Indien's Wirtschaft und Aktienmarkt

Indien ist mit 1,34 Milliarden Einwohner der zweitgrößte Markt der Welt und kann deshalb als schlafender Riese bezeichnet werden.

Indien ist mit 1,34 Milliarden Einwohner der zweitgrößte Markt der Welt und kann deshalb als schlafender Riese bezeichnet werden. Laut der Meinung des HSBC-Fondsmanagers Nilang Mehta steht Indien nun kurz vor dem Durchbruch, sodass stärkere Bewegungen beim Wirtschaftswachstum und den Aktienmärkten zu erwarten sind.

Indien – ein schlafender Riese

Indien ist hinter China der zweitgrößte Markt der Welt, wobei die Volkswirtschaft des Landes lediglich auf dem siebten Platz rangiert und hinter Deutschland, Frankreich und Großbritannien liegt. Basierend auf der Analyse eines Fondsmanagers des HSBC Indian Equity Funds wird sich dieses Bild allerdings innerhalb der nächsten zehn Jahre fundamental verändern. Das Land wird laut den Prognosen nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, sondern auch die drittgrößte Volkswirtschaft. Während die derzeitig stärksten Volkswirtschaften einen starken Alterungsprozess erleben, zeichnet sich die indische Wirtschaft durch eine anhaltende Verjüngung aus. Bis zum Jahr 2028 wird die erwerbstätige Bevölkerung um weitere 20 Prozent zunehmen. Aus dieser Ausgangslage ergeben sich somit Herausforderungen aber auch Chancen.

In der Vergangenheit wurde bereits mehrfach erwartet, dass die indische Volkswirtschaft durchstarte. Allerdings erlebt das Land viele Fehlstarts, wobei die Regierung Modi eine gute Grundlage für die Zukunft geschaffen hat.

Etablierung einer neuen Insolvenzrechtsreform

Eine diese Grundlagen ist die neue Insolvenzgesetzgebung. Ziel dieser neuen Gesetzgebung ist die Rettung der maroden Bankenbranche, die vor allem unter den hohen Anteil der ausfallgefährdeten Kredite leidet. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Abwicklung von Insolvenzverfahren besonders langwierig, sodass Banken keine Chance haben die Bilanzen entsprechend zu bereinigen. Durch die Neuerung soll die Belastung auf indische Banken verringert und der Kreditzyklus angepasst werden. Laut der HSBC-Analyse sind insbesondere Banken mit Geschäftskunden besonders attraktiv bewertet.

Kampf gegen die Schattenwirtschaft

Die indische Regierung setzt zudem auf höhere Infrastrukturausgaben, die dabei helfen sollen, die Schattenwirtschaft des Landes in eine legale Wirtschaft zu transformieren. Die Schattenwirtschaft in Indien ist zum aktuellen Zeitpunkt riesig, sodass ein Großteil der Umsätze am Fiskus vorbeigeführt werden. So soll der offizielle Anteil im Einzelhandel lediglich bei neun Prozent liegen.

Die Regierung setzt auf unterschiedliche Maßnahmen, die diesen Übergang beschleunigen sollen. Als großer Schritt kann zum Beispiel die Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer bezeichnet werden, denn Indien ist wie die EU. Das Land besteht aus 29 Bundesstaaten, die jeweils eigene Gesetze und Besteuerungsverfahren besitzen. Zudem werden neue gesetzliche Grundlagen zur Rechnungsstellung etabliert und eine Verpflichtung zum Führen von Ausweispapieren. Um das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen, soll zudem eine Senkung der Steuersätze vorgenommen werden.

Die nachhaltige Veränderung des Landes kann nicht binnen weniger Jahre erzielt werden, vielmehr handelt es sich um ein langfristiges Ziel. So wird beispielsweise erwartet, dass der Anteil der offiziellen Transaktionen im Einzelhandel innerhalb der nächsten Jahre auf 20 bis 25 Prozent ansteigt. Diese Entwicklung soll auch dazu beitragen, dass Einzelhandelsaktien innerhalb der nächsten Jahre ein starkes Wachstum verzeichnen. Der Fokus liegt dabei auf Aktien des Verbrauchsgütersektors.

Die Performance verschiedener Indien-Fonds

Schlussendlich muss ein genauerer Blick auf die Performance der Indien-Fonds geworfen werden, an denen der HSBC-Fonds beteiligt ist. In einem Betrachtungszeitraum von 10 Jahren war die Performance der verschiedenen Indizes eher durchwachsen. In einem Zeitraum von fünf Jahren sieht die Performance auch nicht viel besser aus, sodass der globale Aufschwung deutlich an den Aktien indischer Unternehmen vorbeigezogen ist.

Der HSBC-Fonds konnte sich zudem nur am unteren Ende der betrachteten Fonds etablieren. Lediglich in den vergangenen zwei Jahren konnte der Fonds die Schlussplätze verlassen. Der Fonds hat sich auf zyklische Werte spezialisiert, da diese besonders günstig bewertet waren. Aufgrund des Aufschwungs bieten diese nun eine bessere Performance. Die Nebenwerte wurden zudem kaum im Portfolio des Fonds berücksichtigt, obwohl diese eine starke Performance verzeichnen konnten. Bei einer weiteren positiven Marktentwicklung erwarten die Manager des HSBC-Fonds, dass weiterhin ein positiver Anstieg des Fonds realisiert werden kann. Neben der HSBC erwarten auch weitere Banken, dass der Markt kurz vor dem Durchbruch stehe und bald ein starkes Wachstum verzeichnen könne.