Künstliche und menschliche Intelligenz werden eins: Pseudo-KI auf dem Prüfstand

Mehr und mehr Unternehmen setzen auf KI-Assistenten, um Kunden zu betreuen, Termine entgegen zu nehmen und sogar komplexe Fragen zu beantworten. Gesteuert werden die vermeintlichen Maschinen jedoch oftmals von Menschen. Die echte Intelligenz springt immer dann ein, wenn die gestellte Aufgabe von der KI nicht gelöst werden kann.
Der erste bekannte Fall einer solchen Pseudo-KI stammt aus dem Jahr 1769. Damals hat der Ingenieur Wolfgang von Kempelen den sogenannten „Schachtürken“ entworfen – eine Maschine, die im Stande war, jeden menschlichen Schachspieler zu besiegen.
Selbst den bekannten Wissenschaftlern gelang es lange nicht, das Rätsel um die künstliche Intelligenz zu lösen. Erst, als bei einem Schachturnier ein Feueralarm ausgelöst wurde, zeigte sich: in der Maschine steckte ein echter Schachspieler, der die Züge ausführte. Bei jenem Brand ging das Kostüm des „Schachtürken“ verloren, doch das Konzept dahinter ist geblieben.

 

Facebook und Co. verbinden künstliche und menschliche Intelligenz

Wie die Zeitung „The Guardian“ berichtet, werden in der Technologie-Branche zunehmend Maschinen mit Pseudo-KI eingesetzt. Diese künstlichen Intelligenzen agieren mit Hilfe von Menschen, die im Hintergrund die Steuerung übernehmen.
Ein aktuelles Beispiel ist das automatisierte E-Mail-Postfach von „Edison Software". Damit der Algorithmus funktioniert und die Pseudo-KI jede E-Mail automatisiert beantworten kann, müssen Mitarbeiter im Hintergrund die Nachrichten manuell verarbeiten und dem Programm zuführen.

Auch Facebook nutzt Pseudo-KI, um Kunden eine künstliche Intelligenz vorzuspielen, die scheinbar flexibel jede Aufgabe lösen kann. Der Software-Assistent „M“ war in der Lage, den Wetterbericht auszugeben und Facebook-Nutzer vor Niederschlägen zu warnen, konnte jedoch auch Blumen bestellen und Termine vermerken. Das besondere an M war jedoch das große Verständnis der Maschine für eine Vielzahl von Aufgaben, die Kunden ihr stellten. Sämtliche Anforderungen erfüllte M mit Bravour und einer großen Eloquenz.
Als Experten die Maschine genauer unter die Lupe nahmen, wurde festgestellt: es handelte sich um eine Pseudo-KI. Echte Menschen beantworteten die Fragen der Nutzer und spielten die Antworten nach und nach der Maschine zu, die auf diese Weise zwar immer selbstständiger wurde, das Vertrauen der Kunden jedoch verspielte.

 

Menschliche Intelligenz ist unverzichtbar

Das KI-Start-up „X.ai“ setzte vor einigen Jahren Studenten ein, die die „virtuelle“ Assistentin Amy steuerten, welche Termine von Klienten angeblich automatisch organisierte. Auch hier flog der KI-Schwindel auf, als Experten die Sekretärinnen-Software im Detail prüften. Die Aufgabe der menschlichen Helfer, die Amy in Zwölf-Stunden-Schichten bedienten, soll äußerst fordernd und stressig gewesen sein. Einige der ehemaligen Angestellten hofften damals auf die Entwicklung eines echten Bots, der die zermürbende Aufgabe übernehmen würde.
Wenn hinter vermeintlicher künstlicher Intelligenz echte Menschen stecken, stellt dies das Vertrauer der Nutzer auf die Probe. Doch in manchen Fällen ist die Pseudo-KI ein notwendiger Kompromiss, um die Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer zu verbessern. So im Fall von Googles virtuellem Assistenten „Duplex“. Das KI-Experiment wird während der Testphase von echten Menschen überwacht, die bei Problemen persönlich mit den Kunden in Kontakt treten können.