Konnektivität, autonomes Fahren, E-Mobilität: Die Zukunft des Autos

Die Disruption der Automobilindustrie hat gewaltige Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Anleger. Vernetzung und Digitalisierung krempeln die Branche um. Es gilt entsprechend, die Entwicklungen genau zu beobachten, um Investmentchancen langfristig zu nutzen.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem fundamentalen Umbruch. Die Jungen interessieren sich schon lange nicht mehr für eigene Autos, der Abgasskandal hat weltweit Vertrauen vor allem in deutsche Premiumhersteller zerstört, und die Politik tut alles dafür, den Menschen den Diesel-Antrieb madig zu machen und von den Straßen zu verbannen.

Und dass die Auswirkungen des technischen Fortschritts und der Digitalisierung – die sogenannte Disruption – auch vor Flaggschiffen der internationalen Industrie nicht haltmachen und in den Köpfen der Top-Manager angekommen sind, zeigt eine Äußerung von Daimler-Chef Dieter Zetsche (der Ende des kommenden Monats seinen Posten als Vorstandsvorsitzender an Vorstandsmitglied Ola Källenius abgeben wird) auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona Ende Februar: „Es ist kein Naturgesetz, dass Daimler ewig besteht. Wir werden eine Reihe völlig neuer Wettbewerber haben. Wenn wir weiterhin nur das tun, was wir so gut gemacht haben, sind wir erledigt.“ Weiter sagte der Automobil-Manager, dass Daimler sich verändern müsse, um am Markt weiterhin bestehen zu können, weil Konnektivität, autonomes Fahren und der Vormarsch der E-Mobilität sowie die zunehmenden Plattformen für Auto-Sharing die Branche verändern würden.

 

Massive Veränderungen warten

Das ist natürlich keine Grabesrede auf den traditionellen Autobauer, der weltweit höchste Reputation für seine Produkte und Innovationen genießt. Aber die Haltung Zetsches zeigt, dass in Zukunft auch in dieser deutschen Hochleistungsbranche massive Veränderungen auftreten können – und werden.

Dazu ein paar Zahlen: Die deutsche Automobilindustrie generierte im Jahr 2017 knapp 426 Milliarden Euro Umsatz, die Anzahl der Beschäftigten stieg in diesem Bereich von rund 702.000 im Jahr 2010 Beschäftigten auf rund 820.000 Beschäftigte im Jahr 2017. Porsche verdient weiterhin viel Geld, VW verkauft so viele Autos wie nie zuvor, und die Aktien von Daimler, BMW und Co. bleiben substanzstarke Werte, die für Anleger spannend sein können.

Aber: Dieses Bild wird sich in den kommenden Jahren wandeln. Eben dann, wenn sich neue Mobilitätskonzepte gegen konventionelle Fahrzeuge durchsetzen, und durch gesellschaftliche Veränderungen neue Herausforderungen entstehen. Das zeigt auch die 20. Ausgabe des „Global Automotive Executive Survey“ der Beratungsgesellschaft KPMG: „Vernetzung und Digitalisierung krempeln die Automobilindustrie um. Sie sind die Top-Themen der Branche noch vor alternativen Antrieben wie Batterie und Brennstoffzelle.“ Weltweit wurden für das „Global Automotive Executive Survey“ fast 1000 Entscheider der Automobil- und Technologiebranche sowie mehr als 2000 Konsumenten befragt, um ein umfassendes Bild des Automarktes der Zukunft zu erhalten.

Die Bedeutung der Batterie im Automobilsektor beispielsweise lässt sich bereits seit einiger Zeit an den Marktentwicklungen ablesen. Die Zahl der Neuzulassungen von reinen Elektroautos hat sich in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Drittel erhöht. Der chinesische Markt weist weiterhin das größte Wachstum und die größten Volumina für alternative Antriebe auf: Es gab ein Plus von 100 Prozent. Darauf weist eine Studie der Beratungsgesellschaft PwC hin.

Apropos Wachstum: Dieses spielt sich vermehrt in der digitalen Welt ab, wie die KPMG-Studie herausstellt. „Der Börsenwert der Top 15 Technologieunternehmen ist fast fünfmal so hoch wie die der Top 50 Autohersteller und -zulieferer, und bis 2025 könnte sich die Zahl der klassischen Autohäuser um die Hälfte reduzieren.“

 

Alternative Antriebe mit Zukunftspotenzial

Anleger sollten also genau auf diese Neustrukturierung der Branche achten und dementsprechend ihre Investments ausrichten. Sie können beispielsweise durch die Direktanlage in Unternehmen, die sich mit alternativen Antrieben befassen, von dem langfristigen Aufschwung zu profitieren. Das zeigen bestimmte Werte bereits, etwa die Eaton Corporation. Das irische Unternehmen entwickelt, produziert und verkauft Systeme, Applikationen und Produkte für die Energie- und Fahrzeugindustrie und hat in den zurückliegenden 36 Monaten mehr als 30 Prozent Kurszuwachs erzielt.

SolarEdge aus Israel als Spezialist für Wechselrichter liegt im gleichen Zeitraum bei rund 50 Prozent Plus. Und Samsung Electronics ist übrigens nicht nur ein führender Smartphone-Hersteller, sondern die Tochter Samsung SDI ist auch der größte Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien weltweit. Das goutieren die Anleger: Samsung SDI hat in drei Jahren fast 135 Prozent an Wert gewonnen (während Samsung Electronics mit rund 80 Prozent im Plus liegt).

Die Disruption der Automobilindustrie hat also sowohl positive wie auch negative Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Anleger. Es gilt entsprechend, die Entwicklungen genau zu beobachten und daraus die richtigen Schritte für die eigene Strategie abzuleiten.