Lessons Learned: Riestern lohnt sich nicht!
4 min
2021-10-28

Lessons Learned: Riestern lohnt sich nicht!

Fehler an der Börse zu machen, ist das eine. Den Fehler, gar nicht erst an der Börse zu investieren und auf die Riester-Rente zu vertrauen, das andere. CAPinside-Experte Rainer Wagenhäuser berichtet von seiner Odyssee als Riester-Sparer und zeigt, wie alt er werden müsste, um wenigstens die gezahlten Beiträge rauszubekommen.

Nahezu 20 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Riester-Rente als eine durch staatliche Zulagen und Sonderausgabenabzug geförderte, privat finanzierte Rente in Deutschland im Jahr 2002 eingeführt wurde. Benannt nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester sollte das „Riestern“ die gesetzliche Rente ergänzen und die allgemeine Absenkung des damaligen Rentenniveaus ausgleichen.

Leider hat der von mir gewählte Beruf des Journalisten einen kleinen Haken, wenn man es aus der Perspektive eines Riester-Sparers betrachtet: Als Pflichtversicherte zahlen freiberufliche Journalisten ebenso wie Angestellte Beiträge für ihre Kranken- und Rentenversicherung. Dies ist zwar grundsätzlich sinnvoll, führte jedoch im Jahr 2008 zum Abschluss meines Riester-Sparplanes, da sich die Riester-Rente an jeden richtet, der in die gesetzlichen Rentenkassen einzahlt.





Der Plan: Versorgungslücke schließen, Prämien erhalten & Steuern sparen

Ich machte mich auf die Suche nach einem passenden Riester-Anbieter und entschied mich für einen Banksparplan bei der Mainzer Volksbank, die damals aufgrund der niedrigen Kosten bei diversen Riester-Vergleichen als Testsieger hervorging. Alles klang gut: Mit dem Riester-Sparplan die Versorgungslücke im Alter schließen, jährliche Prämien vom Staat erhalten und auch noch Steuern sparen. Was will man mehr?

Die Riester-Kosten bei der Mainzer Volksbank erschienen mir transparent und kundenfreundlich: Eine Verwaltungsgebühr von 10 Euro jährlich als einziger Kostenfaktor stand ebenso im Vertrag wie der Verzicht auf jegliche Abschluss- oder Vertriebskosten. Der jährliche Zinssatz sollte sich an der Umlaufrendite öffentlicher festverzinslicher Anleihen orientieren. In meinem Vertrag vom 13. Juli 2008 wurde ein Zinssatz von anfangs 3,82 Prozent festgehalten – was waren das noch für Zeiten! Bereits kurz nach Abschluss meines Riester-Sparvertrages hatte sich der Zins bereits halbiert und ging stetig in Richtung Null.

Mehr als 13 Jahre lang zahlte ich jeden Monat bis zu 150 Euro in den Riester-Sparplan. Mir war zwar schnell klar, dass aufgrund des sinkenden Zinsniveaus die Rente in der Auszahlungsphase erheblich hinter den eigenen Erwartungen hinterherhinken würde, aber ich ging davon aus, dass die staatlichen Zulagen dies zumindest teilweise ausgleichen werden.



Augen auf in der Auszahlungsphase!

Einmal im Jahr erhielt ich Post von der Mainzer Volksbank mit dem aktuellen Kontostand inklusive des Hinweises auf die jährliche staatliche Zulage in Höhe von 154 Euro. Immerhin kam so im Laufe der Jahre eine angesparte Summe von mehr als 24.000 Euro zusammen.

Der Auszahlungsbeginn der Riester-Rente hängt vom Jahr des Vertragsabschlusses ab. Da ich meinen Vertrag bereits vor 2011 abgeschlossen habe, kann meine Auszahlungsphase schon ab dem 60. Lebensjahr beginnen. Als Geburtsjahrgang 1961 wurde mir mitgeteilt, dass ich bereits ab Dezember 2021 eine Riester-Rente beanspruchen könne und war gespannt, was die Berechnungen für meine lebenslange Rente ergeben würden.

Aber erst einmal musste ich mich zwischen verschiedenen Auszahlungsvarianten entscheiden: Soll es eine sofort beginnende Rentenversicherung sein oder ein Auszahlplan bis zum 85. Geburtstag mit aufgeschobener Rentenversicherung? Ersteres verspricht eine etwas höhere Riester-Rente und erscheint mir transparenter. Die zweite Frage „Mit oder ohne Todesfallleistung?“ war ebenfalls schnell geklärt, da die Variante ohne Todesfallleistung nur einen minimalen finanziellen Vorteil versprach.


