Karte zeigt ungleiche Reichtums- und Aktienverteilung in Deutschland

Dass die Deutschen relativ wenig in Aktien investieren, ist allgemein bekannt. Die hiesige Aktionärsquote liegt bei sechs Prozent, in Österreich sind es sieben, in den USA 25, in der Schweiz 20 und in Frankreich 15 Prozent. Den Spitzenplatz nehmen die Niederlande ein, 30 Prozent der Einwohner halten Aktien. Weniger bekannt ist, dass sich die Aktionärsquote auch innerhalb von Deutschland ungleich verteilt. Das West-Ost-Gefälle ist hoch, wie eine Studie der Comdirect belegt.

Die Studie des Finanzinstituts hat untersucht, wie sich die deutschen Aktionäre auf Städte und Landkreise verteilen. Die Ergebnisse zeigen ein unglaubliches West-Ost-Gefälle:

 

  • 15,3 % der Westdeutschen halten Aktien oder Fondsanteile.
  • Nur 1,6 % der Ostdeutschen sind in Aktien oder Fonds investiert.
  • In manchen westdeutschen Landkreisen liegt der Aktionärsanteil bei 40 %.
  • Die meisten Aktionäre im Osten leben in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Nirgendwo übersteigt ihre Quote 5 %.

 

Die Aktionärsquote sagt auch etwas über die Wohlstandsverteilung aus. Davon ist beispielsweise der Armutsforscher Butterwegge (Uni Köln) überzeugt. Es gäbe zwar ein Stadt-Land-Gefälle, doch insgesamt könne man durchaus aus dem West-Ost-Gefälle der Aktionärsquote auf einen reichen Westen und einen armen Osten schließen. Ein Süd-Nord-Gefälle gäbe es überdies, wenn auch nicht so stark ausgeprägt.

 

Unterschiede innerhalb von Westdeutschland

Auch innerhalb von Westdeutschland gibt es große Unterschiede. So liegt die Quote im Saarland praktisch bei null, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist sie sehr niedrig. In den wohlhabenden Regionen um München und Frankfurt/Main hingegen erreicht sie 30 - 40 %. Diese Ergebnisse haben die Autoren der Comdirect-Studie in eine Deutschlandkarte eingezeichnet und damit einen Reichtums-Armuts-Atlas der Bundesrepublik erstellt. Dieser Anlage-Atlas korreliert nun mit ähnlichen, schon früher erstellten Karten, welche die allgemeine Vermögensverteilung ausweisen. Das bedeutet klar: In Aktien investieren nur Menschen, die überhaupt Erspartes dafür aufbringen können. Der Zusammenhang zwischen Vermögen, Einkommen und Aktienbesitz sei signifikant, kommentierte der Comdirect-Vorstand Matthias Hach die Studienergebnisse.

 

Mediane des Nettovermögens

Die Mediane des Nettovermögens zeigen ähnlich deutliche Unterschiede zwischen West und Ost auf. Der Median ist ein statistischer Mittelwert, bei dem Extremwerte abgeschnitten werden, um einen geglätteten Durchschnitt zu erhalten. So könnten beispielsweise Milliardäre nicht berücksichtigt werden. Für 2016 ermittelten Statistiker der Bundesbank ein durchschnittliches Median-Nettovermögen in wohlhabenden westdeutschen Ländern (Baden-Württemberg, Bayern) von 112.500 Euro, in Ostdeutschland waren es nur 24.800 Euro. In Baden-Württemberg und Bayern gibt es auch die meisten Aktienbesitzer. Die Landkreise mit der höchsten Quote sind Starnberg, Miesbach und Landshut in Bayern, sowie Baden-Baden und der Bodenseekreis in Baden-Württemberg. In diesen Regionen freuen sich die Menschen fast durchweg über Vollbeschäftigung, in einigen Kreisen von Mecklenburg-Vorpommern hingegen (Aktionärsquote 0 %) übersteigt die Arbeitslosenquote 10 %. Dementsprechend gibt es auch eine Karte zur Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik, die umgekehrt proportional mit der Aktionärs- und Vermögensverteilung korreliert. An der Aktionärsquote dürfte sich auf lange Sicht nicht so schnell etwas ändern. Der internationale Vergleich zeigt, dass eine Anlage in Aktien und Fonds eines sehr langen Zeithorizonts bedarf, der quasi vererbt wird. Selbst wenn es einigen Ostdeutschen demnächst etwas besser geht, verwenden sie ihr Geld wahrscheinlich zunächst für andere Zwecke.  


Zur Studie gelangen Sie hier.