Jackson Hole, die FED und die Märkte – eine Woche der Wahrheit?
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23.08.2021

Jackson Hole, die FED und die Märkte – eine Woche der Wahrheit?

Das Ende der vergangenen Woche zeigte, dass auch das Ende dieser Woche die Börsen beschäftigen könnte. Die Hauptrolle spielt – wie in den vergangenen Monaten schon so oft – die amerikanische Notenbank. Ein Überblick zu informellen Empfängen, erhöhten Volatilitäten und der doppelten Angst vor dem Tapering.

David E. Jackson begann sein Leben als einfacher Mann. Geboren zwischen 1785 und 1790, dann Soldat im Britisch-Amerikanischen Krieg, später Farmer in Missouri. Als Jackson allerdings 1822 auf eine Anzeige hin in der Pelzindustrie zu arbeiten begann, sollte sein Leben zu einem kleinen, wenig gewürdigten Entwurf des legendären „American Dream“ mutieren. Er erwirtschaftete ein kleines Vermögen, leistete wichtige Beiträge zur Erschließung des damals noch wilden Amerikas und zur Kartographierung unbekannter Landstriche. Damit stand Jackson zwar damals und auch heute noch im Schatten vieler anderer, noch deutlich bekannteren Trapper und Pelzhändler, trotzdem schafft es Jackson immer noch jährlich in die Schlagzeilen.

Denn seit 1982 treffen sich alljährlich auf Einladung der Federal Reserve Bank Vertreter aller großen Zentralbanken in der Jackson Lake Lodge, die wie das dort liegende Tal namens Jackson Hole nach dem Pelzhändler David E. Jackson benannt ist. Jackson Hole ist wegen dieses Symposiums inzwischen zu einem geflügelten Wort innerhalb der Finanzbranche mutiert, weil die dort besprochenen Themen einiges über die geldpolitische Ausrichtung vieler wichtiger Volkswirtschaften verraten. Die Aufmerksamkeit ist also groß – und dürfte dieses Jahr nochmals neue Dimensionen annehmen, wenn das Treffen am Donnerstag mit einem informellen Empfang eröffnet wird.


Tapering macht Börsen nervös

Denn die internationalen Börsen hängen durch die Nachwirkungen der Corona-Krise noch immer am Tropf der Zentralbanken. Bisher führte das zu stetig steigenden Kursen – und einem gefühlt unbändigen Glauben an eine weiter uneingeschränkte Liquidität. Genau die möchte die FED aber langsam zurückfahren, wie sie zuletzt nach und nach durchsickern ließ. Vorerst soll aber eine Reduzierung der Anleihekäufe den Anfang machen. Die Angst vor diesem Tapering genannten Prozess ist real, wie das Ende der vergangenen Woche nochmals unter Beweis stellte. Nachdem am Mittwochabend die Protokolle des Federal Open Market Committee FOMC veröffentlicht wurden, sackten die Aktienmärkte am Donnerstag weltweit zusammen. Gleichzeitig schoss der Volatilitätsindex VIX in die Höhe. Der Grund? Aus den Protokollen geht hervor, dass sich die die Mitglieder der Notenbank bezüglich eines Starts des Taperings uneins sind, mehrheitlich aber bereits in diesem Jahr beginnen wollen. Das ängstigt Investoren in doppelter Hinsicht.

Denn obwohl das Tapering in erster Linie die Anleihemärkte betrifft, scheinen die Reduzierung der Anleihekäufe und die Straffung der Geldpolitik, ergo die Erhöhung der Leitzinsen, für viele Anleger Hand in Hand miteinander zu gehen – was auch die Reaktionen der Börsen nach der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls erklärt. „Es gab keine Diskussion über den Leitzins – aber die geneigten Beamten meinten, dass es für die Märkte schwierig sein könnte, das Tapering von den Erwartungen einer Aufhebung der Geldpolitik zu trennen, was die Fähigkeit der Fed, die finanziellen Bedingungen zu beeinflussen, einschränken würde“, analysierte Silvia Dall'Angelo, Senior Economist beim Vermögensverwalter Federated Hermes, und ergänzt: „Genau das Thema könnte auf dem kommenden Symposium in Jackson Hole, das Ende dieser Woche stattfinden soll, weiter Momentum haben.“ Investoren dürften hier auf Signale der FED schielen.


Softe Signale statt mehr Sorgen?

Nur: Wie könnten diese Signale ausfallen, wenn FED-Chef Jerome Powell am Freitagnachmittag das Symposium offiziell mit einer Rede eröffnet? „Wir gehen davon aus, dass sich Powell bei dieser Rede hinsichtlich des Tapering-Beginns zurückhaltend äußern wird. Neben seiner Rede wird es aber eine Vielzahl an Interviews mit FOMC-Mitgliedern geben, die weiteren Aufschluss über die Mehrheitsverhältnisse innerhalb des FOMC liefern können“, schreiben die Deka-Analysten um Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater in einem aktuellen Ausblick. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, macht sich wegen der bisher unklaren Signale wenig Gedanken über das Handeln der Zentralbank. „Wir sind zuversichtlich, dass der Offenmarktausschuss der Fed den Ausstieg aus der Geldpolitik nicht in der Weise ‚verbocken‘ wird, wie das Weiße Haus den Rückzug aus Afghanistan bewerkstelligt hat. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheinen sich die Fed-Mitglieder bewusst zu sein, dass das größte Risiko darin besteht, die Normalisierung zu lange hinauszuzögern. Wir hoffen auf einen geordneten Ausstieg“, erklärt der Experte in einem aktuellen Marktkommentar.

Die Analysten der Commerzbank jedenfalls rechnen damit, dass der Tapering-Prozess im vierten Quartal beginnt und Mitte 2022 beendet wird. Das wiederum würde bedeuten, dass die Leitzinsen dann Ende 2022 nachziehen könnten. Einen ähnlichen Zeitplan prognostiziert Dowding. „Es gibt für Powell kaum Gründe, vor diesem Hintergrund zusätzliche Signale in Jackson Hole zu senden. Die seit der FOMC-Sitzung Ende Juli veröffentlichten Daten erfordern ebenfalls keine Beschleunigung des sich abzeichnenden Fahrplans für das Tapering“, meint Bernd Weidensteiner, Senior Economist bei der Commerzbank.

Neben Jackson Hole stehen weitere Veröffentlichungen in dieser Woche an, die Anleger im Blick behalten sollten – unter anderem die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und Europa, die bereits am heutigen Montag veröffentlicht werden. Mittwoch kommt das Ifo-Geschäftsklima dazu, Donnerstag neue Daten zur Entwicklung der europäischen Geldmenge M3. Dass die Investoren an den Börsen aber vor allem nervös nach Jackson Hole schauen werden, scheint jedoch fast genauso sicher, wie die Tatsache, dass David E. Jackson und Jackson Hole auch im nächsten Jahr zu ihrer jährlichen Berühmtheit kommen.

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