Krypto-Ausblick 2022 Teil 1: Bitcoin, Regulierung & neue Produkte
5 min
2021-11-29

Krypto-Ausblick 2022 Teil 1: Bitcoin, Regulierung & neue Produkte

Neue Kryptowährungen, Blockchain und NFTs gehörten 2021 zu den spannendsten Themen für Investoren. Was kommt im Jahr 2022 Neues auf uns zu? In unserem dreiteiligen Krypto-Ausblick verraten Experten, welche Entwicklungen sie im nächsten Jahr erwarten und was diese für Anleger bedeuten.

Wir haben die Krypto-Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft unter anderem gefragt, welche neuen Krypto-Produkte für professionelle und private Investoren 2022 auf den Markt kommen werden und auf welche Kryptowährungen sie selbst setzen. Angesprochen wurde außerdem das Thema Bitcoin-Regulierung und -Verbote und ob digitale Währungen als Inflationsschutz dienen können.

Professor Dr. Philipp Sandner, Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, geht davon aus, dass für professionelle Investoren im Jahr 2022 weitere Bitcoin-ETFs zugelassen werden und vermutlich auch neue Indexfonds mit digitalen Währungen. Private Anleger werden mit Bitcoin, Ethereum und DeFi-Tokens ihr Portfoliomanagement selbst in die Hand nehmen.




Wird der Bitcoin die 100.000 US-Dollar Marke knacken?

Beim Bitcoin-Kurs gibt sich Sandner optimistisch: „Ich glaube, Ende 2022 wird der Bitcoin die 100.000 US-Dollar Marke geknackt haben. Kurskorrekturen gehören zu Preisentwicklungen dazu, die Volatilität wird sehr groß bleiben. Aber dennoch glaube ich, dass Bitcoin weiterhin seinem langfristigen Aufwärtstrend folgt - wie andere Kryptowährungen auch. Die Technologie wird sich also weiterverbreiten. Eine Blase kann ich vor allem bei Bitcoin und Ethereum wirklich nicht erkennen. Bei NFTs und anderen kleineren Kryptowährungen gibt es aber in der Tat viel Spekulation. Und dennoch: Viel mehr Angst macht einem doch die steigende Inflation, oder?“. 

Sandner setzt im kommenden Jahr mit Bitcoin und Ethereum auf die beiden großen “Dickschiffe”. Hier sieht er weiterhin große Chancen, zumal diese Kryptowährungen auch von Bafin-regulierten Kryptobörsen angeboten werden. Damit sei ein Maximum für den Anlegerschutz getan, wenn der Anleger bei solchen Bafin-regulierten Kryptobörsen investiert.

Beim Thema Bitcoin-Regulierung und -Verbote hat Professor Sandner wenig Bedenken: „Dezentrale Krypto-Assets wie Bitcoin und Ethereum werden gerade in Europa und den USA nicht verboten werden. Das stand nie auf der Agenda und steht weiterhin nicht auf der Agenda. Anders sieht es aus bei kleineren Kryptowährungen, die möglicherweise unregistrierte Wertpapiere sein könnten. Wie gesagt, das betrifft aber nicht dezentrale Kryptowährungen. In anderen Ländern sieht es anders aus: Gerade in Ländern, die eine hohe Inflation aufweisen werden, könnten Verbote kommen. Das jüngste Beispiel hierfür ist etwa die Türkei.“


Digitale Währungen als Schutz vor Inflation

Professor Sandner betrachtet digitale Währungen wie Bitcoin, Ethereum und andere Projekte als einen guten Schutz vor Inflation: „Beim Bitcoin liegt das an der Fixierung der maximalen Obergrenze von 21 Millionen Bitcoins. Es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoins geben. Das ist im Protokoll so angelegt. Damit ist der Bitcoin ähnlich wie digitales Gold knapp. Assets, die knapp sind, können durchaus vor Inflation schützen.“

Florian Wimmer, CEO bei der Blockpit AG, sieht bei den neuen Krypto-Produkten für professionelle und private Investoren 2022 die Vielfalt der Finanzinstrumente, die wir aus der traditionellen Welt kennen, bereits in Form von DeFi-Protokollen. Spannend werden Versicherungsprodukte, welche dem hohen Risiko des Krypto-Marktes teilweise entgegensteuern: „Dies ist immer noch ein großes Problem für professionelle und institutionelle Investoren. Einfache Stablecoin-Staking-Protokolle gepaart mit Versicherungen werden im Negativzinsmarkt eine attraktive Alternative zu Sparbuch, Termingeldern etc. sein. Eine große Hürde stellt nach wie vor das Thema Compliance dar – viele Anleger warten auf einen "physischen" Bitcoin-ETF, den wir wahrscheinlich 2022 sehen werden. Auch die EU-weite Markets in Crypto Assets Regulation (MiCA) steht voraussichtlich 2022 ins Haus, welche vor allem in den Bereichen Stablecoins und Security Token neue Möglichkeiten schafft.“


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Keine Angst vor einer Krypto-Blase

Vor einer "Krypto-Blase" hat Wimmer keine Angst, da die gesamte Entwicklung der Infrastruktur rund um Bitcoin –abseits der Preisentwicklung – eine massiv positive Tendenz zeige: „Ich erwarte 2022 weitere Länder, welche Bitcoin als legale Währung akzeptieren, einen „physischen" Bitcoin-ETF und viele neue DeFi-Protokolle, welche Bitcoin als Collateral verwenden. Alles in allem also eine Steigerung der Nachfrage, was sich positiv auf die Preisentwicklung auswirken sollte. Wir befinden uns zwar noch immer in einem stark volatilen Markt, einen Preissturz wie wir 2018 gesehen haben, kann ich mir jedoch nicht vorstellen.“

