Innovativ, innovativer, Biotech

Der medizinische Fortschritt schreitet rasant voran. Immer mehr Krankheiten, die als unheilbar galten, können inzwischen behandelt werden. Dahinter stecken zumeist Biotechnologie-Unternehmen. Deren Beimischung kann für Anleger deshalb hoch profitabel sein.

Wer vor zehn Jahren in den Nasdaq Biotechtechnologie Index investierte, kann sich über satte Gewinne freuen. Rund 380 Prozent Plus weist der Index seit damals auf. Da erscheint selbst der ordentliche Zuwachs des US-Leitindex S&P 500 als vergleichsweise bescheiden. Der nämlich legte gerade einmal 200 Prozent zu.

Welche Chancen im Biotech-Bereich liegen, zeigen auch einige Firmenbeispiele, wie das von Juno Therapeutics, einem der führenden Unternehmen im Bereich der so genannten CAR-T-Therapie, die beispielsweise bei Blutkrebs angewendet wird. Bei dieser Krankheit ist die normale Blutbildung durch die unkontrollierte Vermehrung bösartiger Blutzellen gestört. Das Blut ist damit nicht mehr in der Lage, seine lebensnotwendigen Aufgaben zu erfüllen. Die Chancen zu überleben, sind denkbar gering.

„Mit der CAR-T-Therapie, also genetisch modifizierten Immunzellen, ist es heute aber möglich, das Überleben von Blutkrebspatienten deutlich zu verlängern“, sagt Mario Linimeier, Geschäftsführer von Medical Strategy. „In 50 bis 100 Prozent der Fälle, in denen Blutkrebspatienten, die keine Überlebenschance hatten, einer CAR-T-Therapie unterzogen wurden, haben sich die Krebszellen zurückgebildet.“ So weit, dass sie mit den derzeitigen diagnostischen Verfahren nicht mehr nachweisbar waren. Die Patienten haben so zum Teil etliche Jahre an Lebenszeit gewonnen.

 

Milliardenschwere Übernahmen

Das weckt gerade bei den großen Pharmakonzernen Begehrlichkeiten. Anfang dieses Jahres wurde Juno Therapeutics von Celgene übernommen – für 9 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Emissionspreis beim Börsengang war das ein Anstieg um das 34fache. Für den Juno-Konkurrenten Kite Pharma legte Gilead Sciences 12 Mrd. Dollar auf den Tisch.  Der Wert beim Börsengang Mitte 2014 betrug etwa 630 Millionen Dollar.

Das sind Beispiele, die einerseits deutlich machen, welches Potenzial in Biotech-Beteiligungen steckt. Die andererseits aber auch aufzeigen, warum Biotechnologieaktien nach einer langen Durststrecke zwischen dem Platzen der New-Economy-Blase und etwa 2011, derzeit besonders attraktiv sind. Denn immer mehr so genannte Blockbuster-Produkte kommen von Biotech-Firmen. „In der Tat sehen wir derzeit sehr viele spannende Ansätze wie Checkpoint-Inhibitoren, eine Krebsimmuntherapie, oder die Gentherapie, die 2017 ihren Durchbruch schaffte, aus denen in den kommenden Jahren Blockbuster-Präparate hervorgehen könnten“, sagt Linimeier.

Heute sind sechs der zehn weltweit umsatzstärksten Arzneimittel Biotechnologie-Medikamente. Eines davon ist auch die Nummer 1, nämlich der Entzündungshemmer Humira. Allein im Jahr 2017 lag der Umsatz der Firma AbbVie, die das Mittel vertreibt, bei 18,4 Mrd. Dollar. Neben der Innovationsstärke der Unternehmen spielt der Biotechbranche noch etwas anders in die Karten: Die zunehmende Alterung der Bevölkerung, die zu einer steigenden Nachfrage nach innovativen medizinischen Lösungen führt. Ein Beispiel dafür ist Alzheimer, worunter rund 5,7 Millionen Amerikaner leiden und das jährliche Kosten von rund 250 Mrd. Dollar verursacht. Und in der Tat arbeitet die Biotech-Branche daran, auch gegen diese Krankheit ein Mittel zu entwickeln.

 

Risiken nicht außer Acht lassen

Zwar bietet ein Investment in diesen Bereich enorme Chancen, ganz vergessen sollten Anleger aber auch die Risiken nicht. Zum einen gilt es den Gesetzgeber und die Regulatorik zu berücksichtigen. Schließlich gibt es von politischer Seite – gerade auch in den USA – immer wieder Bestrebungen, Arzneimittelpreise zu regulieren, was die Kurse ebenfalls drücken kann. Zum anderen schaffen es längst nicht alle Biotech-Firmen, sich mit ihren Produkten durchzusetzen. Entscheidend sind dabei nämlich die in drei Phasen ablaufenden medizinischen Tests, die jedes Medikament erfolgreich durchlaufen muss, bevor es die Marktzulassung erhält.

Deutet sich hier ein Erfolg an, dann kann es sehr schnell gehen, wie das Beispiel der Firma Sarepta Therapeutics zeigt. Mitte Juni dieses Jahres veröffentlichte sie vorläufige Ergebnisse eines Mittels gegen tödliche Muskeldystrophie, die die Erwartungen übertrafen. Die Aktie schoss daraufhin in wenigen Minuten von 90 auf 140 Euro in die Höhe. Schließlich kann das Umsatzpotenzial eines erfolgreichen Produkts eine Firma in ganz neue Sphären heben, wie das Beispiel Humira zeigt.

Aber es kann eben auch in die andere Richtung laufen, wie im Fall der US-Firma Incyte Pharma. Sie musste in Folge einer gescheiterten Studie einen Kursverlust von rund 20 Prozent in nur einem Tag hinnehmen. „Insgesamt, so eine Faustregel, schaffen es zehn Prozent der Produkte, die in die klinische Testphase kommen, an den Markt“, warnt auch Linimeier. Bedenken müssen Anleger zudem, dass es zur Beurteilung der Unternehmen nicht nur betriebswirtschaftliches, sondern vor allem auch viel medizinisches Know-how braucht. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, über einen aktiv gemanagten Fonds, bei dem das Management nachweislich über medizinisches und Finanz-Know-how verfügt, breit gestreut zu investieren.