Lira erreicht 15-Wochen-Hoch

Die türkische Landeswährung befand sich lange in einer Abwärtsspirale. Die Inflation stieg rasant, was zu innenpolitischen Spannungen führte, da die Kaufkraft der Bürger abnahm. Auch Importwaren wurden immer teurer. Zusätzlich sorgten politische Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und den USA für Unruhen. Nun aber ist ein Aufwärtstrend erkennbar, der sich über mehrere Monate erstreckt. Gegenüber dem Euro und Dollar legt die Lira immer mehr zu und erreichte nun ein 15-Wochen-Hoch.

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass das Land eine Ausnahmegenehmigung durch die Vereinigten Staaten erhält und Öl-Geschäfte mit dem Iran abwickeln darf. Ist das der Fall, dann bedeutet diese Entscheidung einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nationen. Zusätzlich deutet diese Maßnahme darauf hin, dass die diplomatischen Verstimmungen überwunden sind. Ein Dollar kostete daher nur noch 5,46 Lira. Neben dem Wechselkurs profitierte die Börse von diesen Spekulationen, da nun die Fantasien der Anleger beflügelt sind. Der Index verbesserte sich sogleich um ein Prozent.


Verantwortlich dafür ist der türkische Energieminister Fatih Donmez. Er verbreitete, dass er aus sicheren Quellen gehört habe, dass sein Land von den Sanktionen ausgenommen ist und sich daher mit iranischem Öl eindecken kann. Es fehlt jedoch noch ein schriftliches Dokument, das diese Erlaubnis beinhaltet. Die Investoren gehen davon aus, dass es sich hier um keine Behauptung handelt, die Donmez ohne Grund trifft. Damit wäre die Nation am Bosporus eines von acht Ländern, die über eine solche Ausnahmegenehmigung verfügt. Große Volkswirtschaften wie Japan oder Indien dürfen ebenfalls Öl vom Iran kaufen. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo erklärte, dass diese Information im Grundsatz richtig ist, es gäbe jedoch noch einige Details, die beide Seiten abklären müssen. Dennoch glaub er fest daran, dass eine Übereinkunft zustande kommt.


Die Wichtigkeit einer solchen Vereinbarung

Die Türkei ist einer der größten Abnehmer von Erdöl aus Teheran. Stabile Importe sind dabei von größter Wichtigkeit, da man den Energiebedarf aus eigener Kraft nicht abdecken kann. Nur wenn die Einfuhren gesichert sind, bleibt der Preis stabil und die Haushalte verfügen über warmes Wasser und Strom. Ferner ist Erdöl ein Wirtschaftsfaktor. Nur durch den fossilen Brennstoff ist ein Wirtschaftswachstum möglich. Dieses lag im letzen Jahr bei knapp 7,5 Prozent und ist ebenfalls ein Gesichtspunkt, der sich auf den Wechselkurs auswirkt. Die Aussichten für 2019 sind deutlich negativer. Fachleute gehen davon aus, dass der Zuwachs kaum wahrnehmbar sein wird. Durch die jetzige Entwicklung besteht die Möglichkeit, dass sich die Vorzeichen ändern.


Gründe für die schlechte wirtschaftliche Lage

Mehrere Umstände sind dafür verantwortlich. So ist der starke Dollar ein Hauptaspekt. Donald Trump möchte die amerikanische Wirtschaft unterstützen und sorgt mit seinen Reformen für mögliche kurzfristige Erfolge. Die Steuerreform, die Konzerne entlastet, ist ein Beispiel dafür. Die politische Lage innerhalb der Türkei besorgt die Anleger ebenso, weshalb sie sich für andere Investitionsobjekte entscheiden. Sie sind sich nicht mehr sicher, ob die Notenbank noch unabhängig ihre Entscheidungen trifft und dabei die Marktlage berücksichtigt, oder ob der Präsident aktiv eingreift und künstlich ein angenehmes Wirtschaftsklima erzeugt.