Indexmonitor September und drittes Quartal 2021: Indien ist das neue China
3 Min.
05.10.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor September und drittes Quartal 2021: Indien ist das neue China

Evergrande, eine aktivistische und sozialistische Regierung und ein angeknackstes Vertrauen der Investoren: China hat es derzeit nicht leicht. Warum Indien der legitime Nachfolger sein könnte, steht im zweiten Teil des Indexmonitors für den September und das dritte Quartal von CAPinside-Experte Christian W. Röhl.

Auch wenn der Abwärtsdruck in China in den letzten Wochen etwas nachgelassen hat, mit einem Drei-Monats-Minus von mehr als acht Prozent (gemessen am S&P 500 China) haben chinesische Aktien den gesamten Schwellenländer-Sektor in die roten Zahlen gedrückt. Knapp sechs Prozent hat der MSCI Emerging Markets Index seit Anfang Juli abgegeben, der erste Quartalsverlust seit dem Corona-Crash – und kurzfristig wenig Hoffnung auf Besserung, nachdem Präsident Xi wiederholt signalisiert hat, dass die Kommunistische Partei sogar ein zeitweilig sinkendes Wirtschaftswachstum in Kauf nimmt, um ihre regulatorischen Ziele zu erreichen.

Wesentlich mehr Freude haben Investoren derzeit in Indien, wo einige volumenstarke Börsengänge den gesamten Aktienmarkt zu stimulieren scheinen. Als (neben Mexiko) einziger großer Schwellenländer-Index kann der MSCI India auf Euro-Basis das sechste Quartal in Folge mit steigenden Notierungen glänzen – weshalb das Gewicht des Subkontinents im MSCI Emerging Markets Index nun immerhin bei 12% liegt, auf Augenhöhe mit Südkorea und Taiwan. Nicht einmal ein Drittel davon erreicht eine andere Börse, die gerade von Investoren wiederentdeckt wird: Russland profitiert von steigenden Energiepreisen und ist nun auf Drei-Jahres-Sicht mit 63% Plus der bestperformende Schwellenmarkt.


Brasiliens Absturz setzt sich fort

Einen erneuten Absturz erlebt dagegen Brasilien, wo gleich mehrere Faktoren zusammenkommen: Erstens schlägt der Preisrutsch bei Industriemetallen voll auf den MSCI Brazil durch, denn Index-Schwergewicht ist der Bergbau-Riese Vale, dessen Kurs seit dem Hoch Ende Juli um rund ein Drittel abgesackt ist. Zweitens leidet das Land unter einer extremen Dürre und dramatischen Ernteausfällen bei Organgensaft, Soja, Zucker und Kaffee – alles wichtige Exportgüter. Und drittens ist die Inflation mittlerweile in den zweistelligen Bereich gestiegen, was nicht nur für sozialen Sprengstoff sorgt, sondern auch die Zentralbank zu einer überraschenden Zinserhöhung veranlasst hat. Aus Investorensicht muss man da fast froh sein, dass brasilianische Aktien im MSCI Emerging Markets Index bloß einen dreiprozentigen Anteil haben. Vor zehn Jahren war die Börse Sao Paulo in dem Schwellenländer-Barometer noch mit rund 15% Gewicht vertreten.


Japan lockt Value-Investoren

Auch bei den etablierten Ländern sticht Asien positiv hervor, nämlich in Gestalt Japans. Nachdem das Inselreich seit der Pandemie deutlich hinter den USA und Europa zurückgeblieben war, ist der MSCI Japan nun im dritten Quartal gegen den globalen Trend um mehr als sieben Prozent durchgestartet. Dazu beigetragen hat neben den seit Ende August rasant gesunkenen Corona-Infektionen auch die Politik: Der immens unbeliebte, zeitweise überfordert wirkende Ministerpräsident Yoshihide Suga ist nach nur einem Jahr zurückgetreten und von den regierenden Liberaldemokraten durch Ex-Außenminister Fumio Kishida ersetzt worden. Realpolitisch dürfte sich dadurch nicht viel ändern, aber das Sentiment wird besser – was für die Börse ja nicht unwichtig ist. Und mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 15 könnte der MSCI Japan nun durchaus wieder verstärkt Value-Investoren anlocken.

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Faktoren auf Drei-Jahres-Sicht enttäuschend

Global gesehen sind die Value-Jünger derweil noch immer Performance-Schlusslicht. Für die letzten drei Jahre stehen in Euro nicht einmal 14% Plus zu Buche, während der MSCI World 45% zugelegt hat – und im abgelaufenen Quartal hat sich der Abstand wieder ein bisschen vergrößert. Umgekehrt sieht es bei der Momentum-Strategie aus, die sowohl von Juli bis September als auch im Drei-Jahres-Vergleich die Nase vorn hat. Der simple Trendfolge-Ansatz, einfach die in den vergangenen sechs bzw. zwölf Monaten am stärksten gestiegenen Aktien zu allokieren, hat sich also durchaus bewährt.

Gleichwohl bleibt im Hinblick auf die MSCI-Faktoren festzuhalten: So richtig rosig sieht die mittelfristige Performance nicht aus. Der MSCI World hat über drei Jahre in Euro 45% zugelegt – und nur zwei Faktoren, nämlich Momentum (+51%) und Qualität (+48%) haben leicht besser abschnitten, während die übrigen drei deutlich schlechter gelaufen sind.


Öl und Finanzen holen auf

Bei den Sektoren herrscht traditionell eine deutlich höhere Dispersion – und es gibt tatsächlich eine Branche, die in den letzten drei Jahren gegen den allgemeinen Markttrend Geld vernichtet hat: Energie-Aktien liegen per saldo 20% hinten, haben allerdings in den vergangenen vier Quartalen analog zum steigenden Ölpreis kräftig aufholen können. Diese Korrelation gilt natürlich in beide Richtungen, wobei Öl-Aktien wie Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, Total, BP oder ConocoPhillips (die zusammen rund die Hälfte des MSCI World Energy Index ausmachen) auf jeden Fall einen Vorteil gegenüber Öl-Zertifikaten haben: Regelmäßige und durchaus üppige Dividenden.

Ebenfalls stark präsentieren sich wie schon in den drei Quartalen zuvor die Finanzwerte. Auch hier spielen Dividenden eine Rolle, nachdem die Aufsichtsbehörden die 2020 verhängten Corona-Moratorien weitgehend aufgehoben haben und die Kreditausfälle infolge der Pandemie lange nicht so gravierend sind wie befürchtet. Dazu ist der Sektor populär als Hedge gegen einen möglichen Zinsanstieg.

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