Kauft Amazon die deutsche Supermarktkette Real?

Die Märkte sind schon lange nicht mehr rentabel, weshalb sie sich als schwere Last herausgestellt haben. Durch verschiedene Aktionen in den Filialen und im Online-Handel versuchte der Mutterkonzern eine Steigerung der Attraktivität zu bewirken. Die Verantwortlichen erhofften sich auf diese Weise ein Umsatzplus und die Ansprache neuer Kundenkreise. Doch die Erfolge blieben aus, weshalb die 282 Standorte mit ihren insgesamt 30.000 Mitarbeitern ein großes Problem darstellen.
Metro hat sich für einen Wechsel der Unternehmensstrategie entschieden und möchte mehr im Großhandel tätig sein. Hier sind die Margen höher, weshalb es leichter zu Gewinnen kommt. Auch ist das Wachstumspotenzial in diesem Bereich dafür ein Grund. Hier kann sich der Betrieb vergrößern und mehr Kunden ansprechen, weshalb die Umsätze steigen und sich das Betriebsergebnis verbessert.
In einer Telefonkonferenz teilte Metro-Chef Olaf Koch mit, dass er die deutschen Teile der Real-Gruppe schnellstmöglich veräußern möchte. Ein Verkauf innerhalb der nächsten Monate ist möglich. Seine Aussage deutet darauf hin, dass es mindestens einen interessierten Verhandlungspartner gibt.
Dieses Jahr ist ein Umsatz von 300 Millionen Euro das Ziel. Doch Analysten und Experten sind von dieser Zahl nicht begeistert. Die Übernahme der Plattform Hitmeister für den Online-Handel sollte hier für bessere Zahlen sorgen, doch dieses Projekt erwies sich nicht als der geplante Meilenstein.


Amazon als möglicher Käufer

Diese Ausgangslage macht den Verkauf schwer. Zwar hat es Koch geschafft, dass er den Tarifvertrag mit Verdi in einen Sanierungstarifvertrag umwandelte, doch ob diese Maßnahme die Unternehmensattraktivität steigert, bleibt fraglich. Auf diese Weise ist man jedoch flexibler, wenn es um das Schließen von Niederlassungen geht. Es besteht so aber die Möglichkeit, dass Metro nur einzelne Kaufhäuser an Interessenten veräußert und andere, die profitabel sind, weiterführt.
Doch auch der Name „Amazon“ taucht in den Spekulationen für eine Übernahme immer wieder auf. Das in Seattle ansässige Unternehmen hat mit Sicherheit keine Schwierigkeiten mit einem Kauf, da die Kassen gut gefüllt sind. Durch einen Erwerb bekäme Amazon noch mehr Einfluss. Schon jetzt stellt der europäische Bereich den zweitwichtigsten Markt für das Unternehmen dar. Mit einer Übernahme eines Einzelhändlers könnten die Amerikaner Kunden im Offline-Handel für sich gewinnen und das Interesse für andere Angebote steigern.
Doch es bleibt die Frage, warum sich Amazon ausgerechnet für Real entscheiden soll. Das Filial-Konzept passt nicht zur übergeordneten Unternehmensstrategie und auch das Online-Angebot von Real ist kein triftiger Grund für einen Kauf. Es gibt wenig Aspekte, die für einen solchen Schritt sprechen. Die Reichweite des Filialnetzes ist klein. Zusätzlich ist die Konkurrenz durch andere Anbieter groß. Die Risiken sind daher enorm und die Erfolgsaussichten gering. Doch für eine Überraschung ist Amazon immer zu haben.