IWF sieht die Stabilität der Finanzmärkte gefährdet

Der jährliche Finanzstabilitätsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der in Anschluss an die Jahrestagung auf Bali veröffentlicht wurde, warnt vor möglichen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Als Ursache der angespannten Situation werden vor allem die aktuell eskalierenden Handelskonflikte und die geopolitischen Spannungen angeführt.
Die angeführten Risiken könnten sich negativ auf die Finanzierungsbedingungen von Staaten und Unternehmen auswirken. Derzeit herrschen günstige Finanzierungskonditionen vor, was zu einem weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung führt, von dem sowohl Unternehmen als auch Verbraucher profitieren. Dem IWF zufolge gerät diese Entwicklung aber in einigen Schwellenländern aber bereits ins Stocken. Die Entwicklung der Finanzierungskonditionen in den Schwellenländern kann sich dabei auf die weltweite Finanzstabilität auswirken, so dass ein potenzielles Risiko für alle internationalen Finanzmärkte entsteht.
Der IWF schreibt der Geldpolitik eine tragende Funktion für die Börse zu. Da in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien ein Zinsanstieg bereits jetzt bemerkbar ist, ist damit zu rechnen, dass die Europäische Zentralbank im kommenden Sommer nachzieht. Es besteht die Gefahr, dass dabei Schwachstellen an den Finanzierungsmärkten aufgedeckt werden, die durch die niedrige Zinspolitik überschattet wurden.
Insgesamt bescheinigt der IWF den Bilanzen der einzelnen Banken zwar eine Verbesserung, insgesamt lassen sich aber Schwächen in China, Japan, Großbritannien und im gesamten Euroraum identifizieren. Deshalb fordern Vertreter von der Politik, dass das Finanzsystem weiterhin gestärkt werden muss.

 

Warnung vor einer Liberalisierung der Finanzmärkte

Im Zuge der Finanzkrise wurden die Finanzmärkte von den jeweiligen Regierungen stärker reguliert. Die positive Entwicklung der Weltwirtschaft und die damit einhergehende Entspannung auf den Finanzmärkten führt nun dazu, dass einzelne staatliche Akteure, wie beispielsweise die USA, überlegen, die Finanzmärkte wieder etwas liberaler zu strukturieren. Obwohl der IWF die Finanzmärkte als restabilisiert bezeichnet, warnt er ausdrücklich vor solchen Vorhaben.
Das liegt vor allem an den kursierenden Risiken, die sich einerseits aus der Weltpolitik und andererseits aus Entwicklungen wie den Immobilienpreisen in Weltstädten ergeben. So heißt es, dass die kurzfristigen Risiken zugenommen haben, während mittelfristige Risiken nach wie vor wirken.
Aus diesem Grund fordert der IWF vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer zu präventiven Maßnahmen entgegen solcher Risiken auf. So wird den betroffenen Ländern die Bildung eines finanziellen Polsters empfohlen. Auf diese Weise könnte ein Schutz vor Kapitalabflüssen in die Vereinigten Staaten realisiert werden, die durch den starken Dollar und den steigenden Zinssatz drohen.
Eine weitere Problematik sieht der IWF im Schuldenniveau außerhalb des Finanzsektors. So weisen Haushalten, Unternehmen und Staaten einen erhöhten Schuldenstand vor, der in 29 finanzstarken Sektoren das Bruttoinlandsprodukt um das Zweieinhalbfache übersteigt.
Weiterhin hat der IWF seine weltwirtschaftliche Wachstumsprognose nach unten revidiert. Statt der im April angepeilten 3,9 Prozent Wirtschaftswachstum beläuft sich die aktuelle Prognose nur noch auf 3,7 Prozent.

 


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