Beim Thema Bitcoin-Regulierung glaubt Wimmer, dass wir außerhalb Chinas keine Verbote mehr sehen werden. Die Regulatorik werde jedoch vor allem in Europa einen großen Schritt machen: „Wir erwarten nächstes Jahr eine Verabschiedung der MiCA (Markets in Crypto Assets Regulation), DAC8 (Directive on Administrative Cooperation) und der FATF Travel Rule – diese regulatorischen Instrumente dienen allesamt dazu, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu verhindern sowie Investoren vor Betrug zu schützen.“


Lending-Dienste bringen den Zins zurück

Florian Wimmer betrachtet ebenfalls digitale Währungen als wirksamen Inflationsschutz. Er geht davon aus, dass Lending-Dienste den Zins zurückbringen: „Werden die Intermediäre aus dem Prozess ausgeschlossen, da die Blockchain für Sicherheit sorgt, bleibt mehr Ertrag für den Sparer übrig. Plattformen wie Anchor Protocol (Terra) garantieren aktuell 19,4 Prozent Jahreszins auf einen Dollar Stablecoin (UST) – und man kann sich sogar mit einer Versicherung gegen das Risiko des Smart Contracts absichern. Wenn diese Anwendungen den Weg zur Masse finden, werden auch Finanzdienstleister und Banken darauf zurückgreifen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein.“

Michael Geister, Head of Crypto ETPs bei Iconic Funds, sieht im Jahr 2022 vor allem diversifizierende Basket- und einkommensgenerierende Produkte für Investoren von Interesse: “Bei Iconic werden wir 2022 weitere Single-Underlying Produkte sowie thematische Strategien launchen.“ Bei den Kryptowährungen möchte sich Geister für 2022 nicht festlegen: „Als Asset-Manager stellen wir die Bausteine für Asset-Allocators zur Verfügung. Wir setzen hier nicht direkt auf eine Kryptowährung, sondern sorgen dafür, dass die Kryptowährungen oder Baskets an Kryptowährungen in einer regulierten, sicheren Struktur kostengünstig und für jedermann erwerbbar begeben werden.“


Sichere Verwahrung wird zum zentralen Thema

Die wichtigste Eigenschaft sei laut Geister die sichere Verwahrung dieser Werte. Eine zentrale Frage in 2022 für den Investor lautet daher: Wie ist mein Investment gegen verschiedene Risiken geschützt? Für die Verwahrung und den Schutz der Bitcoin-Kunden vor Verlust der Coins vertraut Iconic dabei mit seinem Bitcoin ETP auf Coinbase Custody: „Die Coinbase Germany GmbH hat als erstes Unternehmen eine Krypto-Verwahrungslizenz von der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin erhalten. Bitcoin können die Wallets des ETP nicht ohne ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren verlassen, das Autorisierungen von internen und externen Parteien erfordert. Privatanlegern ist es außerdem in Zusammenarbeit mit Coinbase möglich, sich Coins physisch ausliefern zu lassen. Diese Auslieferungsoption ist vielen Anlegern aus dem Bereich Gold ETPs mit physischer Auslieferung bekannt.“

Kontrovers diskutiert wird von den Experten das Thema "Bitcoin-Regulierung". Dominik Poiger, Head of ETP Product Management bei Iconic Funds, begrüßt es generell, wenn sich der Regulator mit Kryptowährungen beschäftigt und für Investoren Klarheit schafft, denn Regulierung bringe auch immer Sicherheit mit sich: „Für 2022 gehen wir davon aus, dass weitere Kryptoprodukte an regulierten Börsen wie Deutsche Börse Xetra oder Euronext gelistet werden. Der Regulator in den USA scheint einem Bitcoin-ETF, der auf dem Spotmarkt basiert, wohl weiterhin kritisch gegenüberzustehen. Generell werden sich Regierungen und Regulatoren mehr mit dem Thema Kryptowährungen auseinandersetzen müssen. Auch CBDCs, also durch Zentralbanken emittierte digitale Währungen, stehen 2022 oben auf der Agenda.“


Bitcoin als digitales Gold

Poiger betrachtet Bitcoin beim Thema Inflationsschutz als „digitales Gold“, warnt jedoch vor verfrühten und übertriebenen Hoffnungen auf Lending-Dienste: „Das Bitcoin-Netzwerk ist dezentral und damit souverän und der Bitcoin ist programmierbar. Auch der Markt scheint diese Eigenschaften von Bitcoin und dessen Status als digitales Gold und damit als Inflationsschutz mehr und mehr anzuerkennen. Lending-Dienste als den neuen Zins zu deklarieren, ist wahrscheinlich etwas übereilt. Hier ist (fast) immer Credit Risk mit im Spiel und auch das Mantra „not your keys, not your coins“ spielt bei diesen Plattformen eine große Rolle. Eventuell entwickeln sich Returns aus sogenannten „Lightning Channels“ zu einem echten, risikofreien Zinssatz, aber auch hier ist es zu früh, um darüber urteilen zu können.“

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