Kapital hat Macht: Die positiven Auswirkungen des Impact Investings

Über Active Ownership können Investoren etwas bewegen. Besonders einflussreich sind sie jedoch, wenn sie ihr Kapital und damit ihre Macht bündeln, um Einfluss zu nehmen, wie das ESG-Netzwerk Fairr und seine Mitglieder zeigen. Einen Anleger kann man ignorieren, 30 Billionen US-Doller Assets under Management nicht.

Vor etwas mehr als zehn Jahren, genauer gesagt am 29. November 2010, haben J.P. Morgan, die Rockefeller Foundation und das Global Impact Investing Network, GIIN, einen Report veröffentlicht. In „Inpact Investments: An Emerging Asset Class“ ging es vor allem um das immense Marktpotenzial jener Investitionen, mit denen Anleger messbar etwas zum Positiven verändern können. Damals haben die Studienautoren über die nächsten zehn Jahre potenzielle Erträge der Anlageklasse zwischen 183 und 667 Milliarden US-Dollar und Asset under Management zwischen 400 Milliarden und einer Billion US-Dollar vorhergesagt.  

Was als Prognose zum damaligen Zeitpunkt noch sehr ambitioniert klang, war laut GIIN-Zahlen aus dem vergangenen Jahr jedoch ziemlich vorausschauend: Rund 715 Milliarden US-Dollar flossen demnach in die Anlageklasse. Andere Schätzungen, beispielsweise die der Entwicklungsbank International Finance Corporation, gehen im selben Zeitraum sogar von Zuflüssen in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar aus.

Die Gründe, warum sich Impact Investments großer Beliebtheit erfreuen, sind vielschichtig. Vor allem aber sind die Risiken eines „Business as usual“ nicht zu unterschätzen. Das zeigen die Auswirkungen des Klimawandels ebenso wie die aktuelle Corona-Pandemie. Und diese Risiken motivieren vor allem dann zum Handeln, wenn sie finanzieller Natur sind. Genau das macht sich das ESG-Netzwerk Fairr zunutze. Dort hat man es sich zur Aufgabe gemacht, Investoren die finanziellen Risiken aufzuzeigen, die mit ihren jeweiligen Engagements in der Lebensmittelindustrie einhergehen. Denn unter den großen Lebensmittelproduzenten sind viele Blue Chips mit entsprechend breiter Präsenz in den Portfolien dieser Welt. Und wenn dann ein Korruptions- und Abholzungsskandal den größten Fleischproduzent, die brasilianische JBS, 2,3 Milliarden US-Dollar kostet, tut das Anlegern rund um den Globus weh.


Kapital: Die Macht etwas zu bewegen

„Sich der Risiken bewusst zu werden, die mit einem Engagement in der Lebensmittelindustrie einhergehen und dann entsprechende Investitions- oder De-Investitionsentscheidungen zu treffen, ist ein immenser Hebel, um in der Branche etwas zu verändert“, sagt Teni Ekundare, Senior Manager, Investor Outreach bei Fairr (ein ausführliches Interview zur Initiative lesen Sie hier). Und Nina Roth, Director und ESG Analystin im Responsible Investment Team bei BMO Global Asset Management, stimmt ihr da vollkommen zu: „Active Ownership durch Engagement, gezieltes Proxy Voting sowie als ultimative Eskalation auch durch De-Investments sind hilfreiche Elemente, um übergeordnete Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und materielle Veränderungen zu bewirken. Manches Mal dauert es zwar länger als erhofft, aber wir und die weitere Investorengemeinde haben auf diese Art durchaus schon etwas verändert.“

BMO ist auch schon lange Mitglied im ESG-Netzwerk von Fairr und unterstützt zahlreiche der dortigen Investoreninitiativen. „Wir sind durch unser Engagement zum Thema Antibiotika-Resistenzen in der industriellen Tierhaltung und die daraus resultierenden Effekte auf die öffentliche Gesundheit, aber auch auf andere Industrien wie beispielsweise Pharma auf Fairr aufmerksam geworden“, sagt Roth. Heute nutzt der Vermögensverwalter insbesondere die Dateninformationen von Fairr – etwa aus dem Klimarisikotool oder dem Coller Fairr Protein Producer Index – für das hauseigenen Due Diligence, auf dessen Basis dann die Investitionsentscheidungen getroffen werden. Außerdem würden die Informationen auch als Basis in die eigenen Engagement-Dialoge von BMO einfließen, sagt Roth. Vor allem aber ermögliche Fairr Gruppendialoge mit Unternehmen, die andernfalls kaum zu Gesprächen auf individueller Basis zur Verfügung stünden oder sich zu bestimmten Themen auf Nachfrage eines einzelnen Investors nicht bewegen würden. Als Zusammenschluss der Vielen vereint die Initiative mittlerweile aber rund 30 Billionen US-Dollar Kapital, womit man dann auch den größten Saulus schon einmal an den Tisch und im Idealfall sogar zu einer Umkehr bewegen kann.


Koordiniertes Engagement

Auch die Boutique Bonafide ist Mitglied bei Fairr. Der auf Investments entlang der Wertschöpfungskette des Sektors „Fish and Seafood“ spezialisierte globale Asset-Manager habe das ESG-Netzwerk ebenfalls über den Coller Fairr Protein Producer Index kennengelernt, erklärt Bonafide-Nachhaltigkeitsspezialist Christoph Beierl, der vor allem eine wichtige Informationsquelle zur Nachhaltigkeitsleistung proteinproduzierender Unternehmen außerhalb des eigenen Sektors sei. Ausschlaggebend für den Beitritt zum ESG-Netzwerk sei letztendlich jedoch das Engagement gewesen: „Wir möchten sicherstellen, dass der Sektor Fish and Seafood sein Potenzial auch entfalten und nutzen kann und möchten unser Engagement daher intensivieren. Dabei sind wir überzeugt, dass im Rahmen eines koordinierten, gemeinschaftlichen Engagements mehr erreicht werden kann als durch zahlreiche eigenständige Engagements, die sowohl für uns als auch die betroffenen Unternehmen mit mehr Aufwand verbunden sind.“

Tatsächlich schneiden Aquakulturen im Coller Fairr Protein Producer Index, der Unternehmen nach ESG-Risiken kategorisiert, aktuell am besten ab – auch wenn sie noch nicht risikofrei sind, was auch Beierl einräumt: „Natürlich sind in einem derart jungen Sektor noch nicht alle Probleme restlich aus dem Weg geräumt, und teilweise mangelt es auch noch an der nötigen Transparenz und Standarisierung. Aber wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation in dieser Hinsicht in den nächsten Jahren noch stark verbessern wird. Denn grundsätzlich sind die Themen Fish, Seafood und Nachhaltigkeit sehr eng miteinander verbunden, da es sich um eine vergleichsweise ressourcenschonende tierische Proteinquelle handelt, die damit einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen in der Nahrungsmittelproduktion leisten kann.“

Letztendlich hänge eine nachhaltige Veränderung von ganzen Branchen aber immer auch vom Konsumenten ab, glaubt Beierl. Als Investor könne man nur versuchen, sicherzustellen, dass Angebot und Nachfrage zusammenfinden. Aber wie die eingangs erwähnten, enormen Mittelflüsse bestätigen, scheint zumindest dieses Matching bislang ganz gut zu funktionieren.