KI revolutioniert Asset Management

Ist künstliche Intelligenz zuverlässig genug, um sie in die Asset-Management-Branche einzubinden? Welche Vorteile sie privaten und institutionellen Anlegern bietet, beschreibt Martin Stürner von PEH in seinem Gastbeitrag.

Wie zuverlässig ist künstliche Intelligenz? Welche Rolle spielt sie heutzutage im Asset Management und welche Chancen und Risiken gehen damit einher für die gesamte Branche? Solche Fragen stellen sich nicht nur institutionelle Investoren und Fondsmanager. Zu Recht fragen sich auch private Anleger wie man selbst von künstlicher Intelligenz profitieren kann. Ein Fonds, der gezielt diese Technologie im Investmentprozess einsetzt, ist unser PEH EMPIRE Fonds. Seit Mitte 2016 wird die Asset Allokation damit gesteuert und zeigt auf, wie künstliche Intelligenz ein wichtiger und mittlerweile wesentlicher Bestandteil in einem funktionierenden System sein kann. Ob man ein Verfechter von Algorithmen ist oder nicht, es gibt zahlreiche Belege dafür, dass ein System, das auf künstlicher Intelligenz beruht, langfristig bessere Performances erwirtschaftet als ein System, das auf diese Technologie verzichtet.

Martin Stürner ist seit 1995 Vorstand der PEH Wertpapier AG und seit dem Jahr 2000 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.  

So kann KI im Investmentprozess eingesetzt werden

Die Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz im Investmentprozess sind vielfältig. Anhand eines konkreten Beispiels lässt sich der Einsatz der Technologie aber gut beschreiben: 100 Signale, unter ihnen beispielsweise die Dividendenrendite, die Gewinndynamik oder das klassische Bewertungsniveau eines Unternehmens, haben über verschiedene Zeitabstände unterschiedliche Trefferquoten – das ist eine Herausforderung, der sich jeder Fondsmanager und Privatanleger tagtäglich gegenübersteht. Ist der MACD, also der Moving-Average Convergence-Divergence, der bei der technischen Analyse zum Einsatz kommt, über zehn Tage besser als über neun oder elf Tage? Welcher Indikator soll entsprechend verwendet werden? Genau diese Fragen kann die künstliche Intelligenz beantworten, indem sie beispielsweise auch auf der Zeitschiene verschiedenste Rechnungen und Analysen anstellt. Algorithmen stellen im Hintergrund unzählige Rechnungen an, vergleichen, bewerten Wahrscheinlichkeiten und zeigen am Ende die Gewichtung eines Indikators an.

Beim PEH EMPIRE zum Beispiel übernimmt die künstliche Intelligenz sämtliche Rechen- und Prüfprozesse, die den Allokationsprozess, also die Gewichtung von Aktien und Anleihen, betreffen. Das Scoring-Modell für Aktien wird auf diese Weise stetig angepasst. Entscheidend ist, dass die unterschiedlichen Signalgeber immer wieder durch das System automatisch optimiert werden und auf diese Weise analysiert und sichergestellt werden kann, welcher Indikator zu welcher Zeit derjenige ist, der das beste Chance-/Risikoverhältnis aufweist. Worauf bei der Technologie beim PEH EMPIRE bewusst verzichtet wird ist aber die Komponente, die vielen Menschen auch in anderen Bereichen zunächst einmal Unbehagen bereitet: das eigenständige Weiterentwickeln des Systems. Hier haben wir klare Abgrenzungen getroffen. Es gibt auch Systeme, die sich bewusst selber weiterentwickeln können und dazulernen, dies bilden zum Beispiel neuronale Netze ab. In der Vergangenheit hat der PEH EMPIRE auch damit gearbeitet. Die Bilanz ist aber eher ernüchternd, weshalb seit 30. Juni 2016 die PEH-Scoring-Systematik zur aktiven Portfolioallokation des PEH EMPIRE eingesetzt wird.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wächst in der Fondsbranche zunehmend. Unseren Schätzungen nach kommt derzeit bei 25 bis 45 Prozent der Fondsstrategien KI zum Einsatz. Immer mehr Fondsmanager beschäftigen sich mit ihr – Tendenz steigend. Natürlich müssen auch die Strategie und das Vorgehen beim Investieren mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz zusammenpassen. Nicht jeder Investmentansatz ist per se auf den Einsatz dieser Technologie abgestimmt. Und wie in anderen Bereichen auch, entwickelt sich die Fondsbranche weiter und nimmt neue Technologien in ihre Arbeitsmechanismen auf.

Warum sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz lohnt

Die Auswertung von massenhaften Daten ist wohl eine der größten Vorteile, die künstliche Intelligenz mit sich bringt. Die Flut von Informationen, die täglich verarbeitet werden, könnten Menschen händisch unmöglich so auswerten, wie es ein System schafft, das auf diese Technologie zurückgreift. Zehntausende Rechnungen innerhalb kürzester Zeit anzustellen ist eine Herausforderung, die manuell nicht zu schaffen wäre. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist der Faktor Emotion. Emotionen können sich positiv auf die Performance auswirken, in den allermeisten Fällen sind sie aber hinderlich. Einen – im wahrsten Sinne des Wortes – kühlen Kopf zu behalten, fällt den meisten Anlegern schwer, wenn eine Aktie nicht den erhofften Kursverlauf nimmt. Die künstliche Intelligenz ist hingegen frei von Emotionen und handelt nur so, wie sie programmiert worden ist. Zeigt das programmierte System an, dass sich ein Indikator abschwächt, da die Trefferquote nachlässt, wird er gegen einen Indikator ausgetauscht, dessen Performance über die Zeitschiene im Vergleich besser ist. Das ist ein Vorteil, der mithilfe von künstlicher Intelligenz emotionslos zur Geltung kommt.

Wie liegen die Chancen, wo die Gefahren? Es gelten die Risiken, die bei der Kapitalanlage per se bestehen, die Technologie dahinter beeinflusst diese aber nicht. Im Fall des PEH EMPIRE zeigt sich, dass eine Systemumstellung erfolgreich sein kann und sich für den Investor lohnt. Seitdem die moderne Technologie Mitte 2016 in der aktiv gemanagten Strategie implementiert ist, hat der Fonds über 30 Prozent Performance erzielt und damit seine Peergroup deutlich übertroffen. 


Erstveröffentlichung bei Global Investor am 29. Mai 2019

Quelle: Global Investor