Ist Gold zurück im Rausch?

Lange führte das Edelmetall ein Schattendasein, jetzt ist Gold plötzlich wieder gefragt. Der Preis der Krisenwährung hat deutlich zugelegt. Warum nur?

In der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts war Gold eines der Anlagethemen schlechthin – und auch ein lukrativer Performance-Lieferant. Der Preis kletterte und kletterte. Von rund 280 Dollar zu Jahresbeginn 2000 ging es hinauf bis auf knapp über 1.900 Dollar im Sommer 2011. Dann war die Gold-Rallye vorbei. Seit fast sechs Jahren nun schlingert der Preis fernab des einstigen Hochs in der groben Spanne von 1.200 und 1.350 Dollar – mit einigen kurzfristigen Ausreißern nach unten und oben. Gold ist für den Anleger irgendwie langweilig geworden, und die lange Zeit mantramäßig wiederholte Empfehlung „Gold gehört in jedes Portfolio“ hört man heute deutlich seltener.

Dennoch kam Gold in den vergangenen Jahren immer wieder ins Gespräch, vor allem wenn es bei den Preisen nach oben ging. Auch jetzt ist das Edelmetall zurück im Fokus. Im vergangenen Jahr gab der Goldpreis bis in den September hinein stark nach und durchbrach sogar die 1.200-Dollar-Marke. Seitdem geht es jedoch vor allem aufwärts, und die 1.350-Dollar-Marke ist in greifbare Nähe gerückt.

Zum Preisanstieg beigetragen hat die gestiegene Nachfrage nach Gold-ETFs. Für Januar meldete das World Gold Council, dass goldbesicherte ETFs und ähnliche Produkte weitere 72 Tonnen Gold kauften, was Zuflüssen von 3,1 Milliarden Dollar entspricht. Der Januar war bereits der vierte Monat in Folge mit Netto-Zuflüssen. Insgesamt liegen die ETF-Bestände nun bei 2.513 Tonnen, so hoch wie seit März 2013 nicht mehr, und damals war der Goldpreis noch rund 20 Prozent höher.

Aber warum ist Gold plötzlich gefragt? Gefahren für Konjunktur und Kapitalmärkte wie Brexit, geopolitische Spannungen oder Donald Trumps Eskapaden bestehen schließlich schon länger. Und auch wenn sich das Wachstum der Weltwirtschaft gerade etwas abschwächt und 2018 kein überwältigendes Aktienjahr war, so richtig im Krisenmodus wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase oder in der Finanzkrise sind die Märkte zurzeit nicht.

 

Zentralbanken pushen den Goldpreis

Nicht ganz unschuldig an der jüngsten Goldliebe sind die Zentralbanken, allen voran die amerikanische Fed. Während Fed-Chef Jerome Powell im vergangenen Jahr die Welt noch auf weitere US-Zinserhöhungen vorbereitete, kam im Januar dann die überraschende Kehrtwende. „Die Ankündigungen der Fed, eine Pause im Zinserhöhungszyklus einzulegen und die Bilanzreduktion zu verlangsamen, sprechen für eher niedrigere US-Treasury-Renditen und einen schwächeren US-Dollar“, so Dora Borbély, Rohstoffexpertin bei der Dekabank. Und beides kommt dem Goldpreis entgegen. Steigende Zinsen und Anleiherenditen sind natürliche Feinde von Gold, das weder Zinsen noch Dividenden zahlt, sondern Anlegern nur die reine Preisentwicklung bietet. Da höhere Zinsen erst einmal vom Tisch scheinen, gewinnt Gold relativ an Attraktivität. „Zudem erhöht ein schwächerer US-Dollar die Kaufkraft derjenigen, deren Währung gegenüber dem US-Dollar aufwertet, was sich tendenziell positiv auf die Goldnachfrage außerhalb der USA auswirkt“, so Borbély.

Doch nicht nur die Fed war dem Goldpreis zuträglich. Die Nettokäufe der Zentralbanken sind in den ersten zehn Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17 Prozent gestiegen. Neben klassischen Goldkäufern wie Russland, Kasachstan und der Türkei, sind 2018 mit den Zentralbanken aus Polen, Ungarn und Indien neue Käufer hinzugekommen. Das dürfte auch dem US-Ökonom Ken Rogoff gefallen. Seiner Ansicht nach halten die meisten Emerging Markets viel zu hohe Dollar-Reserven, die sie dringend mit mehr Goldreserven diversifizieren sollten.

 

Gut vorbereitet in die nächste Krise

Dies wäre ein Argument dafür, dass der Goldpreis Potenzial nach oben hat. Überzeugte Goldinvestoren finden eine ganze Reihe an weiteren Gründen für einen Preisanstieg. Dass die derzeitige „Rally“ nur der Anfang von etwas viel Größerem ist, darf jedoch bezweifelt werden. Die Dekabank beispielsweise hat nach der Kehrtwende der Fed zwar ihre Prognosen angehoben. Das heißt aber nicht, dass sie für 2019 mit steigenden Preisen rechnet. Erst 2020, wenn die Fed dann die Zinsen tatsächlich wieder senken würde, sieht Borbély wieder Aufwärtspotenzial. Richtigen Schub in den Goldpreis würde aber wohl nur eine richtige Krise bringen. Da solche Krisen häufig überraschend einsetzen, ist die viel beschworene kleine Portion Gold in jedem Portfolio keine schlechte Idee. Aufgrund der geringen Korrelation mit anderen Asset-Klassen hat Gold durchaus eine diversifizierende Wirkung.

Für Anleger aus dem Euroraum ist eine Wette auf Gold in der Regel mit einer Wette auf den US-Dollar verbunden – zumal eine Währungsabsicherung derzeit recht teuer ist und nicht immer sinnvoll. 2018 etwa hat der Goldpreis in Euro sogar im Gegensatz zum Goldpreis in Dollar ein Plus erzielt. Ein Investment direkt auf den Goldpreis ist in Deutschland über Exchange Traded Commodities (ETCs) möglich. Gold-ETFs gibt es hierzulande aus rechtlichen Gründen hingegen nicht. ETCs sind keine Sondervermögen wie ETFs, sondern Inhaberschuldverschreibungen. Viele dieser Produkte sind jedoch mit physischem Gold besichert. Populärstes Beispiel ist Xetra Gold der Deutschen Börse Commodities, einem Zusammenschluss aus der Deutschen Börse und fünf Banken.

 

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