Lidl möchte bezahlbaren Wohnraum bieten

Lidl steigt ins Immobiliengeschäft ein

Bisher galt die Verwaltung von Wohnungen nicht als das originäre Geschäftsmodell des Lebensmitteldiscounters. Doch nun soll sich dies ändern, denn nachdem bereits Aldi und Rewe mitteilten, Wohnungen zu vermieten, steigt nun auch Lidl in dieses Geschäft ein. Demnach wird das Unternehmen den Bau von kombinierten Wohn- und Geschäftshäusern in Angriff nehmen. Ein erstes Pilotprojekt soll in Berlin gefahren werden. Auch der Stadtentwicklung begrüßt diesen Vorstoß, denn der Wohnungsmangel wird immer größer.

Doch das Modell, Wohnen und Einkaufen ist nicht neu, denn knapper Wohnraum und begrenzte Bauflächen zwingen die Stadtverwaltungen zum Umdenken. Laut Experten ist eine Expansion kleiner Geschäfte kaum möglich, sodass lediglich ein Abriss und Neubau in Angriff genommen werden kann. Doch diese Neubauten müssten in diesem Fall genehmigt werden. Und hier kommt das Konzept des Wohnraums ins Spiel. 

Durch zusätzliche Wohn- oder Gewerbefläche können die Behörden von einem Neubau einer Filiale überzeugt werden. Natürlich geht es für die Anbieter in erster Linie um den Einzelhandel, doch die Ansprüche nehmen immer weiter zu. Eine steigende Einwohnerzahl bedeutet zugleich eine steigende Nachfrage und diese kann in einige Fällen nicht mehr bedient werden.



Traffic durch die Vermietung steigern

Laut Jenny Stemmler, der Bereichsleiterin für Immobilien bei Lidl, befindet sich das Unternehmen bereits in intensiven Gesprächen mit der Stadtplanung. Rund fünf Projekte mit einem kombinierten Wohn- und Geschäftsraum stehen demnach in Planung. Besonders konkret sei der Neubau der Filiale in der Müllerstraße 48, in Berlin Wedding. Dort soll die bestehende Filiale abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Das Erdgeschoss besteht aus einer modernen Lidl-Filiale, während eine Tiefgarage sowie 60 bis 80 Wohnungen das Angebot abrunden sollen. Zudem sollen Grünflächen auf dem Dach dafür sorgen, dass Feinstaub aus der Luft gefiltert wird. Um den Trend der Elektromobilität gerecht zu werden, erhalten die Wohnungen eine Photovoltaik-Anlage und E-Ladeplätze.

Laut den Discountern besteht der besondere Charme dieses Ansatzes in der engeren Verbindung zum Kunden. Dieser müsse keine Fahrstrecke für den Einkauf mehr zurücklegen und könne direkt in die Filiale gehen.

 

Kunde im Fokus

Ein Dorn im Auge der Stadtverwaltungen sind riesige Supermärkte, welche zudem noch über die entsprechenden Parkflächen verfügen. Aus diesem Grund möchte Berlin die Unternehmen dazu bringen, einen Umbau zu forcieren. Doch auch die Unternehmen setzen auf diesen Ansatz. Somit sei die Bindung zum Kunden intensiver und dieser wird weniger häufig den Anbieter wechseln. Die Relevanz der Thematik verdeutlicht sich durch eine Aussage Stemmlers. Demnach werden gerade 140 Filialen des Einzelhändlers in Berlin überprüft. Dennoch setzt das Unternehmen einen klaren Fokus auf die Wirtschaftlichkeit.