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Vorzeitige Teilauszahlung als tückische Steuerfalle

Es blieb noch die dritte Entscheidung: Soll ich mir einen Teil der angesparten Summe vorzeitig auszahlen lassen? Als Alternative zu einer Vollverrentung könnte ich 30 Prozent des eigenen Riester-Vermögens anzapfen, ohne die staatliche Förderung zu riskieren.

Dies klingt zunächst gut, allerdings treibe ich mit der Teilauszahlung Einkommen und Steuersatz in die Höhe. Der komplette Betrag muss im Jahr der Auszahlung versteuert werden. Ich hatte doch nicht jahrelang angespart, um einen nicht unerheblichen Teil dem Finanzamt zu überlassen. Daher entschied ich mich gegen eine Teilauszahlung und stellte das komplette Kapital für die Verrentung zur Verfügung.

Nun war ich sehr gespannt, was unter dem Strich bei der monatlichen Rente herauskommt und war von den Berechnungen der Mainzer Volksbank schwer enttäuscht: Ich erhalte eine monatliche Rente von lediglich 59,01 Euro. Diese müsste ich mehr als 34 Jahre in Anspruch nehmen und somit fast 95 Jahre alt werden, nur um den angesparten Betrag wieder zurückzuerhalten.

Neben dem minimalen Zinsniveau der letzten Jahre und der höheren Lebenserwartung in den Kalkulationen der Versicherer gibt es einen weiteren Grund für magere Riester-Renten: Auch wenn die Banken bei den Riesterverträgen auf hohe Verwaltungskosten verzichten, gilt dies leider nicht für ihre Versicherungspartner. Bei meinem Vertrag fallen hier Kosten in vierstelliger Höhe an, welche die Rentenhöhe empfindlich mindern, davon allein rund 900 Euro an Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten gleich zu Vertragsbeginn.


Übertragung an einen anderen Riester-Anbieter als Ausweg?

Da die Volksbank mich zu Vertragsbeginn nicht auf die Kosten in der Auszahlungsphase hingewiesen hat, bat ich um eine Stellungnahme. Die Antwort: Die Kosten fallen ja nicht beim Vertragspartner Bank an, sondern bei der Versicherung der Raiffeisen- und Volksbanken, der R+V Versicherung AG. Wenn ich in die Auszahlungsphase eintrete, könne ich das Riester-Guthaben aber auch an einen anderen zertifizierten Riester-Anbieter übertragen.

Um zu verhindern, dass meine mühsam angesparte Zusatzrente durch allzu hohe Kosten geschmälert wird, machte ich mich gleich an die Recherche, welche Versicherungen speziell für die Auszahlungsphase einer Riester-Rente einen Vertrag anbieten. Nach etlichen Anfragen bei allen großen Versicherungsgesellschaften, die Riester-Policen anbieten, musste ich enttäuscht aufgeben, ohne ein einziges Vergleichsangebot zu erhalten.

Welcher Versicherer die Rente bezahlt, können sich Riester-Sparer nur theoretisch aussuchen, da die Banken dabei auf Verbundpartner im eigenen Unternehmensuniversum zurückgreifen. Kunden müssen somit auch schlechte Angebote akzeptieren, da es kaum möglich ist, einen alternativen Versicherer zu finden, der das angesparte Kapital verrentet.


Gut gemeint aber schlecht gemacht!

Mein persönliches Fazit zur Riester-Rente: Riestern lohnt sich keineswegs und ist teuer und unflexibel. Die meisten Riester-Anbieter kalkulieren zudem mit einer unrealistisch hohen Lebenserwartung. Verärgert bin ich vor allem über die Intransparenz der Riester-Anbieter, die verschweigen, dass es beim Versicherungspartner später zu erheblichen Verwaltungskosten in der Auszahlungsphase kommt.

Fatal für das Thema Altersversorgung halte ich das Signal: Wer mit der Riester-Rente auf private Altersvorsorge setzt und eigene Rentenlücken schließen möchte, wird letztendlich bestraft. Eine Direktinvestition – beispielsweise in einen Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds – wäre für Millionen von Riester-Sparern die deutlich bessere Alternative gewesen. Meine späte Erkenntnis: Man sollte sein mühsam erspartes Geld halt doch lieber einer Fondsgesellschaft oder einem Vermögensverwalter anzuvertrauen, als das Thema Altersvorsorge den gut gemeinten, aber schlecht gemachten Plänen unserer Politiker überlassen.


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