Künstliche Intelligenz in der Automobilbranche: Investments auf allen Spuren

Die Apple-Jünger haben ein neues Sehnsuchtsziel. Kein neues iPhone, kein neues iPad und nicht die neuste Version des MacBooks begeistert Fans rund um die Welt – sondern die Aussicht auf das erste vierrädrige und autonom fahrende Projekt aus den legendären Apple-Hallen in Cupertino. Apple iCar heißt es wohlmöglich und – aber auch das sind bisher von Apple unbestätigte Berichte – die südkoreanischen Autobauer Hyundai und Kia könnten mit einem gemeinsamen Deal Apple unter die Arme greifen.

Fakt sind aber die unwiderlegbar von der kalifornischen Verkehrsbehörde registrierten selbstfahrenden Autos, die von Apple mit allerhand Sensoren schon seit Jahren quer durch Kalifornien geschickt werden. Ihre zurückgelegte Strecke steigt dabei jährlich, allein letztes Jahr waren es fast 19.000 Meilen, wie aus den Berichten der Verkehrsbehörde hervorgeht. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 7.544 Meilen. Gleichzeitig warb der Tech-Konzern in den vergangenen Jahren auch mehrfach Mitarbeiter vom E-Auto-Pionier Tesla ab. Dass die bisher genutzten und registrierten selbstfahrenden Autos allesamt umgebaute Lexus-SUVs sind, zeigt: Auto-Hardware ist für Apple nicht so wichtig – die Auto-Software dagegen umso mehr.


Akzeptanz wächst

Damit geht Apple einen Weg, den erstmals Tesla einschlug und der seitdem die ganze Automobilbranche umwälzt. Während anfangs deutsche Autobauer über die zu großen Spaltmaße schmunzelten, ist inzwischen klar, dass Tesla vor allem mit der Software punkten kann, die die Autos annähernd autonom über die Straßen surren lassen kann. Wichtiger Teil der Technologie ist auch bei Tesla die künstliche Intelligenz (KI), die bereits in den Modellen S und X Einzug hält und in allen Teslas mit Yoke-Steuerung wichtige Aufgaben wie Blinken oder Schalten erledigt. Außerdem entscheidet die eingebaute KI, ob beispielsweise eine Parklücke besser vorwärts oder rückwärts befahren werden sollte. Bei der Gefahrerkennung verhindert der mit künstlicher Intelligenz angereicherte Autopilot im Zweifel Schlimmeres.

Auch Deutschlands bekannter Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer forscht schon seit Jahren an der Universität Duisburg-Essen an autonomem Fahren in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Schon dementsprechend früh positionierte er deshalb den Vorteil von KI in Autos: Sie werde „nicht müde und reagiert nicht emotional“, was ein entscheidender Vorteil sei: „Damit werden Sie beim Fahren stets bessere Ergebnisse erzielen, als wenn der Mensch steuert. Wenn die Maschine vernünftig gebaut ist, schlägt sie den Menschen, egal ob beim Schach spielen oder beim Autofahren.“

Auch wenn Tesla noch die Ausnahme ist und Menschen wie Dudenhöffer lange Zeit gegen Windmühlen kämpften: 76 Prozent der Deutschen rechnen damit, dass sich KI-unterstützte Warnsysteme im Auto bereits in den kommenden zehn Jahren durchgesetzt haben, 38 Prozent rechnen sogar mit einem Durchbruch binnen fünf Jahren. Das zeigt eine Bitkom-Umfrage. Für komplett autonom fahrende Autos sind die Deutschen demnach zwar etwas pessimistischer, trotzdem können sich 30 Prozent sie innerhalb von zehn Jahren auf deutschen Straßen vorstellen. Doppelt so viele Deutsche rechnen in dem Zeitraum bereits mit selbstfahrenden Bussen.


Hoher Bedarf, hohes Wachstum

Und wer die Nachrichten aufmerksam verfolgt, der findet wahrlich genügend Indizien für solche Annahmen. So gab etwa Volkswagen, Deutschlands Autokonzern Nummer eins, erst vor wenigen Tagen bekannt, dass der geplante Elektrobus ID.Buzz ebenfalls durch künstliche Intelligenz autonom über die Straßen gleiten soll. Nicht nur die Aktie von Volkswagen reagierte zuletzt positiv auf entsprechende Meldungen, auch der Volkswagen Partner Argo AI liebäugelt zeitweise mit einem Börsengang. Für Investoren tun sich aber auch weitere Investitionsmöglichkeiten auf – der Markt für künstliche Intelligenz in der Automobilbranche dürfte verschiedenen Studien zu Folge bis 2025 mit einer Rate von 35 bis 45 Prozent jährlich wachsen.

Auch andere deutsche Autokonzerne setzen beim autonomen Fahren voll auf die Vorteile der künstlichen Intelligenz. So gab die Daimler AG etwa eine umfassende Kooperation mit dem Chip- und Tech-Konzern NVIDIA bekannt, um eine KI-Plattform für die Fahrzeugflotte zu implementieren. „NVIDIAs KI-Rechnerarchitektur soll dabei helfen, unseren Weg zum autonomen Fahren weiter zu beschleunigen. Neue Funktionen und Upgrades können aus der Cloud heruntergeladen werden. So wollen wir die Sicherheitssysteme kontinuierlich auf dem neuesten Stand halten und damit auch den Wert des Fahrzeugs immer wieder steigern“, erklärt Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, die ungewöhnliche Zusammenarbeit mit dem Tech-Konzern. Im Gegenzug arbeiten aber auch Zulieferer wie Bosch an eigenen KIs.

„Autonomes Fahren ist greifbarer, als viele Verbraucher ahnen“, sagt auch Christian Hintz, Fondsmanager des AI Leaders Fonds, der in Gewinner der KI-Technologie investiert und dabei auch autonomes Fahren als einen interessanten Markt einschätzt. „Chancen für Investments gibt es dabei entlang der ganzen Wertschöpfungskette: Hardware und Software auf der einen Seite, aber auch die Anwender und damit die Autokonzerne selbst, die sich mit künstlicher Intelligenz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können“, meint der Experte.