Innovation: Deutschland liegt vorn

Eigentlich sehen die Deutschen ihren eigenen Erfindungsreichtum eher pessimistisch. Zwar konnte das Land viele großartige Erfinder hervorbringen, jedoch mangelt es oft daran, Ideen und Konzepte in erfolgreiche Unternehmen und Projekte umzuwandeln. Außerdem sind die Deutschen weniger risikobereit und flexibel als andere Nationen. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) kommt jedoch zu einem anderen Schluss. Nach dieser Studie ist Deutschland zurzeit das innovativste Land der Welt.

Bei der Studie des Weltwirtschaftsforums geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der Länder. Die Innovationsfähigkeit ist dabei nur eines von mehreren Rankingfaktoren. Beim Thema Innovationen liegt Deutschland noch vor den USA (Platz 2) und der Schweiz (Platz 3). Für das gute Abschneiden gibt es mehrere Gründe. Vor allem lobte das WEF die hervorragenden Forschungsinstitute und die Cluster, also die Netzwerke aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen, welche sich auf bestimmte Technologien spezialisiert haben. Auch sei die betriebliche Mitbestimmung durch die Stakeholder löblich. Mitverantwortlich für den Platz 1 sind ebenfalls die hohe Zahl der deutschen Patente und der wissenschaftlichen Publikationen. Auch der gute Ruf deutscher Produkte spielt mit hinein.

Bei Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 3

Was die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit anbelangt, schafft es Deutschland nur auf Platz 3. Auf dem ersten Platz befinden sich die Vereinigten Staaten, auf dem zweiten Platz Singapur. Hinter Deutschland liegen die Schweiz, Japan und die Niederlanden. Die Innovationsfähigkeit allein reicht nicht aus, um es auf den ersten Platz zu schaffen. Andere Kriterien umfassen die Stärke des Finanzsystems, die Infrastruktur, Bildung und das Gesundheitswesen. Es war gerade das Finanzsystem, die Unternehmenskultur und der Arbeitsmarkt, welche die USA auf den ersten Platz verhalfen. China befindet sich auf dem Platz 28. Die drei hintersten Ränge belegen Haiti, Jemen und Tschad. Insgesamt wurden 140 Staaten untersucht.

Neue Kriterien dank Digitalisierung

Letztes Jahr schaffte es Deutschland auf Platz 5 der Wettbewerbsfähigkeit. In der Zwischenzeit hatte das WEF seine Bewertungsmethoden verändert. Dadurch lässt sich das Ranking aus dem Vorjahr mit dem diesjährigen nicht vergleichen. Die Digitalisierung und der technologische Wandel stehen im Fokus des WEF, wie es vor allem auf der exklusiven Jahreskonferenz in Davos deutlich wurde. Die Faktoren wurden so geändert, dass die Industrie 4.0 und die Digitalisierung deutlicher ins Gewicht fallen.

Gefahren für die Zukunft

Bei der Erstellung des Rankings wurden Daten aus dem vergangenen Jahr herangezogen. Dadurch sind die jüngsten Handelsstreitigkeiten und Faktoren wie der schwelende Populismus in Europa noch nicht einberechnet. Die besseren Technologien werden über bestimmte Schwächen wenig hinweg helfen können. Dazu gehören etwa eine schlechte Regierung und die Korruption. Auch der Zusammenbruch des sozialen Gefüges mancher Länder und Einschnitte in die Pressefreiheit können sich in Zukunft negativ auf das Ranking auswirken. Laut dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, könnte es auch zu einer Spaltung der Welt kommen. Der Spalt verläuft zwischen Ländern, welche die Hürden der Digitalisierung meistern können und jenen, die das nicht schaffen. Schwab plädiert für offene Märkte und dafür, die Verlierer der Globalisierung besser zu unterstützen.

 


Die Studie zur Wettbewerbsfähigkeit des Weltwirtschaftsforum (WEF) finden Sie hier.