Investoren pumpen Rekordmengen in den Biotech-Sektor

Geht es um den Biotech-Sektor, so sind amerikanische Investoren seit geraumer Zeit schon bereit, wahre Rekordmengen an Risikokapital fließen zu lassen. Nun ziehen auch die Aktienkurse wieder an. Die Branche überzeugt zu 100 Prozent. Doch was sind die Gründe?

Rund 170 Millionen Euro hat das deutsche Biotechunternehmen „Morphosys“ durch den Nasdaq-Börsengang bekommen. Noch nie war ein in den USA erfolgter Börsengang eines deutschen Biotechunternehmens so erfolgreich. Blickt man auf die Cash-Reserven, die vor dem Börsengang bei über 200 Millionen Euro lagen, so kann der finanzielle Aspekt bei der Entscheidung aber kaum eine wesentliche Rolle gespielt haben. Dennoch heißt das noch lange nicht, dass man sich nicht über das Geld der Investoren freut, die freigiebiger denn je agieren. Seit geraumer Zeit überschütten die Risikokapitalgeber die Branche mit Geld. Letztes Jahr waren es 9 Milliarden US-Dollar; 2018 soll die Summe - so die aktuellen Prognosen - getoppt werden.

 

Auch Aktionäre dürfen sich freuen

Der Geldsegen der Investoren ist für die gesamte Biotechszene natürlich ein extrem positives Zeichen. „Sieht man sich die wissenschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre an, so weiß man, dass sich dahinter eine Menge Substanz befindet“, so Christian Koch von der Beteiligungsgesellschaft „BB Biotech“. Zudem entfiel ein wesentlicher Teil der investierten Summe auf Folgefinanzierungen - ein Beweis, dass die Unternehmen also sehr wohl auch messbare Fortschritte erzielen. Fortschritte, die auch die Aktionäre zu spüren bekommen: Viele Firmen erhöhten die Gewinnziele - auch eine Fülle an Studiendaten und Zulassungsentscheidungen stehe nun bevor. Geht man nach den Prognosen der Analysten, so werden vor allem bald die Investoren aus dem Techsektor-Bereich, der durchaus schon überhitzt ist, demnächst in den Biotech-Bereich wechseln. Nur in den letzten drei Monaten konnte der Nasdaq Biotech Index um über 12 Prozent nach oben klettern.

 

FDA will neue Technologien unterstützen

Auch die Angst, dass in den USA demnächst für die Medikamente Preisschranken erlassen werden, ist wieder weniger geworden. Da die USA die Arzneimittelpreise bisher kaum regulieren, sind sie aktuell der wichtigste Markt für die Biopharmahersteller. Das weiß auch Präsident Donald J. Trump, der mit seinen Twitter-Attacken dafür sorgte, dass einige Pharmabetriebe freiwillig auf eine Preiserhöhung verzichteten. Mehr oder weniger ein PR-Gag - vorwiegend handelt es sich dabei nur um umsatzschwache oder ältere Pillen. Dennoch könnte man meinen, es gäbe bereits mehrere Anzeichen, Trump würde die Kostenbremse keinesfalls bei den Entwicklern der Wirkstoffe ansetzen, sondern bei den Versicherern und Zwischenhändlern. Die Preismacht ist hingegen für die innovativen Medikamente ungebrochen. So zeigte sich die FDA, die amerikanische Zulassungsbehörde, sogar bereit, neue Technologien zu unterstützen, um in weiterer Folge für einen verkürzten Entwicklungszeitraum zu sorgen.

 

Unternehmen, die auf die RNA-Technologie setzen, befinden sich schon auf der Überholspur

Natürlich spielen derartige Pläne den Biotechfirmen in die Hände. Das beste Beispiel ist Vertex Pharmaceuticals: Aktuell hat das Unternehmen eine Art Monopolstellung bei der Diagnose zystische Fibrose eingenommen - 2012 wurde erstmals ein Medikament für die Ursachenbekämpfung auf den Markt gebracht. Nachdem erste Erfolge verbucht wurden, präsentierte das Unternehmen neue Wirkstoffe und zudem auch neue Medikamentenkombinationen. Aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Menschen das Präparat verwenden können, dürfen Vertex-Aktionäre durchaus davon ausgehen, dass demnächst ein zweistelliges Erlöswachstum verbucht werden könnte. Auch Unternehmen, die auf Medikamente setzen, die auf sogenannten RNAs basieren, werden - so die Experten - wachsen. RNA ist im Körper für die Regulation und Übertragung genetischer Informationen verantwortlich. Das heißt, dass mit RNA-Medikamenten ein eleganter Weg gefunden wurde, wie man Gendefekte behandeln kann, wobei ein Eingriff in die Erbinformation nicht notwendig ist. „Natürlich hat das lange gedauert, aber jetzt wissen wir, wie man RNAs effektiv in der Therapie nutzen kann“, so Christian Koch. „Wir sind der Meinung, dass die RNA-basierten Medikamente zu einer etablierten Kategorie mutieren. Mitunter könnte dieselbe Größenordnung wie bei den therapeutischen Antikörpern erreicht werden.“ Mit Alnylam, Ionis, Akcea und Wave Live Sciences gibt es gleich mehrere börsennotierte Unternehmen, die auf die RNA-Technologie vertrauen.