Indexmonitor September und drittes Quartal 2021: Wie wird aus der Atempause eine Korrektur?
1 Min.
04.10.2021
Christian W. Röhl
Investor | Autor | SpeakerNachricht senden

Indexmonitor September und drittes Quartal 2021: Wie wird aus der Atempause eine Korrektur?

Wer hätte das gedacht: Aktien können doch noch fallen! Der September hat seinem miesen Ruf jedenfalls alle Ehre gemacht und den meisten Börsen Verluste eingebrockt. Der Indexmonitor für den September und das dritte Quartal von CAPinside-Experte Christian W. Röhl.

Der S&P 500 hat in Euro 2,8 Prozent verloren, der im Monatsverlauf auf 40 Werte aufgestockte DAX ist um 3,6 Prozent eingeknickt und für den MDAX ging es sogar um 4,4 Prozent nach unten – nachdem das Frankfurter Mid-Cap-Barometer zuvor allerdings zehn Monate in Serie gestiegen war. Und dank der starken Performance im Juli und August schließt der MDAX das dritte Quartal trotz des frühherbstlichen Rücksetzers auf grünem Terrain ab.

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Für eine Korrektur fehlt bislang der Katalysator

Auch dem MSCI EMU, dem S&P 500, dem Nasdaq 100 und dem MSCI World Small Cap gelingt das sechste Gewinnquartal in Folge. Nach dieser Klettertour mit Gewinnen zwischen 40 und 80 Prozent hätten sich die Aktienkurse eigentlich mehr als nur eine kurze Atempause verdient. Doch selbst für eine gesunde Korrektur braucht es einen Katalysator – und sowohl die Schieflage des hochverschuldeten chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande als auch der Budgetstreit in den USA wurden an den Märkten bislang schnell abgeschüttelt.

Damit rücken nun die kräftig gestiegenen Energiepreise in den Vordergrund. Und dann sind da ja auch noch die gestörten Lieferketten: Zahlreiche Unternehmen klagen über Nachschubprobleme infolge von Materialknappheit oder pandemiebedingten Fabrikschließungen. Der Sportartikelhersteller Nike hat deshalb bereits seine Umsatzprognose nach unten revidiert, der CFO des Industrie-Giganten 3M gab sich auf einer Morgan Stanley-Konferenz ebenfalls ungewohnt pessimistisch und in der Autobranche stehen inzwischen wegen fehlender Halbleiter sogar manche Bänder still.

Gut möglich also, dass die Mitte Oktober beginnende Berichtssaison gerade bei den Ausblicken einige böse Überraschungen bereithält, die dann auf die Aktienkurse durchschlagen – zumal nicht wirklich eine Angstprämie eingepreist ist. Der aus den Optionspreisen an der Chicago Board of Trade abgeleitete Volatilitätsindex VIX, sozusagen das Nervenbarometer der Wall Street, oszilliert um 20 und liegt damit deutlich unter den im vergangenen Oktober (40), Januar (37) oder Mai (28) erreichten Spitzen.


Das Beste kommt noch!?

Ein Grund dafür könnte die Saisonalität sein. Das jetzt beginnende vierte Quartal ist schließlich traditionell die beste Börsenzeit des Jahres. Zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember hat der S&P 500 seit 1958 im Schnitt rund vier Prozent zugelegt – und in 49 von 63 Jahren war die Performance positiv, wohingegen die übrigen Quartale nur in 40 bzw. 41 Jahren ein Pluszeichen hatten. Zu Risiken und Nebenwirkungen der Anwendbarkeit langfristiger empirischer Beobachtungen auf kurzfristige Anlageentscheidungen sei indes auf den legendären Bundesliga-Kommentator Werner Hansch verwiesen: „Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese. Aber hier spielt gar kein Chinese mit.“

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