weiterhin die alte Börsenregel „Stay with the trend, the trend is your friend“ und alle, die diesem Trend bis hierhin gefolgt sind, verdienen höchsten Respekt für Weitsicht und/oder Mut.


Lieferengpässe, Personalknappheit, Inflation: Nur vorübergehend?

Mutig zugegriffen haben Investoren freilich auch bei anderen Tech-Titanten. Klar, die Quartalszahlen von Microsoft und Alphabet waren großartig – dick zweistelliges Umsatz- und Gewinnwachstum im Milliarden-Maßstab. Aber 17,6 Prozent bzw. 11,3 Prozent Monatsgewinn sind eben auch eine ordentliche Hausnummer. Auch die knapp sechs Prozent Plus bei Apple waren keine Selbstverständlichkeit, denn wegen der Disruption der globalen Lieferketten wird der Konzern aus Cupertino zunächst weniger iPhones anbieten können als ursprünglich geplant. Und dass die Amazon-Aktie sich im Oktober trotz eines gegenüber dem Vorjahr halbierten Gewinns per saldo um fast drei Prozent verteuert hat, zeigt ebenfalls: Lieferengpässe, Personalknappheit und steigende Preise werden an der Börse als vorübergehende Phänomene wahrgenommen, die nichts an den langfristigen Perspektiven ändern.

Zumindest nicht, was die US-amerikanischen Mega-Caps angeht. Ein paar Etagen tiefer gibt’s hingegen durchaus die eine oder andere Sorgenfalte. Während die im S&P 100 zusammengefasste Hundertschaft der Konzern-Kolosse in den vergangenen sechs Monaten knapp 12 Prozent zugelegt hat, tritt das Nebenwerte-Barometer Russell 2000 auf der Stelle. Und auch auf der anderen Seite des Atlantiks ist man lange nicht so optimistisch wie in New York City: Die europäischen Indices sind auf Zwölf-Monats-Sicht gleichauf mit S&P 500 und Nasdaq 100, bleiben jedoch im Oktober mehr oder weniger deutlich zurück. Dax und MDax hinken sogar auf Jahresbasis hinterher.



Der Anleihen-Markt schläft nicht – auch wenn’s so aussieht

Kaum Bewegung gibt es derweil bei Anleihen. Trotz weiter anziehender Inflationsraten sind die zehnjährigen US-Renditen bislang nicht in Reichweite der April-Hochs bei 1,75 Prozent gekommen. Bei deutschen Bundesanleihen derselben Laufzeitklasse steht weiterhin ein Minus vor der Rendite. Das langsame Zurückfahren der Anleihekäufe ist also eingepreist; gleichzeitig scheint niemand von substanziell steigenden Zinsen auszugehen. Bezeichnend ist allerdings, in welchem Maß sich Unternehmen mit vergleichsweise günstigem Kapital vollsaugen können. Nach Berechnungen von Bloomberg haben in diesem Jahr 85 US-Unternehmen erstmals den Markt für High Yield-Bonds angezapft – zuletzt unter anderem der Spieleentwickler Roblox, der für achteinhalb Jahre rund eine Milliarde Dollar zu einem Kupon von 3,875 Prozent p.a. erhalten hat. Frei nach Warren Buffett, der schon in seinem Aktionärsbrief 2010 schrieb: „When it’s raining gold, reach for a bucket, not a thimble.“


Gold glänzt nur digital

A propos Gold: Während die Schlagzeilen (nicht nur) des Boulevards über steigende Preise und sinkende Realzinsen jammern, erlebt ausgerechnet das gelbe Edelmetall nicht gerade einen goldenen Herbst. Zwar ging es im Oktober für die Feinunze auf Euro-Basis um knapp zwei Prozent nach oben. Gemessen an der medialen Präsenz der Inflationsangst ist das indes ziemlich mickrig, zumal für die letzten zwölf Monate unter dem Strich 4,4 Prozent Minus stehen. Also steht es doch nicht so schlimm um die Geldwertstabilität? Das wissen wir, wie immer, erst hinterher. Aber wer sein Portfolio für ein inflationäres Szenario rüsten will, kann sowohl bei Gold als auch bei Goldminen-Aktien zugreifen. Eine „Angst-Prämie“ ist bislang nicht wirklich eingepreist.

Doch vielleicht stecken die Werte, die früher in Gold gewandert wären, ja inzwischen in Bitcoin!? Das Narrativ vom „digitalen Wertspeicher“ erfreut sich anhaltender Beliebtheit und nachdem die US-Börsenaufsicht SEC nun endlich den ersten Bitcoin-ETF zugelassen hat, ist viel Geld in die Kryptowährung geflossen: 40 Prozent Plus zum Euro allein im Oktober kommen nicht von ungefähr. Dabei bildet das neue, unter dem Kürzel BITO handelbare Produkt anders als die hierzulande etwa von 21shares lancierten Exchange Traded Notes gar nicht den Bitcoin-Preis ab, sondern bezieht sich auf die an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelten Bitcoin-Futures – und die werden derzeit mit zunehmender Laufzeit immer teurer, was beim regelmäßigen Rollen der Kontrakte unweigerlich zu Verlusten führt.



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