Investieren in den tiefgreifenden Wandel

Um mit Themenfonds Geld zu verdienen, ist ein langer Atem notwendig. Die Produkte setzen verstärkt auf Zukunftsthemen wie Smart Cities oder auch Robotik und Industrie 4.0. Das birgt große Zukunftschancen, aber eben auch Klumpenrisiken.

Für viele Anleger sind Fonds weiterhin das erste Mittel der Wahl. Sie verfügen meist über eine recht verständliche Anlagestruktur, die Kosten sind klar definiert und die wesentlichen Kennziffern werden ebenfalls in der Regel sauber herausgestellt. Und: Die Anleger können durch Fonds breit sehr breit diversifizieren, indem sie das große Anlageuniversum der Fonds nutzen. Aktien, Renten, Alternatives, Geldmarkt, Mischfonds: Die Möglichkeiten sind breit gefächert, ob über Assetklassen oder Regionen hinweg.

Oder eben bestimmte Themen. Fonds, die sich auf bestimmte Branchen oder Trends fokussieren, gewinnen stark an Bedeutung. Zwar sind die genauen Assets under Management nicht bekannt. Aber wenn man sich bestimmte Fonds anschaut, wird schnell klar, dass es sich dabei nicht um ein Nischenprodukt handelt. So hat beispielsweise der Themenfonds Pictet-Robotics ein Fondsvolumen von 3,5 Milliarden Euro entwickelt (seit 2015).

„Robotics“ ist generell ein wichtiges Stichwort. Denn viele Themenfonds befassen sich dezidiert mit Zukunftsthemen. Um zunächst beim Fonds der Schweizer Gesellschaft zu bleiben: Die Wachstumsaussichten für die Umsätze in der Robotik sind enorm. Von 2015 bis 2020 liegen sie Schätzungen zufolge bei jährlich über 30 Prozent. Denn Automation ist das zentrale Stichwort in der Industrie 4.0. Das bezeichnet die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie, um eine höhere Effizienz in der Produktion herzustellen.

Eine PwC Strategy&-Studie zeigt: Bis 2023 sind allein auf dem deutschen Markt Umsatzzuwächse durch Industrie 4.0 in Höhe von rund 276 Milliarden Euro (+16,7 Prozent) sowie Effizienzsteigerungen von ca. 186 Milliarden Euro (+13,4 Prozent) möglich. Während digitale beziehungsweise digital erweiterte Produkte und Services aktuell 16 Prozent des Umsatzes deutscher Unternehmen ausmachen, steigt dieser Anteil in den kommenden fünf Jahren auf durchschnittlich 22 Prozent an, bei digitalen Vorreitern im globalen Vergleich sogar auf über 50 Prozent.

Diese Entwicklung zeigen eben auch gut gemanagte Robotics-Fonds. So hat beispielsweise der AXA WF Framlington Robotech F Capitalisation in nicht einmal zwei Jahren seit Auflage mehr als 30 Prozent Prozent Wertzuwachs erzielt. Auch das Megathema Smart City, also die „intelligente“ Weiterentwicklung von urbanen Räumen, lässt sich in einem Themenfonds gut umsetzen. Der Pictet-SmartCity zum Beispiel legt hauptsächlich in Aktien von Unternehmen (Mobilität, Transport, Infrastruktur, Immobilien, nachhaltiges Ressourcen-Management etc.), die einen Beitrag zum weltweiten Urbanisierungstrend leisten oder davon profitieren. Mit Erfolg: In fünf Jahren hat der Fonds knapp 25 Prozent gewonnen.

Themenfonds sind insbesondere für Anleger spannend, die eine hohe Affinität zu bestimmten Segmenten oder Entwicklungen legen. Das hat zum Beispiel die Nachhaltigkeit gezeigt. Aus dem Trend ist eine breite Bewegung geworden, die mittlerweile sämtliche Wirtschaftsbereiche und so gut wie alle Gesellschaftsgruppen berührt. Dementsprechend erfolgreich sind Nachhaltigkeitsfonds. Zum Ende des dritten Quartals 2017 steckten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengenommen rund 90 Milliarden Euro in nachhaltigen Publikumsfonds, zeigt eine Auswertung des Sustainable Business Institutes (SBI). Das war dreimal so viel wie im dritten Quartal 2007.

Ein Beispiel für einen neuen Nachhaltigkeits-Fonds: Der CPR Invest – Food for Generations der Amundi-Tochter CPR Asset Management setzt auf nachhaltige Ernährung und investiert hauptsächlich in internationale Aktien der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.

Zugleich warnt Markus Brochenberger, Vorstand der deutschlandweit tätigen Finanzdienstleistungsgruppe compexx Finanz AG, davor, Themenfonds für Anleger als das allein Seligmachende anzusehen. „Gewiss ist der starke Fokus der Fonds für viele Anleger interessant, weil sie durch das Fondsinvestment ihren persönlichen Neigungen nachgehen können. Das ist in der Regel ja sonst nur in der individuellen Portfolioverwaltung möglich. Aber zugleich bergen Themenfonds letztlich die gleichen Risiken wie andere Produkte auch – zumal sie zusätzlich noch enormen Klumpenrisiken unterliegen können.“

Sowohl Berater als auch Kunden müssten sich laut Markus Brochenberger die Produkte genau anschauen und vor allem den entsprechenden Markt detailliert auf dessen Substanz und die Zukunftsaussichten analysieren. Er nennt dabei das Negativbeispiel der Logistik-Fonds, einer frühen Ausprägung von Themenfonds. Diese wurden vor allem Anfang des Jahrtausends emittiert und setzten auf Aktien von Logistikdienstleistern, die wiederum vom damals stark wachsenden E-Commerce profitieren sollten. „Der schärfere Wettbewerb führte allerdings zu sinkenden Preisen und damit auch zu zurückgehenden Gewinnen der Logistikunternehmen. Die Aktien liefen entsprechend schlecht, die Fonds lieferten zu keiner Zeit die erhofften Renditen und verschwanden letztlich genauso schnell, wie sie zuvor erschienen waren“, erinnert der compexx-Vorstand.

Für ihn sind Themenfonds in erster Linie als Beimischung zu einem breit aufgestellten Portfolio geeignet, um von einem Spezialkonzept zu profitieren. Sie seien aber nicht dafür geeignet, einen klassischen Investmentfonds zu ersetzen, der beispielsweise als Multi Asset-Fonds schon aus sich heraus diversifiziere und damit negative Marktphasen der einen Anlageklasse durch eine gute Marktphase der anderen ausgleiche könne. „Und vor allem sind Themenfonds keine Produkte fürs schnelle Geld. Industrie 4.0, Smart City, Demografie und Co. richten sich auf die Zukunft aus und stehen für einen tiefgreifenden Wandel. Dafür braucht der Anleger einen langen Atem.“

 



Die PwC Strategy&-Studie finden Sie hier.