"Think big": Wie der Lakestar-Fonds zum Champion unter den Tech-Investoren avancierte

Klaus Hommels gilt mit seinem Fonds „Lakestar“ als Top-Investor in der europäischen Tech-Szene. Er investierte mit großem Erfolg in Facebook, Skype, Spotify, Xing, GoEuro und viele andere angesagte Internet-Unternehmen.

Dort, wo ein Gründerszene Award in Erscheinung tritt, stehen oftmals interessante Firmengeschichten mit enormem Wachstum dahinter. Um so schnelles Wachstum zu erreichen, sind viel Mut und Durchsetzungskraft bei den Gründern gefragt. In dem gerade abgelaufenen Jahr 2018 wurden erstmals zwei Sonderpreise vergeben. Mit dem Sonderpreis „Entrepreneurship“ sollen Menschen ausgezeichnet werden, die sich besonders erfolgreich um die deutsche Start-up-Szene bemüht haben. Der Sonderpreis „Big Player“ zielt insbesondere auf Plattformen für Geschäftsideen ab, die ihrerseits ein beachtliches Wachstum vorweisen können.


Der Sonderpreis „Entrepreneurship“

Kaum ein anderer Investor aus Deutschland als Klaus Hommels hat derartig viele von Erfolg gekrönte Deals mit internationalen Hightech-Firmen abgeschlossen. Unter anderem beteiligte er sich zu einem guten Zeitpunkt am sozialen Netzwerk Facebook sowie am Musikstreamingdienst Spotify. Ganz aktuell richtet er mit Lakestar seinen Fokus auf die britische Newcomer-Bank Revolut und den schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna. Des Weiteren ist er mit großen Summen in Skype und in den deutschen Firmen GoEuro und Xing investiert.

Spotify ist eine von den ganz großen Erfolgsgeschichten in Europa, die Klaus Hommels maßgeblich mitgestaltet hat. Der gebürtige Rheinländer zieht oftmals eher unbemerkt die Strippen, wenn ein europäisches Start-up die Leiter zur Weltliga emporklimmt. Der schöne Ausblick auf das Seebad Utoquai von seinem Züricher Büro aus gab wohl den Anstoß für den Namen Lakestar für seinen Fonds.


Der frühe Vogel fängt den Wurm

Sein Credo ist stets die Suche nach guten Ideen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Massen bewegen werden, wobei sein Geschäftsprinzip unbedingt den frühen Einstieg, bevor alle anderen aufspringen, vorsieht. Als Einstieg lässt er überhaupt nur sechsstellige Summen gelten. Damit lassen sich in der Regel Anteile von einigen Prozenten erzielen. Erwächst sich so ein Start-up dann zu einem Milliarden schweren Unternehmen, hat sich das Unterfangen allemal gelohnt.

Investoren, die sich erst später trauen, aktiv zu werden, wenn sich der Unternehmenserfolg bereits klar zeigt, müssen wesentlich tiefer in die Tasche greifen. In der Tat wunderten sich viele darüber, als Hommels einen erheblichen Teil seines Vermögens in Skype steckte. Das war vor circa zehn Jahren, als zwei skandinavische Entwickler ein Programm ins Netz stellten, mit dem man lediglich telefonieren konnte. Dann trat Hommels auf den Plan und entstanden ist daraus der weltweit genutzte Skype-Standard.


Aktiv mitmischen führt zum Erfolg

Da nimmt es nicht Wunder, dass sein Name für andere Investoren inzwischen eine Art Gütesiegel für Investment geworden ist. Wer in der Finanzwelt etwas auf sich hält, springt dort sofort auf, wo er investiert. Was Hommels aber stets von anderen Geldgebern unterscheidet, ist sein besonderes Engagement, denn er empfindet sich nicht nur als stillen Teilhaber, sondern vielmehr als wichtige Säule der Geschäftsentwicklung insgesamt. So nimmt er teil an den Strategieprozessen, ist als gefragter Wirtschaftsberater unterwegs und legt großen Wert darauf, zum rechten Zeitpunkt die richtigen Leute zusammenzubringen. Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, muss ein Unternehmen schnell genug die kritische Größe erreichen und das geht nur unter der Prämisse „Think Big“, so Hommels Sichtweise.


Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Bereits als Teenager wusste Hommels, dass er mal Investor werden will. Damals waren es Puma-Aktien, die er als 14-Jähriger mit den geschenkten 20.000 D-Mark von seiner Oma kaufte und satte Gewinne damit machte, weil sich die Aktiennotierung schnell verfünffacht hatte. In so großen Konzernen wie AOL oder Bertelsmann war er als Manager ein gefragter Mann. Dennoch wagte er mit 33 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. An den „Tagesspiegel“ gerichtet bekannte Hommels, dass auch er nicht immer nur mit Erfolg gehandelt hat. Es sei sogar wichtig, ab und an Wetten einzugehen, die dann in die Hose gehen, weil man dabei wichtiges Wissen für spätere Deals aufbaut.

Der Xing-Gründer Lars Hinrichs drückte es einmal so aus: „Was gute Deals angeht, ist Hommels ein Trüffelschwein, ein absoluter Stratege.“ Niemals investiert Hommels in absolut neue Geschäftsmodelle, weil bekanntermaßen nicht der Erste gewinnt, sondern in aller Regel erst der Dritte oder Vierte.

Im Allgemeinen meidet Hommels eher die Öffentlichkeit. Kontakt mit ihm aufzunehmen, ist daher gar nicht so einfach, schon gar nicht für die vielen kleinen Gründer, die ihm zuweilen viel „Schrott“ zusenden. Doch wenn er sich an einer Idee festgebissen hat, lässt er nicht locker. Zum Beispiel telefonierte er ganze zwei Monate lang täglich hinter dem Skype-Gründer Niklas Zennström hinterher, da er bei ihm unbedingt investieren wollte.

Bei seiner Auswahl der Start-ups achtet Hommels auf zwei Dinge:

1. Größe des potenziellen Marktes
Das oder die Produkte müssen sehr viele Menschen ansprechen. Wie hoch ist deren Bereitschaft, dafür Geld auszugeben? Hat das Produkt das Zeug dazu, eine ganze Branche umzukrempeln?

2. Persönlichkeit des Gründers
Hommels fällt es leicht, Macher sofort zu erkennen, auch dann, wenn noch gar keine Erfolge vorliegen.


Klaus Hommels, dessen Vermögen vom „Manager Magazin“ auf 300 Millionen Euro geschätzt wird, kritisiert in seinen eher seltenen Vorträgen und Interviews schon mal die deutsche Regierung mit den Worten, dass Deutschland zu wenige Mittel in die Digitalwirtschaft stecke mit der Folge, dass wir dadurch den Anschluss verpassen.