Korrekturen der Kurse oder das Ende der Hausse?

Es beginnt sich abzuzeichnen, dass die Kursschwächen der letzten Wochen nicht einfach nur eine kurze Phase sind. Seit dem Ende des beständigen Aufschwungs haben viele Papiere mitunter empfindlich an Wert verloren. Im Fokus stehen dabei Produkte von Technologie-Unternehmen, die bis zuletzt die Antriebsmotoren für die steigenden Kurse an den Börsen waren. Experten sind ratlos und überlegen, ob sich eine Trendwende an den globalen Aktienmärkten andeutet.

Über die letzten Monate sind die meisten Titel an den Börsen mitunter um bis zu 30 oder 50 Prozent gestiegen. Besonders die Technologie-Unternehmen haben davon profitiert, dass der Börsenmarkt immer und immer weiter gewachsen ist. Das hat nach dem Ende der Finanzkrise auch viele private Anleger zurück an die Börsen geführt. Entsprechend ratlos ist man nun, da die Kurse spätestens seit den letzten zwei Wochen nicht mehr steigen und mitunter deutlich fallen. Ein eindeutiges Indiz für diesen Trend war auch das historische Jahrestief des DAX, das am Dienstag erreicht wurde. Viele Anleger sind verunsichert. Das liegt auch daran, dass selbst die Experten nicht ganz sicher sind, um was für eine Entwicklung es sich hier handelt.

Zum einen ist klar, dass die Börsen sich in den letzten zwei Jahren eher a-typisch verhalten haben. Die Haussee war lang und entsprechend könnte es sein, dass es sich jetzt um ganz natürliche Korrekturen an den Kursen handelt. Schließlich warnen Experten schon eine Weile davor, dass viele der Profiteure derzeit massiv überbewertet sind. Ein Blick auf die Entwicklung in Amerika lässt aber auch eine andere Sichtweise zu: Es könnte zu einer historischen Trendwende kommen. Denn während bisher die Aktien immer dann gestiegen sind, wenn die Renditen für andere Anleihen gefallen sind, scheint sich dieses Prinzip nun nicht mehr zu bewähren.


Die Experten richten ihren Blick nach Amerika

In den letzten zwei Jahren sind die Renditen für Anleihen in den Vereinigten Staaten wieder gestiegen und haben sich daher nicht so verhalten, wie es der Trend eigentlich vorgibt. Das führt dazu, dass das Verhältnis von steigenden Aktienkursen und sinkenden Renditen auf Anleihen nun auch bei den Experten auf dem Prüfstand steht. Es ist aber zu bemerken, dass die Kurse für Anleihen bei Weitem nicht so schnell und stark gestiegen sind, wie es die Märkte erwartet haben. Schuld daran ist vor allem die Geldpolitik der amerikanischen FED. Diese hat in den letzten Jahren zunehmend mit der wirtschaftlichen Situation zu kämpfen gehabt. Die Zinsen wurden erstmals wieder gesteigert und es wird erwartet, dass sich die amerikanische Zentralbank von einem großen Teil ihrer Anlagen trennen wird. Entsprechend könnten die Kurse für Anleihen weiterhin nur in einem geringen Kurs steigen und somit nicht die Erwartungen des Marktes erfüllen.

Das Problem ist nun, dass sich die Modelle nicht so verhalten, wie sie sich verhalten sollten. Es gibt zwar klare Anzeichen dafür, dass die Kurse in der Zukunft eher leicht nach unten gehen werden und es vielleicht starke Ausschläge geben wird, ansonsten hat sich die Dynamik aber auf eine Art und Weise verändert, die auch die Prognosen vor manche Herausforderung stellen. Denn auch in den wichtigsten Industrieländern, also den Antriebsmotoren der Börse, sind derzeit keine Anzeichen für eine Rezession zu sehen. Entsprechend schwer tuen sich die Banken damit, derzeit langfristige Prognosen für die Entwicklung der Kurse und Indizes auszugeben.

Es lässt sich zusammenfassen, dass sich Anleger darauf einstellen sollten, dass es in der nächsten Zeit zu starken kurzfristigen Veränderungen der Kurse kommen wird. Leicht fallende Kurse sind kurzfristig mit einer hohen Wahrscheinlichkeit verbunden. Langfristig sollten sich die Märkte aber korrigieren - gerade unter dem Eindruck einer sich regulierenden Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken der Welt.